Kathrin Barth im Schaufenster des Lampenschirmstudios an der Schneckenhofstraße: Vom Leuchtstern bis zur Leselampe ist hier alles erhältlich, was Licht in die dunkle Wohnung bringt.
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Kathrin Barth im Schaufenster des Lampenschirmstudios an der Schneckenhofstraße: Vom Leuchtstern bis zur Leselampe ist hier alles erhältlich, was Licht in die dunkle Wohnung bringt.

Made in Frankfurt

Frankfurter Schirmherrin setzt auf Erleuchtung

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
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Wo Lampen jeder Form und Größe seit 25 Jahren entstehen

Der Weg in Kathrin Barths Lampenschirmwerkstatt führt an unzähligen Stoffrollen vorbei durch einen Gang in die hinteren Räume des Ladens an der Schneckenhofstraße 15. In der Werkstatt stecken noch mehr Stoffrollen in hohen Kästen, Bordüren und Bändern lagern in Regalen, und an den Wänden hängen von oben bis untern runde und eckige Lampenschirm-Gehäuse in allen nur erdenklichen Größen und Formen.

Hier arbeitet Kathrin Barth, die in dritter Generation das Geschäft führt, das einst ihre Großtante, die aus Berlin kam, auf der Frankfurter Freßgass' eröffnet hatte. "Meine Großtante fertigte aber nicht nur Lampenschirme, sondern auch Dekoration für Gebrauchsgegenstände, wie man sie früher hatte, etwa Stoffumschläge für Telefonbücher oder Verzierungen für Abfalleimer. Sie war gelernte Buchbinderin", erzählt die Sachsenhäuserin. Noch in den 70er Jahren gab die Großtante das Geschäft auf, keiner in der Familie wollte übernehmen.

Kathrin Barths Mutter Petra, die im Haus der Großtante aufgewachsen war, ließ das Metier aber nicht los. Sie wollte wieder ein Geschäft eröffnen. Kathrin Barth, die gerade eine Schreinerlehre absolviert hatte, erklärte sich bereit, zusammen mit ihrer Mutter das neues Lampenschirmstudio zu gründen.

Sonderanfertigungen und Serien

Das war 1996 im November. Zuerst war das in Frankfurt ziemlich einzigartige Geschäft in der Gutzkowstraße beheimatet. Als vor 13 Jahren die Ladenräume in der Schneckenhofstraße frei wurden, zog Kathrin Barth mit dem Studio um. Petra Barth ist inzwischen im Ruhestand, eine neue Mitarbeiterin ist hinzugekommen. Die beiden haben gerade alle Hände voll zu tun: Restaurants bestellen ganze Serien von individuellen Lampenschirmen, eine Sonderanfertigung für eine mehr als einen Meter lange Billard-Tisch-Lampe ist in der Mache, eine Dame hat zwei alte Vasen vorbeigebracht, die zu Tischlampen umgebaut werden sollen.

Beratung in Stil- und Technikfragen

Bevor Kathrin Barth zu Werke geht, führt sie mit den Kunden oft lange Beratungsgespräche. Die Handwerkerin berät die Kunden ausführlich zu Größen, Farben und Formen. "Oft habe ich ein besseres Auge für das, was optisch passt", sagt sie. Oft bringen Kunden etwa eine alte geerbte Lampe vorbei, die modern aufgepeppt werden soll. Erinnerungsstücke, die man als Kind bei der Oma benutzt hat, sollen aufgehübscht werden. Verschiedenste Materailien und Techniken kommen zum Einsatz, von Stoff auf Karton über genähte Stoffe bis zum Lackkarton. Ein Elektriker, der sich auf die Technik versteht, erledigt die Erneuerung des Kabels oder Schalters, falls diese nicht mehr funktionieren.

Oder man hat sich am Schirm einer jahrelang genutzten, ollen Lampe sattgesehen und möchte eine neue Farbe. Kurzum: Wer eine schöne, individuelle und wertvolle eigene Lampe etwa an seinem Lieblingsleseplatz stehen haben möchte - statt der immergleichen und allgegenwärtigen Ikea-Modelle - kann sich das begehrte Stück von Kathrin Barth anfertigen lassen.

Jedes Jahr vor Weihnachten herrscht im Lampengeschäft Hochbetrieb. "Das Interesse steigt punktgenau ab dem Tag der Zeitumstellung Ende Oktober. Ab da weiß ich, dass mein Privatleben für die nächste Zeit sehr eingeschränkt sein wird", sagt die 53-Jährige und lacht. "Die Leute merken schlagartig, dass die dunkle Jahreszeit anfängt und erinnern sich an die Lampen im Haus."

Außer großen und kleinen Steh-Lampen, Deckenlampen und Tischleuchten findet sich allerlei Schönes für Haus und Wohnung im Laden an der Schneckenhofstraße. Antike Möbel und Nützliches wie handgenähte Taschen oder jetzt vor Weihnachten Sterne für Fenster.

Begehrt sind die orangefarbenen und roten Herrnhuther-Sterne aus dem Erzgebirge, die kompliziert zusammengebaut werden. Das Traditionsunternehmen verkauft die vielzackigen Deko-Sterne nur in ausgesuchten Geschäften, die sich dafür bewerben müssen. Um einen Herrnhuther-Stern zu ergattern, muss man früh, am besten im November, kommen. Jetzt sind die großen längst ausverkauft. Stefanie Wehr

Lampenschirmstudio Barth

Schneckenhofstraße 15, geöffnet Dienstag bis Freitag 10-18 Uhr, Samstag 10-14 Uhr, Heiligabend 10 bis 13 Uhr; Telefon 61 25 54

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