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Frankfurter Mainkai soll erneut gesperrt werden

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Gesperrter Mainkai vor zwei Jahren: Noch in diesem Jahr soll die Uferstraße im Stadtzentrum nachts und an Wochenenden zur Tabuzone für Autos werden, plant die neue Koalition. FOTO: Rolf Oeser
Gesperrter Mainkai vor zwei Jahren: Noch in diesem Jahr soll die Uferstraße im Stadtzentrum nachts und an Wochenenden zur Tabuzone für Autos werden, plant die neue Koalition. © Oeser

Koalition will Uferstraße nachts, am Wochenende und in den Ferien autofrei haben. Die geplante Vollsperrung kommt allerdings erst später.

Frankfurt -Der Mainkai soll wieder gesperrt werden. Die Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt will Autos und Lastwagen von der Durchgangsstraße in der Altstadt nachts und am Wochenende aussperren. Nächste Woche soll das Stadtparlament beschließen. Die erneute Sperrung soll "baldmöglichst" kommen.

Laut dem kurzfristig vorgelegten Antrag soll der Mainkai stets von 19 bis 6 Uhr gesperrt werden, übers Wochenende, an Feiertagen und in den Schulferien. Ab wann das gelten soll, lassen die Koalitionäre offen: Im Beschlussentwurf heißt es nur, es werde "der Mainkai ab 2022 autofrei". Auch auf eine Frage von Daniela Mehler-Würzbach (Linke) nach dem Termin geht in der Ausschussdebatte kein Politiker der Koalition ein.

Von Juli 2019 an war der Mainkai von Alter Brücke bis Untermainbrücke testweise 13 Monate lang gesperrt. Anwohner aus Sachsenhausen gingen auf die Barrikaden, weil Fahrzeugschlangen durch ihre Straßen rollten. Daran änderten auch kleine Verbesserungen des damaligen Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD) nichts. Kritik wurde auch laut, da die Uferstraße über Monate hinweg leer, ohne Nutzung war.

Frankfurter Verkehrsdezernent: "Mehrheit wünscht sich das"

Die neue Römer-Koalition fordert nun ein Umleitungskonzept. Das solle Oesterlings Nachfolger Stefan Majer (Grüne) "zeitnah im Ausschuss" präsentieren. Die Sperrung solle wissenschaftlich analysiert werden. "So soll gewährleistet werden, dass die Stadtteile - vor allem Sachsenhausen - durch den autofreien Mainkai nicht zusätzlich belastet werden und der Wirtschaftsverkehr weiterhin funktioniert", betont die Koalition.

Geprüft werden solle auch, ob der Flohmarkt alle zwei Wochen auf den Mainkai verlegt werden könne. Zudem werde ein Freiraum- und Gestaltungskonzept entwickelt. Das "stellt einen ersten Schritt zum komplett autofreien Mainkai dar". Der steht zwar auch im Koalitionsvertrag, aber auf Druck der FDP mit der Vorgabe, dass es erst ein Gesamtkonzept für den Verkehr geben soll. Das ist seit voriger Woche mit dem Masterplan Mobilität in Arbeit. Deshalb betont die Koalition auch: "Der ganztägige autofreie Mainkai wird (erst) im Rahmen eines Gesamtkonzepts in dieser Wahlperiode umgesetzt werden."

"Eine Mehrheit der Menschen in der Stadt wünscht sich das", ist Dezernent Majer von der Sperrung überzeugt, aber "sicher nicht alle". Grünen-Stadtverordneter Johannes Lauterwald wird konkret: "Es geht darum, den Autos Platz wegzunehmen, um eine Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer zu erreichen." Das sei nun ohne die CDU umsetzbar, nachdem diese die vorige Koalition "wie ein Mühlstein um den Hals" gebremst habe, giftet SPD-Fraktionschefin Ursula Busch.

Frankfurter CDU: Straße wird weiter für Verkehr benötigt

Lob für die Sperrung spricht Daniel Tiedtke vom Verkehrsclub VCD im Namen des "Bündnisses Verkehrswende" in der Bürgerfragestunde aus. Er erinnert aber daran, dass die Koalition die Wochenendsperrungen bereits für Jahresbeginn versprochen habe. Auch müsse die Aufenthaltsqualität, am Mainkai "noch deutlich verbessert" werden. Das sieht auch der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Frank Nagel, so. Seine Fraktion hat ein Konzept dafür vorgelegt - das die Koalition ablehnt: Ein bloßes Umgestalten der Straße sei "ein Konzept aus den Neunzigerjahren", kritisiert Stefan Majer. Er wolle den Mainkai als Straße entwidmen.

"Die Straße wird weiter benötigt für den Verkehr", auch für gewerblichen Schwerverkehr, mahnt Nagel an. Da die Koalition auf Umleitungsstrecken ebenso Fahrspuren reduzieren wolle, sei ein Umleiten kaum möglich. Nagel warnt, ohne Konzept drohe, dass die Autos und Laster "eben nachts um am Wochenende durch Sachsenhausen" fahren.

Die Kritik wischt Volt-Fraktionschef Martin Huber weg. Es sei positiv, "dass nicht per se kritisiert wird, was wir vorhaben". Natürlich "kann es Verdrängungseffekte geben", räumt er ein. Es gebe aber mit dem guten öffentlichen Nahverkehr Alternativen.

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