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Frankfurter Pflanzenbörse zeigte Rares für Garten und Balkon

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Von: Alexandra Flieth

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Darf's ein bisschen mehr sein? Stauden gab es bei der Pflanzenbörse im Palmengarten genauso wie exotische, seltene und besondere Blumen zu kaufen. FOTO: renate hoyer
Darf's ein bisschen mehr sein? Stauden gab es bei der Pflanzenbörse im Palmengarten genauso wie exotische, seltene und besondere Blumen zu kaufen. © Renate Hoyer

Wer unbekannte oder seltene Schmuckstücke für seinen Garten suchte war am Wochenende bei der Pflanzbörse im Frankfurter Palmengarten genau richtig.

Frankfurt -Hannah und Ira freuen sich über die Pflanzenbörse im Palmengarten. Denn die beiden jungen Frauen lösen ein Geburtstagsgeschenk ein, das Ira ihrer Sandkastenfreundin Hannah schon 2020 gemacht hat, und das wegen der Corona-Pandemie bis jetzt warten musste. Die zweitägige Pflanzenbörse, die 2019 dort noch unter dem Namen "Grüne Börse" lief, konnte aufgrund der Pandemiesituation in den vergangenen zwei Jahren nicht stattfinden und startete am vergangenen Wochenende wieder - mit neuem Namen.

Das Format selbst, zu dem gut 15 Pflanzenprofis aus ganz Deutschland mit ihren Sortimenten angereist sind, blickt bereits auf eine lange Tradition zurück und ist bei Gartenliebhabern und solchen, die ihren Balkon oder ihr Zuhause grüner gestalten möchten, sehr beliebt.

Den Schmucklilien fehlt noch der Schmuck

So geht es auch Hannah, die 2019 in die Mainmetropole gezogen ist und sich nun einmal umschauen möchte, um etwas Grünes für ihren Balkon zu finden. Festgelegt habe sie sich da noch nicht, sagt sie, während sie am Stand von Bernd Lemm steht. Der erzählt ihr gerade etwas über die Besonderheiten der Agapanthus, das ist der griechische Begriff für die Gattung der Schmucklilien. Dass diese Gattung verschiedene Sorten umfasst, ist am Stand von Lemm sichtbar - auch wenn die von ihm ausgestellten Pflanzen noch nicht blühen und dadurch recht unscheinbar wirken. "Ich dachte erst, das sind Orchideen, und habe nachgefragt", sagt Hannah. Ohne die namentliche Beschilderung an den Pflanzen wären die Unterschiede für den Laien nur schwer zu erkennen.

Die Agapanthus lasse sich auch leicht vermehren, sagt Lemm. "Wenn der Topf zu klein ist, muss die Pflanze einfach nur geteilt werden", klärt er die beiden jungen Frauen auf. Hannah überlegt noch und möchte sich erst einmal das Angebot der anderen Aussteller anschauen, bevor sie sich auf Pflanzen für ihren Balkon festlegt.

Andere Besucher haben bereits die Tüten mit Pflanzen voll oder tragen junge Obstbäume davon. Frank Wetzel berät an seinem Stand gerade einen Besucher aus Darmstadt, der auf Wunsch seiner Frau einen Feigenbaum mit nach Hause bringen soll. Sich selbst habe er eine Traubensorte ausgesucht, die an seinem Car-Port hinaufwachsen soll.

Alles ohne Pflanzenschutzmittel

Wetzel betreibt seit 1987 gemeinsam mit seiner Frau die Biolandbaumschule in Heidelberg und ist spezialisiert auf historische Sorten. Für die Zucht verzichtet er komplett auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, Herbizide und leichtlösliche Mineraldünger, der Betrieb gehört dem Biolandverband an. "Das ist mit den alten Sorten möglich", klärt er auf. Die seien viel robuster und die Früchte schmeckten herber und säuerlicher als die, die wir heute aus dem konventionellen Obstanbau kennen. "Der süße Geschmack der Früchte, den wir gewohnt sind, gefällt nämlich auch den Schädlingen."

Zu den bei ihm angebotenen alten Sorten zählt etwa die "Deutsche Mispel", die einst von den Römern nach Süddeutschland gebracht wurde. Oder die "Blutbirne", die schon im 17. Jahrhundert in Frankreich kultiviert wurde. Noch sind die Bäume nicht größer gewachsen als etwas dickere Äste. Wer einen erwirbt, der muss rund drei Jahre Geduld mitbringen, bis er die ersten Früchte ernten kann.

Seit mehr als 15 Jahren ist Frank Wetzel Teilnehmer der Pflanzenbörse im Palmengarten und weiß, dass Bio den Besuchern heute nicht mehr erklärt werden müsse. "In den Anfängen der Veranstaltung war das Bewusstsein hierfür noch nicht so stark ausgeprägt", erinnert er sich. Überhaupt scheint das Bewusstsein für alte Sorten wieder stärker beim Verbraucher angekommen sein, nicht nur, was historische Obstsorten betrifft. Das gilt zum Beispiel auch für die Kartoffelsorten.

Große Vielfalt an Kartoffelsorten

Walter Radebold vom Hof Jeebel, einem Biogartenversand aus Salzwedel in Sachsen-Anhalt, hat eine kleine Auswahl an Kartoffelsorten mitgebracht, die er sonst nur online vertreibt. "Mehr als 100 Sorten haben wir normalerweise im Vertrieb", sagt er. Dabei handele es sich ausschließlich um zertifiziertes Saatgut - um Biopflanzkartoffeln.

Wer keinen Garten habe, der könne Kartoffeln übrigens genauso gut in einem Kübel anpflanzen, sagt Radebold. Ihm gehe es vor allem darum, die Vielfalt an Kartoffelsorten zu zeigen und bewusst zu machen - die Pflanzenbörse im Palmengarten biete dafür eine gute Möglichkeit.

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