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Frankfurter Medizintechnik zieht es nach Offenbach

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Von: Friedrich Reinhardt

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Zieht von Fechenheim nach Offenbach: die Firma Biospring. Der Stadt gehen damit 370 Arbeitsplätze verloren. FOTO: Privat
Zieht von Fechenheim nach Offenbach: die Firma Biospring. Der Stadt gehen damit 370 Arbeitsplätze verloren. © Biospring

Hauptsitz bleibt auf dem Allessa-Areal in Fechenheim

Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, dass der führenden Ventiltechnik-Hersteller Samson bekannt gab, er ziehe von Frankfurt nach Offenbach. Nun kündigte auch das Fechenheimer Vorzeigeunternehmen Biospring an, auf der anderen Mainseite zu expandieren. Immerhin: Der Hauptfirmensitz im Industriepark-Fechenheim bleibt erhalten.

200 neue Arbeitsplätze

Auf dem ehemalige Clariant-Gelände in Offenbach will das rasant wachsende Biotech-Unternehmen eine zusätzliche Hightech-Produktionsstätte errichten. "Das wird eine der modernsten Produktionsanlagen der Welt", sagte jetzt Geschäftsführerin Sylvia Wojczewski bei der Vorstellung der Pläne. 200 neue Arbeitsplätze sollen am Standort Offenbach entstehen, erste Aktivitäten sind für die zweite Jahreshälfte 2023 geplant. Biospring investiere einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in das Vorhaben, so die Geschäftsführerin.

Das Unternehmen stellt unter anderem Wirkstoffe für Pharma- und Biotech-Unternehmen her, ist europaweit führend in der Produktion synthetischer DNA-Fragmente für die therapeutische Arzneimittelanwendung sowie Weltmarktführer auf dem Gebiet der sogenannten Genschere.

Mit einer Gesamtfläche von 36 Hektar ist der Innovationscampus OF die größte zusammenhängende innerstädtische Entwicklungsfläche für eine gewerbliche Nutzung im Rhein-Main-Gebiet. Eigentümerin ist die INNO, eine Immobiliengesellschaft der Stadtwerke Offenbach, die das Areal zusammen mit ihrem Schwesterunternehmen Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH (OPG) im Auftrag der Stadt entwickelt und vermarktet. 26 Hektar des Campus stehen für eine gewerbliche Entwicklung zur Verfügung. Mehr als die Hälfte davon, 14,3 Hektar, hat Samson erworben. "Biospring wird seine Produktion auf knapp einem Hektar an der Kettelerstraße ganz im Osten des Areals unmittelbar neben Samson ansiedeln und dazu das ehemalige Sozialgebäude der früheren Farbwerke Hoechst umnutzen", informierte Daniela Matha, Geschäftsführerin der INNO.

Die 1997 gegründete und inhabergeführte Firma zählt in der nicht erst seit der Entwicklung von Corona-Impfstoffen boomenden Biotech-Branche zu Hessens Vorzeigeunternehmen. Mit sechs Beschäftigten gestartet, sind heute für das von den beiden geschäftsführenden Gesellschaftern Sylvia Wojczewski und Hüseyin Aygün geleitete Unternehmen über 370 Mitarbeiter tätig.

Aufgrund des enormen Wachstums wurde Biospring, das seinen Hauptstandort auf dem Fechenheimer Allessa-Gelände hat, kürzlich zum Hessen-Champion in der Kategorie Jobmotor gekürt. "Auf dem Offenbacher Innovationscampus werden wir erhebliche neue und zusätzliche Kapazitäten aufbauen, um weiter schnell wachsen zu können", sagt Wojczewski. "Wir werden viele neue Arbeitsplätze schaffen, investieren in Hightech-Reinräume und können damit den gestiegenen Bedarf im Weltmarkt Rechnung tragen. Die Biotechnologie ist eine Schüsseltechnologie der Zukunft sowie für den Industriestandort Deutschland."

"Wir beschäftigen uns mit den Bausteinen des Lebens, konkret: mit Nukleinsäuren, den Trägern der Erbinformationen aller Lebewesen unseres Planeten", erläutert Geschäftsführer Aygün.

Synthetische DNA-Fragmente

"Als einer von weltweit sehr wenigen Anbietern kann Biospring DNA-Fragmente, sogenannte Oligonukleotide, in großer Menge und von höchster Qualität für den Einsatz in den Bereichen Therapie, Diagnostik sowie Forschung und Entwicklung synthetisch herstellen." Auch an einer anderen Anwendung von Oligonukleotiden ist Biospring maßgeblich beteiligt: dem sogenannten Genome Editing, der "Genschere". Für diese Technologie, in der ebenfalls therapeutische Oligonukleotide zum Einsatz kommen, entwickelte sich Biospring in den letzten Jahren zum weltweit führenden Anbieter.

Hüseyin Aygün erläutert: "Wirkstoffe auf Basis solcher Oligonukleotide blockieren genetische Fehlfunktionen und haben dadurch das Potenzial, neue Therapieansätze für eine Vielzahl bisher nicht behandelbarer Erkrankungen zu ermöglichen." Mit der revolutionären Technologie des Genome Editings bestehe in Zukunft sogar die Möglichkeit der Heilung bei bestimmten genetischen Erkrankungen.

Oligonukleotide werden auch in der Diagnostik eingesetzt. Sie sind beispielsweise ein Hauptbestandteil in den derzeit so raren PCR-Tests. Matthias Dahmer

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