Totschlag

Frankfurter mit Flaschenhals getötet

  • VonMatthias Gerhart
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Prozess gegen 33-Jährigen eröffnet

Frankfurt -Weil er im Streit einen Wohnungsgenossen mit einem abgebrochenen Flaschenhals getötet haben soll, muss sich seit Donnerstag ein 33-Jähriger vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Die Anklage legt ihm vollendeten Totschlag sowie gefährliche Körperverletzung und Bedrohung zur Last.

Ein einziger Schnitt mit einem abgebrochenen Flaschenhals reichte im Oktober vergangenen Jahres, um einen 39 Jahre alten Mann zu töten. Täter soll ein heute 33 Jahre alter Mann gewesen sein, der seit gestern auf der Anklagebank des Landgerichts sitzt. Vor der Schwurgerichtskammer wird ihm in diesem Zusammenhang vollendeter Totschlag zur Last gelegt.

Die Anklageschrift, die am ersten Verhandlungstag verlesen wurde, enthält aber auch noch einen zweiten Vorfall, der zwei Tage vor der Bluttat datiert. In der Nähe der S-Bahn-Station Stadion stieß der aus dem Irak stammende Mann einen ihm bis dahin völlig unbekannten 53-Jährigen von seinem Fahrrad und hielt ihm eine abgebrochene Glasflasche vor. Die Polizeibeamten, die rasch vor Ort waren und den Angriff vereitelten, wurden mit den Worten empfangen: "Der IS wird Euch finden und töten".

Nur zwei Tage später kam es dann aus derzeit noch völlig unbekannter Ursache zu dem Streit zwischen dem Angeklagten und dem 39 Jahre alten Mitbewohner der zimmerweise vermieteten Wohnung in Niederrad. Nachdem das Opfer von der scharfen Glaskante am Hals getroffen wurde, war der Blutverlust in kürzester Zeit so enorm, dass der Mann noch am Ort des Geschehens verblutete.

Noch am selben Tag wurde der mutmaßliche Täter von der Polizei festgenommen. Erste Untersuchungen und Vernehmungen deuteten darauf hin, dass Alkohol- und Drogenkonsum eine bestimmende Rolle bei beiden Auseinandersetzungen spielten. Darüber hinaus erzählte der Mann etwas von einer Notwehrsituation, in die er vor der Attacke geraten sei.

Angeklagter schweigt am ersten Verhandlungstag

Zum Prozessauftakt aber zog er es vor, weder zu seiner Person noch zu den Anklagevorwürfen auszusagen. Die Schwurgerichtskammer, die unter der Leitung von Richter Volker Kaiser-Klan tagt, wird also direkt in die Beweisaufnahme einsteigen müssen.

Eine maßgebliche Bedeutung wird auch die Expertise des psychiatrischen Sachverständigen haben, der sich mit der möglichen Einschränkung der Schuldfähigkeit des Angeklagten zu befassen hat. Neben der Suchtproblematik geht es dabei auch um Persönlichkeitsstörungen - besonders der Zwischenfall mit dem Radfahrer deutet auf solche Aspekte hin.

Fünf weitere Verhandlungstage stehen dem Gericht derzeit für den Prozess zur Verfügung - Mitte August, so die Planung, soll das Urteil verkündet werden.

Die Richter der Schwurgerichtskammer tagten gestern wieder in einem geschlossenen Raum - tags zuvor hatte man von Amts wegen eine "Landpartie" nach Dörnigheim unternommen, wo der Tatort eines spektakulären Doppelmordes in Augenschein genommen wurde. Vater und Sohn haben sich deshalb vor dem Landgericht zu verantworten - sie sollen den Besitzer eines Ponyhofes und dessen Ehefrau getötet haben, um aus ihren Schulden herauszukommen. In zwei vorausgegangenen Prozessen in Hanau wurden sie jedoch freigesprochen. Matthias Gerhart

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