Wie haben die Frankfurter einst in ihrer Stadt gelebt? Viele Orte sind mittlerweile von der Bildfläche verschwunden. Wir haben in unserem Archiv gekramt und einige Erinnerungen zusammengetragen. Den Anfang macht die Badeanstalt Moser im Nizza. Dort konnte man früher im Sommer gut die Seele baumeln lassen.
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Wie haben die Frankfurter einst in ihrer Stadt gelebt? Viele Orte sind mittlerweile von der Bildfläche verschwunden. Wir haben in unserem Archiv gekramt und einige Erinnerungen zusammengetragen. Den Anfang macht die Badeanstalt Moser im Nizza. Dort konnte man früher im Sommer gut die Seele baumeln lassen.

Frankfurt historisch

So kam das Frankfurter Nizza-Ufer zu seinem Namen

  • VonDominik Rinkart
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Warum trägt ein Teil des Frankfurter Main-Ufers den Namen einer südfranzösischen Stadt? Die Antwort geht zurück bis ins 19. Jahrhundert.

Das historische Nizza am Frankfurter Main entstand um das Jahr 1860 im Zuge des Gleisbaus am Mainufer. Der erste Stadtgärtner der Stadt Frankfurt, Sebastian Rinz, ließ einen alten Mainarm zuschütten, um die Grünanlage realisieren zu können. Da Rinz 1861 starb, vollendete sein Enkel und Nachfolger Andreas Weber den Plan, die Anlage mit exotischen Pflanzen zu bestücken.

Denn die Neugier auf Pflanzen aus aller Welt war in diesen Zeiten groß. Es entsprach dem Zeitgeist mit Dampfschiffen die Welt zu erkunden und unbekannte Pflanzen mit in die Heimat zu bringen. Dort wurden die exotischen Pflanzten jedoch mit Töpfen vergraben, so dass sie den Winter in Orangerien verbringen konnten.

Schon in diesen Anfangsjahren bezeichneten die Frankfurter diesen idyllischen Bereich am Mainufer als ihr Nizza. „Nizza war damals die mondäne Stadt am Mittelmeer“, erklärt Rainer Gesell, der seit 1999 für das Pflanzenkonzept der Grünanlage zuständig ist. Es lag daher auf der Hand, diesen exotischen Platz am Main, mit der Stadt mit der berühmten Promenade des Anglaise zu verbinden.

Im zweiten Weltkrieg wurde das Nizza zerstört und es sollte lange dauern, bis der Uferbereich wieder prachtvoll florieren sollte. Nach dem Krieg wurde dieser Bereich hauptsächlich für Arzneimittelpflanzen und Gemüseanbau verwendet. Anfang der 50er Jahre wurde das Nizza wieder nach altem Vorbild hergerichtet – die großen hochgewachsenen Mammutbäume stammen noch aus dieser Zeit. Doch schon in den 60er Jahren bis in die 80er Jahre hinein drohte der nächste Verfall. So wurde in dieser Zeit die Drogenszene aktiv aus dem Bahnhofsviertel verdrängt und ließ sich am Main und somit auch im Nizza nieder. „Das hat dazu geführt, dass sich die Leute, wenn es dunkel war, nicht mehr hierher getraut haben“, erzählt Gesell.

Dass das Nizza heute so vielfältig blüht, ist dem Fußball zu verdanken. In den 90ern reifte die Idee, die Grünanlage bis zur Fußball Weltmeisterschaft 2006 wieder zum Glänzen zu bringen. 1999 wurde dieser Plan von der Stadt beschlossen. Rainer Gesell las davon in der Zeitung und fühlte sich prompt angesprochen. Seit 1987 sind südländische Pflanzen das Hobby des Sozialpädagogen. Sofort bot er der Stadt seine Mithilfe an und wurde mit offenen Armen empfangen: „Ich durfte erstaunlicherweise das botanische Konzept entwickeln“, erinnert er sich. Dank Gesells Kompetenz ist es heutzutage auch nicht mehr nötig, die subtropischen Pflanzen in Gewächshäusern überwintern zu lassen. Gut und artgerecht eingepackt, schafft es Gesell, die Pflanzen auch im Freien überwintern zu lassen.   

Inzwischen blühen 200 Arten über das ganze Jahr verteilt auf der Grünanlage am Main. Offiziell ist das Grünflächenamt der Stadt für die Anlage zuständig, doch die Bestellung neuer Pflanzen und die konzeptionelle Beratung ist nach wie vor Sache von Rainer Gesell. Zudem bietet er regelmäßig Führungen an. Die nächste Führung im Nizza findet am 16. Juni um 17 Uhr statt. Treffpunkt ist am unteren Ende des Treppenabgangs der Untermainbrücke. Die Führung dauert 1 ½ bis 2 Stunden und kostet 4€. Kinder bis 16 Jahren dürfen kostenlos dabei sein.

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