Solidarität mit der Ukraine

Frankfurter Schüler senden ein Zeichen für den Frieden

Von Michael Forst

Rund 600 Schüler formierten sich gestern auf dem Sportplatz des Pausenhofes der Walter-Kolb-Schule zu einem "Peace"-Zeichen.

Walter-Kolb-Schule in Unterliederbach organisiert bewegende Aktion

Die alte Bühnenregel, nach der einer gelungenen Vorstellung eine missglückte Generalprobe vorausgehen muss, traf auch auf die Aktion zu, mit der Schüler und Lehrer der Walter-Kolb-Schule in Unterliederbach gestern ein klares Friedenszeichen für die von Russland angegriffenen Ukraine sendeten. Denn bei der einzigen Probe am Vortag, berichtete Rektorin Sabine Fischer, sei alles gründlich schief gegangen - die Koordination der großen Schülergruppe klemmte und sogar der Akku der Lautsprecherbox für die Musik machte schlapp.

"Gewalt ist keine Lösung - niemals"

Dafür lief's gestern perfekt: Zu den Klängen von John Lennons Protest-Klassiker "Give Peace a Chance" und Udo Lindenbergs "Wir ziehen in den Frieden" formierten sich etwa 600 der insgesamt 800 Schüler auf dem Sportfeld ihres Schulhofs zu einem Peace-Zeichen. Wer nicht selber ein Teil des Friedenszeichens wurde, hielt Plakate mit dem Symbol in die Höhe.

Zwischen den Liedern machte Schulsprecher Samir (16) in einer Ansprache deutlich, worum es geht: "Gewalt ist keine Lösung, nie!" Der Krieg in der Ukraine beschäftige ihn und seine Mitschüler "schon seit Tagen und macht uns fassungslos", erklärte er. Schockiert sei man. Aber auch "voller Mitgefühl für das ukrainische Volk und allen, die im Krieg leiden müssen".

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Von der ersten bis zur zehnten Klasse machten alle mit großem Ernst und viel Disziplin mit - die Schule beherbergt mit Grund-, Haupt- und Realschule gleich drei Zweige und hat einen hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund. "Das bedeutet auch", erklärte Fischer, "dass manches Kind hier den Krieg schon durch die eigene Familiengeschichte erfahren hat." Deshalb sei es ihr und den Kollegen gleich nach Kriegsausbruch wichtig gewesen, das Thema fächerübergreifend im Unterricht anzusprechen. "Nachdem wir jeweils die Schüler gefragt hatten, ob sie das wollten", betont sie.

Etwas gegen die Angst getan

Und sie wollten, wie der 12-jährige Francesco dieser Zeitung bestätigte: "Als ich zuerst die Nachrichten sah, hatte ich Angst vor einem dritten Weltkrieg." Doch nicht zuletzt in der Schule habe er mehr Hintergründe erfahren, reden und zuhören können - so sei die Angst etwas gewichen. Mittlerweile glaube er, dass Putin diesen Krieg zwar kurzfristig gewinnen könne - "aber die freiheitsliebenden Menschen der Ukraine wird er trotzdem nie besiegen", ist sich Francesco sicher. Auch die 15-jährige Ouiam ist froh darüber, dass das Thema in der Schule zur Sprache kam. Hier habe sie vieles besser verstehen können - "denn die Berichterstattung in den Medien empfinde ich oft als verwirrend", sagt sie. Ihre Schulleiterin bestätigt den Redebedarf der Schüler. "Ich unterrichte selber eine neunte Hauptschulklasse", erzählt sie. "Obwohl die gerade kurz vor ihren Abschlussprüfungen stehen, war es ihnen ein Bedürfnis, über die Ukraine zu reden."

Herkunft darf nicht entscheidend sein

Mit dem Friedenszeichen auf dem Schulhof, betonte Sabine Fischer, "wollen wir ein Signal setzen für Menschenwürde, Demokratie und Frieden und unsere Solidarität mit den Menschen in der Ukraine bekunden. Als Schule mit bunter Gemeinschaft und unterschiedlichen Wurzeln trete man gemeinsam dafür ein, dass niemand aufgrund seiner Herkunft diskriminiert oder verurteilt werden sollte. Deshalb sei es Lehrern und Schülern "wichtig, dass der Angriffskrieg, den alle verurteilen und für den es keine Rechtfertigung gibt, nicht der Krieg der Schülerinnen und Schüler ist, deren Wurzeln sich in der Ukraine oder Russland befinden". mfo

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