Seit mehr als drei Jahren versprühen sie den Charme des Heruntergekommenen an einigen der schönsten Orte der Stadt: Massive Betonklötze als Durchfahrtsperren gegen Terroranschläge vor der Alten Oper. Andere Städte haben längst elegantere Lösungen installiert. Foto: Dennis Pfeiffer-goldmann
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Seit mehr als drei Jahren versprühen sie den Charme des Heruntergekommenen an einigen der schönsten Orte der Stadt: Massive Betonklötze als Durchfahrtsperren gegen Terroranschläge vor der Alten Oper. Andere Städte haben längst elegantere Lösungen installiert.

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Frankfurter Poller: Mit Hässlichkeit gegen die Terror-Gefahr

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Für die grauen Betonklötze ist kein eleganter Ersatz in Sicht. Die neueste Begründung lautet: Die Stadt muss sparen.

Frankfurt -Die massiven Terrorsperren aus Beton werden auf absehbare Zeit weiterhin das Bild in der Innenstadt prägen. Die groben Klötze durch ansehnlichere Alternativen zu ersetzen, dieses Vorhaben wurde lange Zeit zwischen den Dezernenten hin- und hergeschoben. Nun gibt es eine neue Begründung, warum die Hässlichkeiten dauerhaft bleiben.

Zum fünften Mal jähren sich in diesem Mal zwei schreckliche Terror-Anschläge: 2016 hatten Attentäter 86 Menschen in Nizza und elf in Berlin mit Lastwagen überfahren und getötet. Vielerorts in der Welt sollen seitdem Sperren die Menschen vor solchen Taten schützen. Frankfurt stellte dafür Anfang 2018 massive, klobige Betonsperren auf, die die Tourismus + Congress GmbH schon länger zum Schutz bei Festen nutzte.

"Eine schnelle Lösung" sei ja nötig gewesen, erinnert Andrea Brandl, Referentin von Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU). Sie räumt ein: "Es geht erst mal nicht nach Schönheit, sondern darum, die Anforderungen der Polizei zu erfüllen."

Viele Städte haben solche Provisoren über die Jahre allerdings durch gefälligere Sperren ersetzt, die nicht mehr ins Auge fallen und sich ins Straßenbild einfügen. Oftmals werden elegantere, aber massive Poller aus Metall genutzt, an Zufahrten auch als versenkbare Variante - so wie beispielsweise die EZB für ihren alten Sitz am Willy-Brandt-Platz. Köln hat am Dom alte Domsteine platziert und Stockholm stattliche Löwenfiguren. Auf dem Markt sind sogar viele Tonnen schwere, große Pflanztröge mit Bäumen und Sitzbänken als Umrandung erhältlich.

Lösung für Frankfurt "in absehbarer Zeit nicht möglich"

In Frankfurt bleibt's dagegen beim zementierten Provisorium: Die Betonklötze stehen zum Beispiel an Zufahrten zu Zeil, Rossmarkt, Opernplatz, Freßgass', vor der Hauptwache, im Sachsenhäuser Ausgehviertel. Die Stadt habe untersucht, welche Sicherung an welcher Stelle notwendig sei, erläutert Franks Referentin. Diese Studie zeige auch auf, wie die Terror-Sicherheit eleganter gestaltet werden könne. So seien Sperren möglich mit zusätzlichen Funktionen, etwa als Fahrradabstellanlage oder als Stadtmöblierung mit Sitzgelegenheiten, räumt Brandl ein.

Für so etwas sei aber nicht mehr der Ordnungsdezernent zuständig, betont dessen Sprecherin. Denn mit der aktuellen Lösung sei ja "erst mal Sicherheit gewährleistet". Deshalb sei das Verkehrsdezernat von Klaus Oesterling (SPD) in der Verantwortung. Das hätten die Magistratsmitglieder auch miteinander besprochen, erläutert Andrea Brandl.

Frankfurter Dezernenten schieben sich Verantwortung gegenseitig zu

Das ähnelt der Argumentation der vergangenen Jahre: Da hatten Frank, Oesterling und der für die Gestaltung des öffentlichen Raums zuständige Planungsdezernent Mike Josef (SPD) die Verantwortung jeweils an die anderen weitergereicht. Und es passierte nichts. Zuletzt kassierte der Sachsenhäuser Ortsbeirat im März 2020 eine Absage auf seine Forderung nach einer gefälligeren Gestaltung der Anti-Terror-Sperren.

Nun aber bestätigt der Verkehrsdezernent immerhin: Ja, das Thema liege bei ihm. Allerdings sei eine Alternative zu den groben Betonklötzen "in absehbarer Zeit nicht möglich". Klaus Oesterling räumt ein: Die Sperren seien "zwar nicht so schön, aber wenn man sie ersetzt, kostet das Geld". Und das sei im noch bis Ende des Jahres gültigen Doppelhaushalt 2020/21 nicht vorgesehen. Auch sei nicht zu erwarten, dass dafür in nächster Zeit Geld bereitgestellt werde, im Gegenteil: "Der Kämmerer will, dass wir einsparen", sagt Oesterling. Ursache sei "die finanzielle Lage der Stadt" mit den durch die Corona-Pandemie verursachten Einnahmeausfällen und Extraausgaben. Deshalb findet man sich im Verkehrsdezernat offenkundig damit ab, dass auch diese Provisorien noch länger erhalten bleiben.

"In den nächsten Jahren" soll diskutiert werden

Das Thema "fließt in die allgemeinen Überlegungen zur Zukunft der Zeil und der Nebenstraßen ein", kündigt der Dezernent an. Das solle "in den nächsten Jahren mit den Betroffenen diskutiert werden", darunter auch den Einzelhändlern. Gerade die, betont Klaus Oesterling, "haben drängendere Probleme als die Beseitigung der Betonsperren".

Für die Überlegungen zur Zukunft von Zeil und Nebenstraßen ist allerdings der Verkehrsdezernent wiederum zumindest nicht alleine zuständig. Um das Thema kümmert sich das Dezernat von Planungsdezernent Josef.

Die Münchner können es besser. Ansehnliche Edelstahlpoller beim Oktoberfest.

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