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Frankfurter Rechenzentren werden grüner

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Von: Dennis Pfeiffer-Goldmann

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Betreiber reagieren auf die strengeren städtischen Vorgaben für Data-Center. Die Rechenzentren werden nicht nur grüner, sondern könnten nebenbei beim Heizen helfen.

Frankfurt – Begrünte Fassade, grüner Strom, Lärmschutz: Rechenzentrumsbetreiber reagieren auf die strengeren städtischen Vorgaben für Data-Center. Das zeigt sich am jüngsten Neubau in der Stadt: FR11x in Seckbach von Equinix, dem weltweit größten Rechenzentrumsbetreiber.

Die dortige Friesstraße entwickelt sich langsam zu einer Data-Center-Allee. Doch sie soll bloß nicht so grau werden wie die Weismüllerstraße am Osthafen mit einer kahlen, hohen Rechenzentrumswand nach der anderen. Die Friesstraße soll sogar grüner werden als bisher. Dafür begrünt Equinix seine Neubauten, zumindest die Fassaden zur Straße hin.

Equinix-Rechenzentren entstehen in Frankfurt

Gärtner setzten gerade die Fassaden-Pflanzen von FR11x. Das geht dieser Tage in Betrieb. Zwei der fünf größten Cloud-Anbieter nutzen die 4400 Quadratmeter Fläche mit 24 Megawatt IT-Leistung - wer genau, darf Deutschland-Geschäftsführer Jens-Peter Feidner nicht sagen. Mit FR9x schräg gegenüber hat Equinix im vorigen Jahr ein weiteres Cloud-Rechenzentrum in Betrieb genommen - direkt neben dem seit Jahren nach und nach wachsenden Rechenzentrum FR2, wo unter anderem der elektronische Handel der Frankfurter Börse läuft.

In die neuen Cloud-Rechenzentren, genannt Hyperscaler, investiert Equinix zusammen mit einem Investor aus Singapur in Frankfurt eine Milliarde Euro. Die nächsten beiden Data-Center entstehen neben und hinter FR11x, kündigt der Deutschlandchef an.

Blick vom Dach des Rechenzentrums auf die Skyline.
Blick vom Dach des Rechenzentrums auf die Skyline. © Rainer Rüffer

Frankfurt: Proteste aus Seckbach gegen die Rechenzentren

Vor allem Nachbarn in Seckbach protestieren seit Jahren gegen die neuen Rechenzentren. Auch darauf hat die Stadt reagiert, als die Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt im Juni strengere Vorgaben und Standort-Einschränkungen fixierte. In Folge liebäugeln Betreiber zunehmend mit Standorten im Umland, in Offenbach, Hanau oder Liederbach am Taunus. Die aktuellen Neubauten in der Stadt wurden noch genehmigt, bevor die strengeren Regeln griffen. Dennoch setzt Equinix sie teils schon um: Ausschließlich grünen Strom nutzt das US-Unternehmen bereits seit 2014. Und auf dem Dach schirmt eine Einhausung die großen Ventilatoren der Kühlanlage ab, damit man in der Nachbarschaft nichts davon hört.

Inzwischen hat der Umweltverband BUND Hessen seine Kritik ausgeweitet. Er klagt gegen die Genehmigung für die neuen Seckbacher Rechenzentren, weil deren Notstrom mit Dieselgeneratoren erzeugt wird. Deren Schadstoffkonzentration liege 10- bis 20-fach höher als bei sauberen Lkw-Motoren, behauptet der BUND, es sollten besser Brennstoffzellen eingesetzt werden.

Neue Rechenzentren in Frankfurt: Diesel-Lieferung für Betrieb sichergestellt

Die Dieselgeneratoren seien so sauber wie neueste Lastwagen, betont Feidner. Er zeigt auf einen Tank neben einem der riesigen Schiffsdiesel im Nebengebäude: Harnstoff, Adblue, lagert darin, und wird wie bei einem Laster in die Abgase eingespritzt, um diese 90 Prozent sauberer zu machen.

Aktuell seien Dieselmotoren alternativlos für die Ausfallsicherheit. „Der Krieg in der Ukraine hat die Hellhörigkeit dafür erhöht“, vermutet Feidner. Für den Fall, dass der Strom länger ausfalle, hat Equinix Verträge mit Lieferanten aus ganz Deutschland geschlossen, die eine kontinuierliche Diesel-Lieferung sicherstellen. Die Menge im unterirdischen Tank reicht nur für einige Tage.

Für Brennstoffzellen hingegen sei im Notfall die notwendige kurzfristige Nachlieferung derart großer Mengen an Wasserstoff nicht möglich, erklärt Feidner. „Es gibt dafür einfach nicht genug Wasserstoff.“ Erdgas als Ersatz sei in Zeiten von Gas-Knappheit „keine Option“. Geprüft hat Equinix zudem den Einsatz von Pflanzenöl im Schiffsdiesel: Auch dafür fehlten Notfall-Lieferanten.

Frankfurt: Abwärme der Rechenzentren könnte in Häuser beheizen

Die Notstromdiesel seien aber auch nur für einige Minuten Testlauf jeden Monat in Betrieb, „sonst aber nie“, sagt Feidner. Nur einmal, als ein Bagger bei Bauarbeiten versehentlich ein Stromkabel durchtrennte, habe mal ein Frankfurter Rechenzentrum für knapp 24 Stunden so versorgt werden müssen. „Wir sind Teil der kritischen Infrastruktur.“

Gut findet Feidner die Forderung der Stadt, die Abwärme der Rechenzentren zum Heizen zu nutzen. Diese gebe Equinix auch gerne ab. „Die Frage ist nur: Wohin?“ Das sei am einfachsten in direkter Nähe. Wie in der Kleyerstraße im Gallus, wo das Telehouse-Rechenzentrum seine Abwärme bald zum Heizen der 1100 Wohnungen im gegenüber entstehenden Quartier auf dem Ex-Avaya-Gelände beisteuert. So etwas sei auch für Industriebetriebe, Schwimmbäder, Schulen oder Krankenhäuser möglich, sagt Feidner. Da die Abwärme nur 30, 35 Grad betrage, sei stets ein Aufheizen per Wärmepumpe nötig. Lange Leitungen lohnten sich dadurch nicht - und zum dampfbasierten Frankfurter Fernwärmenetz mit bis zu 130 Grad Temperatur passe das ebenfalls nicht.

Frankfurt: Schulen mit Daten-Abwärme beheizen?

Vor allem aber: „Das Leitungsnetz muss da sein für die Verteilung“, erinnert Feidner. Bisher können Rechenzentren ihre Wärme nicht abgeben, da sie nicht an Wärmenetze angeschlossen seien. Der Bund wolle nun sogar die Abgabe von 30 Prozent der Abwärme festschreiben. Dann müsse er die Energienetzbetreiber auch verpflichten, Rechenzentren an Wärmenetze anzubinden, findet Feidner. Das könnten die Data-Center nicht leisten. „Wir sind keine Wärmenetzbetreiber,“ erklärt der Equinix-Chef, „darin haben wir keine Kompetenz.“

Der Wärmeanschluss sei aber eine Zukunftsinvestition für die Allgemeinheit: „Wenn die großen Kraftwerke nach dem Kohle- und Gasausstieg weg sind, braucht es andere Wärmequellen.“ Das könnten Rechenzentren sein. In den Niederlanden würden die Betreiber fürs Abgeben ihrer Abwärme heute sogar schon entlohnt.

Am besten sei es, wenn der Staat Vorreiter bei der Abwärme-Abnahme sei, auch in Frankfurt, findet Jens-Peter Feidner. Seine Idee: „Eine Schule in der Nähe von einem Rechenzentrum“, und diese beheizt von der Daten-Abwärme. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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