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Frankfurter Post-Covid-Ambulanz wird ausgebaut

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Von: Sarah Bernhard

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Atemtraining bei einem Post-Covid-Patienten. Der Physiotherapeut unterstützt ihn. FOTO: dpa
Atemtraining bei einem Post-Covid-Patienten. Der Physiotherapeut unterstützt ihn. FOTO: dpa © picture alliance/dpa

Das Frankfurter Uniklinikum hat die Datensätze der ersten 500 Patienten ausgewertet. Und hat eine gute Nachricht für alle Geimpften.

Frankfurt -Am eindringlichsten sind Professor Gernot Rohde die jungen, leistungsorientierten Männer in Erinnerung, die im zweiten Drittel der Delta-Welle zu ihm kamen. "Anwälte, die plötzlich nicht mehr als eine Seite lesen konnten, Marathonläufer, die nicht mehr vom Sofa hochkamen." Menschen, bei denen der Absturz nach Corona besonders deutlich war, und die deshalb besonders deutlich merkten, dass auch noch Monate nach der Infektion etwas mit ihnen nicht stimmte.

Frankfurter Forscher haben mehr als 500 Fälle untersucht

Damals waren Long Covid, also Beschwerden, die den Betroffenen im Alltag einschränken und mehr als vier Wochen nach der Infektion noch bestehen, und Post Covid, von dem man ab drei Monaten nach der Erkrankung spricht, naturgemäß noch unbekannt. Mittlerweile hat das Team der Post-Covid-Ambulanz am Uniklinikum, das von Rohde und Professorin Maria Vehreschild geleitet wird, mehr als 500 Patienten untersucht, weltweit arbeiten hunderte Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen an der Erforschung des Syndroms und seiner Ursprünge.

Zwar ähneln sich die Symptome vieler Patienten, die häufigsten sind dauerhaft niedrige Belastbarkeit, Husten, Geruchs- und Geschmacksverlust, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Doch wie Post Covid entsteht und was genau dann warum welches Symptom auslöst, ist noch weitgehend unbekannt. Ein zentraler Mechanismus sei vermutlich die sogenannte molekulare Mimikry, sagt Rohde: Je breiter die Immunreaktion auf Covid-19, desto eher passiere es, dass das Immunsystem die Antigene, also jene Teile des Virus, die die Bildung von Antikörpern auslösen, mit körpereigenen Antigenen verwechselt. Der Körper greift dann nicht nur das Virus, sondern auch seine eigenen Muskelfasern oder Nervenenden an - auch noch lange, nachdem Covid besiegt wurde. "Aber wahrscheinlich gibt es noch viele andere molekulare Mechanismen." Plus individuelle Faktoren, die eine Rolle spielen, wie die Beschaffenheit des Immunsystems, die Gene, das Alter.

Nach den Ursachen müssen die Frankfurter Ärzte oft genau suchen

Bei mehr als 90 Prozent der Menschen, die in die Post-Covid-Ambulanz kommen, findet sich laut Rohde eine körperliche Ursache für die Beschwerden. Oft müsse man dafür aber sehr genau suchen. Vor allem bei Menschen, die trotz mildem Infektionsverlauf, durchschnittlichem Lungenvolumen und normaler Herzfunktion dauerhaft wenig belastbar bleiben. Eine zentrale Erkenntnis, die das Frankfurter Ärzteteam bisher gewonnen hat: "Trotz normaler Lungenfunktion kann die muskuläre Atempumpe, die die Lungenflügel aufzieht und wieder zusammendrückt, geschwächt sein." Dann hilft Ergotherapie. Ähnlich sei es beim Herz: Oft zeige erst eine Kernspintomographie winzige Entzündungsherde im Herzmuskel, die mit EKG und Ultraschall unentdeckt blieben. Auch dafür gibt es etablierte Therapien, genauso wie für Gedächtnis- oder Konzentrationsstörungen. "Eigentlich machen wir also keine Corona-spezifische Therapie, sondern behandeln die Folgen des Post-Covid-Symptoms."

Abfrage der Post-Covid-Symptome dauert 45 Minuten

Eine Zeitlang war es deshalb möglich, die Ambulanz ohne eigenes Personal zu betreiben: Nach der Anamnese wurden die Patienten an die für die Folgen zuständigen Ambulanzen weitergeleitet. Doch mit jedem Tag wächst das Wissen um die Krankheit, mittlerweile dauert die anfängliche Symptomabfrage etwa 45 Minuten. "Das geht nicht nebenher, und auch Hausärzte können das nicht leisten", sagt Rohde.

Zudem kommt wohl noch einiges auf die Gesellschaft zu: Gemäß Schätzungen könnten zwischen fünf und zehn Prozent der Infizierten später an Post Covid leiden. Allein in Frankfurt wären das im Moment bis zu 24 000 Menschen. Weil die Patienten so lange, bis die Beschwerden abgeklungen sind oder sie sich arrangiert haben, alle drei Monate in die Ambulanz kommen, werden es zudem immer mehr.

Deshalb hat die Uniklinik vor Kurzem einmalig 204 900 Euro vom Pandemiefonds Hessen für den Aufbau eines eigenen Personalstamms für die Post-Covid-Ambulanz bekommen, zu dem ein Arzt und mehrere Studienassistenten gehören. Zunächst ist das Projekt auf ein Jahr begrenzt, Rohde ist zuversichtlich, dass es danach fortgesetzt werden wird.

Frankfurter Lungenfacharzt: Rehakliniken sind gut vorbereitet

Und der Lungenfacharzt hat noch weitere gute Nachrichten zu verkünden: Seit es die Impfung gegen Corona gibt, hat er quasi keine dauerhaften Fälle von schwerem Post Covid mehr beobachtet. "Bei fast allen Patienten bessert sich der Zustand, es dauert nur wahnsinnig lange", sagt Rohde. Und obwohl die Symptome nicht immer verschwänden, schafften es die meisten, sich mit ihnen zu arrangieren. Auch, und das ist Rohdes dritte gute Nachricht, dank der Reha-Kliniken, die sich im Rahmen der Akuttherapie bereits sehr früh mit dem Thema Corona befasst hätten und deshalb vorbereitet seien. Rund die Hälfte seiner Post-Covid-Patienten nimmt Reha-Maßnahmen in Anspruch, "und das halte ich auch für sehr sinnvoll". Die Auszeit biete Raum, sich körperlich zu entwickeln, was sich wiederum positiv aufs psychische Wohlbefinden auswirke. Denn - eine weitere Erkenntnis von Rohde und seinem Team - manchmal verursacht Covid nicht nur körperliche Probleme, sondern auch eine ausgewachsene Depression. Auch dafür gibt es an der Uniklinik Spezialisten.

Das Post-Vac-Syndrom

Nicht nur eine Infektion mit Corona, sondern auch die Impfung dagegen kann langanhaltende Folgen haben. Die Symptome ähneln sich, sind beim sogenannten Post-Vac-Syndrom aber in der Regel schwächer ausgeprägt. Zudem ist es deutlich seltener als Long Covid. In Deutschland gibt es zwei Zentren, die sich auf Post-Vac spezialisiert haben, eines in Berlin, eines in Marburg. Theoretisch könnte auch die Post-Covid-Ambulanz in Frankfurt Patienten mit Post-Vac-Syndrom behandeln, sagt deren Chef, Professor Gernot Rohde. "Aber besser ist es, sich dorthin zu wenden, wo Studien laufen." Denn mehr Wissen helfe nicht nur den Betroffenen, sondern auch der Gesellschaft.

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