Ein leeres Klassenzimmer in der Corona-Pandemie in einer Grundschule.
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Ein leeres Klassenzimmer in der Corona-Pandemie in einer Grundschule.

Bildung

Frankfurter Schulleiter sehen Notbetreuung kritisch

  • vonUte Vetter
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Ab Montag gilt Wechselunterricht für die Klassen 1 bis 6. Für viele Schulen ist das aber nicht leicht umzusetzen. Räume und Personal sind knapp.

Mancher sieht es als ersten notwendigen Lockerungsschritt in der Corona-Pandemie, andere fürchten die Steigerung der Kontakte von Kindern und Erwachsenen: Ab Montag wird an allen hessischen Grundschulen für die Klassen 1 bis 4 und die Klassen 5 und 6 der weiterführenden Schulen Wechselunterricht angeboten - das gilt auch für die etwa 80 Grundschulen in Frankfurt. Ab Klasse 7 bleibt es weiter beim Distanzunterricht (Homeschooling) mit Ausnahme von Abschlussklassen. Das soll vorerst bis zu den Osterferien so bleiben, hat die hessische Landesregierung entschieden. Auch für die Kitas gilt ab 22. Februar der "eingeschränkte Regelbetrieb". Zudem sollen sich Lehrer und Erzieher häufiger kostenfrei testen lassen dürfen als bislang.

Wie genau der Wechselunterricht stattfindet - also tage- oder wochenweise - bleibt jeder Schule überlassen, damit sie individuell auf ihre jeweilige Raum- und Personalsituation eingehen kann. Grundsätzlich werden bei einem Wechselunterricht die Klassen aufgeteilt: Eine Hälfte (Gruppe) wird in der Schule unterrichtet, die andere lernt derweil zu Hause. Das soll die Kontakte reduzieren und vor allem die Abstandsregeln (weiterhin 1,50 Meter) einhalten helfen.

Benedikt Gehrling, Leiter der Erich-Kästner-Grundschule in Niederursel mit rund 440 Kindern und 33 Lehrkräften, sieht es "durchaus positiv, dass die Unterrichtsplanung diesmal den Schulen überlassen bleibt". Und dass die Planung diesmal mit zehn Tagen Vorlaufzeit vom Beschluss bis zur Realisierung "ausreichend" sei: "Das Kultusministerium kam uns da diesmal sehr entgegen, das klappte jetzt viel besser."

Aber dennoch, so Gehrling, der auch Sprecher der Grundschulen Frankfurts ist, machten sich Eltern und Lehrer durchaus Sorgen, wie der Wechselunterricht bewältigt werden solle. Denn die Schulen seien voll, die Räume knapp, und Neubauten ließen noch auf sich warten. Zudem müsse jede Grundschule abwägen, welches Unterrichtsmodell für sie geeignet sei. Für ihn stand schnell fest: In der Erich-Kästner-Schule wird es täglich wechselnden Unterricht geben. "Dann entwickeln die Kinder nicht so eine große Distanz zur Schule wie nach einer Woche."

Es gebe auch viele Lehrer, die würden "ihre" Kinder gern täglich unterrichten, aber das sei wenig praktikabel, so Gehrling. "Das wären dann etwa nur zwei Zeitstunden Beschulung pro Tag. Aber die im Schnitt 22 Kinder pro Klasse kommen rein, müssen Mäntel ausziehen, Hände waschen, die Hausaufgaben durcharbeiten und erhalten neue Aufgaben. Da sind zwei Stunden nix." Mathematik, Sachunterricht und Deutsch könne man so gar nicht mehr vermitteln.

Gehrling sieht wie viele Lehrkräfte ab Montag ein ganz anderes Problem am Horizont: die Notbetreuung. Diese müssen Schulen für jene Tage anbieten, an denen die Kinder nicht den Unterricht besuchen. Und ziemlich viele Eltern haben einen Anspruch darauf: Alleinerziehende, die arbeiten, oder wenn beide Elternteile berufstätig sind. Auch wer im Homeoffice arbeitet, kann sein Kind in die Notbetreuung schicken.

Die Leiterin der Grunelius-Grundschule in Oberrad, Anne Gernoth, bittet Eltern denn auch auf der Website inständig: "Bitte betreuen Sie an Tagen ohne Präsenzunterricht im Wechselmodell Ihre Kinder wenn irgend möglich zu Hause. Dies ist besonders wichtig!" Denn das Wechselmodell erfordere in Kombination mit der Notbetreuung eine hohe personelle und räumliche Ressource. Klartext: Je mehr Kinder für die Notbetreuung angemeldet werden, desto weniger Lehrkräfte können dann die anderen Kinder unterrichten. Die Grundschulleitung erklärt denn auch: "Das kann im schlimmsten Fall bedeuten, dass wir die Kinder an den Präsenzunterrichtstagen nur eingeschränkt, etwa für drei Stunden beschulen können. Dies möchten wir vermeiden." Gehrling sagt deutlich: "Ich hätte mir einen eingeschränkten Regelbetrieb gewünscht. Da hätte das Kultusministerium mehr Wagemut und Zuversicht zeigen können." Die Hygienekonzepte hätten doch gegriffen. An seiner Schule wurden seit März 2020 nur sieben Infektionen bei Kindern festgestellt; sie seien nicht krank gewesen, niemand habe sich angesteckt. Gehrling: "Zu viel Angst blockiert und engt ein bei der Suche nach guten Lösungen."

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