Frankfurter Anti-Pegida-Demonstranten in Aktion.
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Frankfurter Anti-Pegida-Demonstranten in Aktion.

Frankfurter NoFragida-Aktivisten

Frankfurter nach Karlsruhe

Frankfurter NoFragida-Aktivisten demonstrieren heute Abend in Karlsruhe gegen fremdenfeindliche Hetze. Die Region gilt als rechtsextreme Hochburg.

Von Peter von Freyberg

Schon wieder passierte es: Erst klirrte eine Scheibe in der Nacht, dann loderten meterhohe Flammen aus einem Haus, in das Flüchtlinge einziehen sollten, nun ermittelt der Staatsschutz.

Der Brandanschlag vor einer Woche in Remchingen bei Karlsruhe war ein weiterer von mehr als einhundert rassistisch motivierten Angriffen auf deutsche Flüchtlingsheime in diesem Jahr, durchschnittlich also an jedem zweiten Tag. „Die Zahlen sind eindeutig: Seit dem Aufkommen von Pegida eskaliert hierzulande die fremdenfeindliche Gewalt“, erklärt Annette Ludwig von der Frankfurter NoFragida-Gruppe.

Gegründet wurde diese, als vor einem halben Jahr die Pegida-Welle auch an den Main schwappte, um ihr „mutig und entschlossen entgegen zu treten“. Der hiesige Gegenprotest zeigte Wirkung, doch während in Frankfurt inzwischen der braune Spuk vorbei zu sein scheint, brennt es andernorts lichterloh – und nicht nur im übertragenen Sinne. Zum Brandanschlag in Remchingen sagte die Politikwissenschaftlerin Ellen Esen, die Gegend um Karlsruhe sei „eine Schwerpunktregion der extremen Rechten in ganz Baden-Württemberg.“

Reise nach Karlsruhe

Deshalb fahren am heutigen Dienstag rund zwei Dutzend Frankfurter Aktivisten dorthin, um den einheimischen Protest zu unterstützen gegen „Widerstand Karlsruhe“, eine Pegida-Abspaltung. Es handelt sich dabei größtenteils um die selben Personen, die im Juni unter dem Namen „Widerstand Ost West“ am Roßmarkt aufmarschiert waren. Die Hooligans der „Berserker Pforzheim“ haben sich zwar vor wenigen Tagen mit den anderen Organisatoren von „Widerstand Karlsruhe“ zerstritten.

Nach wie vor dabei sind aber Vertreter des örtlichen Ablegers der Partei „Die Rechte“. Deren Aktivitäten wertet der aktuelle Verfassungsschutzbericht als „Versuch, gewaltorientiertes Potenzial zu erschließen und mit provokativen Aktionen sowohl die Polizei als auch den politischen Gegner herauszufordern und ein Bedrohungspotenzial aufzubauen (. . .) gegen Islamisten und Migranten allgemein sowie gegen ’Linke’ und Linksextremisten“. Erst kürzlich hatte der baden-württembergische Landesverband der Partei ein Flugblatt in Umlauf gebracht, auf dem „die Aufhebung der Duldung von Ausländern“ gefordert wird.

Anschläge vor der Haustür

„Wir kennen die rechtsradikalen Personen und Taktiken“, sagt Annette Ludwig, „aber wir wollen, dass auch Leute, die sich eher am Rande mit dem Thema beschäftigen, verstehen, welche Entwicklung in Deutschland seit mehr als einem halben Jahr im Gange ist.“ Die 49-Jährige verweist auf die „rassistischen Exzesse in Freital“, wo sich ebenfalls Frankfurter Aktivisten dem pöbelnden braunen Mob entgegenstellten. Und man muss nicht mal so weit schauen: In Mengerskirchen bei Weilburg, gerade mal eine Autostunde von Frankfurt entfernt, wurde erst vor vier Wochen eine geplante Flüchtlingsunterkunft mit Schweineabfällen besudelt. „Die Anschläge sind nicht irgendwo im Osten der Republik, sondern direkt vor unserer Haustür“, warnt Annette Ludwig.

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