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Im Frankfurter Osten geht's vor allem um Wohnen und Verkehr

Wohnen und Verkehr: Das sind die großen Themen in Bornheim, im Nordend und im Ostend. Projekte wie das geplante Ernst-May-Viertel, die anhaltende Gentrifzierung und die A661 beschäftigen die Bewohner.

Was ist laut, hässlich, stinkt und kappt die Verbindungen zwischen Nordend und Bornheim auf der einen und Seckbach auf der anderen Seite? Richtig, die A 661. Deshalb hat der Magistrat 2009 beschlossen, eine Einhausung der zu prüfen. Denn dann, so die Grundidee, würde Wohnen auf den angrenzenden Flächen deutlich attraktiver – neue Wohngebiete wären möglich.

Neun Jahre später wird noch immer geredet. Mittlerweile allerdings nur noch selten über die Ursprungsidee. Sie sah vor, die A 661 zwischen Friedberger und Seckbacher Landstraße vollständig einzuhausen. Das Galeriebauwerk östlich der Seckbacher Landstraße soll in dieser Variante mit einbezogen und ausgebaut werden. 212 Millionen Euro hätte diese L 1 genannte Variante nach damaliger Planung gekostet, heute wäre das Projekt aufgrund gestiegener Baukosten noch einmal deutlich teurer.

Zu teuer, beschloss der Magistrat Anfang 2017 – und diskutierte eine deutlich abgespeckte Variante: Statt 1300 Meter soll die Röhre in Variante L 4 nur noch 400 Meter lang sein und dafür – laut damaliger Planung – 91 Millionen Euro kosten. Diese Variante ist als Minimallösung im Koalitionsvertrag zwischen CDU, SPD und Grünen festgehalten, die CDU sieht sie als ersten Schritt, bis mehr Mittel zur Verfügung stehen.

SPD und Grüne im Römer hingegen haben sich im Mai dieses Jahres für eine dritte Variante ausgesprochen: L 2, die bei der Friedberger Landstraße beginnt, bei der aber im Unterschied zu L 1 das Galeriebauwerk an der Seckbacher Landstraße nicht mit einbezogen wird. 2017 hätte diese Variante 185 Millionen Euro gekostet.

Potenziell möglich wäre auch Variante L 3, die erst 150 Meter unterhalb der Friedberger Landstraße beginnt, ebenfalls ohne die südliche Galerie zu schließen, und mit 168 Millionen Euro zu Buche geschlagen hätte.

Allerdings: Für keine dieser Varianten ist die Finanzierung geklärt. Die Stadt hofft auf Gelder von Bund und Land, richtige Kostenzusagen fehlen aber. Arijana Neumann wirbt für ihre Partei: Eine SPD-Landesregierung werde die große Lösung finanziell unterstützen und sich im Bund für eine Förderung einsetzen. Auch Bodo Pfaff-Greiffenhagen (CDU) plädiert für die L 4-Variante. Das Land könne sich allerdings nur „in engen Grenzen“ beteiligen, weshalb auch er „auf allen Ebenen“ Gespräche führen wolle. Ulrich Wilken (Linke), gleichfalls L 4-Befürworter, will sich für eine „zumindest temporäre“ Mitfinanzierung durch das Land einsetzen, sieht aber vor allem den Bund in der Pflicht. Andreas Lobenstein (AfD) legt sich nur darauf fest, „eine möglichst weitgehende“ Einhausung zu wollen. Und Marcus Bocklet (Grüne) schließt sich seiner Stadtratsfraktion an und hätte gerne Variante L 2.

Rund um die A 661 hat die Stadt mittlerweile drei potenzielle Baugebiete ausgewiesen, die Bebauungsplanverfahren laufen. Am schnellsten könnte es auf dem Gelände der Gärtnerei Friedrich nördlich des Günthersburgparks gehen.

Südlich des Wasserparks hingegen leistet die Bürgerinitiative „Grüne Lunge“ Widerstand. Sie kritisiert nicht nur, dass Schrebergärten, in denen Stadtmenschen mit der Natur in Berührung kommen können, weichen müssen, sondern auch, dass anschließend Großinvestoren hochpreisige Wohnungen bauen dürfen.

Und nicht nur dort. Überall in Bornheim, im Nord- und im Ostend werden Mieter verdrängt und Wohnungen luxussaniert. In der Wingertstraße im Ostend etwa kämpfen Mieter seit vier Jahren dafür, dass sie in ihren Wohnungen bleiben können – abgedecktem Dach, regelmäßigen Strom- und Wasserausfällen und Dauerbaustelle zum Trotz. Für Pfaff-Greiffenhagen, Neumann, Bocklet und Wilken ist Wohnen deshalb das wichtigste Thema überhaupt.

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