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Wegen Energiekrise: Frankfurter sparen nicht ganz 20 Prozent Energie ein

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Die Stadt Frankfurt zieht nach dem Winter und dem Ende der Energiesparverordnung eine positive „erste Bilanz“. Konkrete Zahlen fehlen allerdings.

Frankfurt – Zum Ende des bundesweiten Energiesparens infolge des Kriegs in der Ukraine hat die Stadt Frankfurt eine erste Bilanz gezogen. Sie fällt positiv aus. Dass die Verordnung ausläuft, wird jetzt wohl auch weithin sichtbar werden: In der Skyline dürfen abends wieder diverse Wolkenkrater beleuchtet werden.

Insgesamt liegen die Einsparungen bei den Haushaltskunden im städtischen Netzgebiet der Mainova-Tochter Netzdienste Rhein-Main (NRM) bei etwa zehn Prozent, erklärt die Stadt in einer zum Wochenende veröffentlichten Presseerklärung. Die Einsparungen im Großkundenbereich – zu dem auch die Stadt zählt – lägen darüber, weshalb in Summe im Frankfurter Netz der Zielwert der Politik von 20 Prozent fast erreicht wird. Die Energiesparverordnung lief zum Samstag (15. April) aus.

Nur spärlich waren sind Skyline und Mainufer seit dem Herbst, um Energie einzusparen. Die Vorgaben endeten jetzt aber. FOTO: Rolf Oeser
Skyline und Mainufer sind seit Herbst nur noch spärlich beleuchtet, um Energie zu sparen. Doch damit ist jetzt Schluss. © Rolf Oeser

Berechnungen für das erste Quartal 2023 fehlen noch

Diese Zahlen seien noch nicht witterungsbereinigt, auch fehle in den Berechnungen das erste Quartal 2023, erklärt Klima- und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) schriftlich. Endgültige Aussagen lägen voraussichtlich erst bei der Jahresendrechnung 2024 vor.

Der Löwenanteil der Einsparungen liege laut Mainova bei den Unternehmen. Aber auch der milde Winter habe zu einem geringeren Energieverbrauch geführt. Insgesamt sei sie mit dem Ergebnis der Sparmaßnahmen sehr zufrieden, sagt Heilig. „Die hinter uns liegenden Monate waren ein großer Kraftakt für uns alle.“

Die Vorgaben zum Energiesparen waren im September in Kraft getreten, nachdem in Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine die Gasimporte aus Russland wegfielen. In Frankfurt hatte die Stadt die Temperatur in ihren Gebäuden auf 19 Grad abgesenkt, die nächtliche Außenbeleuchtung von Römer, Museen und Kirchen ausgesetzt und 32.000 der 60.000 Straßenlaternen gedimmt.

Frankfurter Bäder verbrauchen 15 Prozent weniger Energie

In den städtischen Schwimmbädern sei 15 Prozent weniger Energie verbraucht worden, bilanziert Heilig. Der Palmengarten habe den Wärmeenergieverbrauch um rund 20 Prozent gesenkt. Dies wolle der Palmengarten auch fortführen, da die Pflanzen die geringfügig niedrigeren Temperaturen toleriert hätten.

112 000 Euro seien als Hilfe an bedürftige Menschen geflossen. Diese Summe sei bei der Kampagne „#weitergeben“ zusammengekommen, bei der die Stadt dazu aufgerufen hatte, dass diejenigen, die den einmaligen Energiezuschuss des Bundes in Höhe von 300 Euro nicht benötigten, ihn für gute Zwecke spenden.

Wie viel die Einsparungen der Stadt finanziell gebracht haben, teilt die Dezernentin nicht mit. In den Straßen hatte die Stadt auch 2491 Leuchten abgeschaltet, die etwa für die Lichtsstimmung am Mainufer sorgen oder Brücken beleuchten. Zudem wurden 218 Bodeneinbaustrahler auf Plätzen ausgeschaltet. Viele Illuminationsstrahler mussten Mitarbeiter teilweise aber sogar einzeln ausschalten, was 16 000 Euro kosten sollte, wie Mobilitätsstadtrat Stefan Majer (Grüne) im Vorfeld erklärt hatte. Die Römer-Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt hat zum Ziel, dass Frankfurt bis 2035 klimaneutral ist. Rosemarie Heilig appelliert: „Ein sparsamer Gasverbrauch bleibt weiter extrem wichtig, auch vor dem Hintergrund der Klimakrise.“ Auch die Energiepreise seien Grund zum Weitersparen.

Bleiben Frankfurter Römer & Co. noch länger dunkel?

Römer, Paulskirche und Mainufer könnten womöglich länger dunkel bleiben. Das deutet die Dezernentin in ihrer Mitteilung an. Sie schreibt: „Über den möglichen Spielraum, einzelne Maßnahmen wieder zurückzunehmen, wird der Arbeitskreis Energiekrise und der gesamte Magistrat regelmäßig beraten und entscheiden.“ Was nicht danach klingt, als ob die Stadt die Lichtschalter direkt wieder umlegen würde, obwohl sie das nun wieder darf.

Damit ist die Stadt allerdings in guter Gesellschaft. Auch in der Skyline leuchten die Wolkenkratzer bisher noch nicht wieder so hell wie vor dem Herbst. An nahezu allen Hochhäusern war die Außenbeleuchtung seit September komplett abgeschaltet, obwohl das erst ab 22 Uhr nötig war. Doch nur Commerzbank, Marienturm und Maintor blieben abends illuminiert. Selbst Messeturm und Ginnheimer Spargel waren ganz dunkel, obwohl die Eigentümer die Beleuchtung zuvor auf energiesparende LED umgerüstet hatten. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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