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Heinz-Rudolf Kunze hat ein neues Album herausgebracht, in Frankfurt machte er auch Werbung für seine Tour.

Stadtgeflüster

Weshalb Heinz Rudolf Kunze der Musik treu bleibt

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Heinz Rudolf Kunze hat ein neues Album herausgebracht und geht auch bald auf Tour. In Frankfurt plauderte er über seinen Werdegang.

Mit dem Produzenten Conny Plank verbindet Heinz Rudolf Kunze sehr viel. „Mit ihm habe ich damals Gold geholt“, sagt der Musiker. Er steht in der Münchener Straße im Bahnhofsviertel und blickt auf das Lokal, das den Namen des legendären Produzenten trägt. „Kraftwerk“, „Ultravox“, „Killing Joke“ oder „Ideal“ nahmen ihre Platten bei dem Mann auf, der eigentlich mit Vornamen Konrad heißt.

Kunze verdankt ihm seinen „Durchbruch“. „Dein ist mein ganzes Herz“ machte er gemeinsam mit ihm. „Conny Plank war der einzige Musikproduzent, der mich beeindruckt hat“, erinnert sich der 62-Jährige und verrät: „Er hat mir vorgetanzt, wie die Lieder klingen sollten.“ Heinz Rudolf Kunze wirkt, während er erzählt, kein bisschen nostalgisch, aber Plank hinterließ in seinem Leben und Schaffen großen Eindruck. So prägend war dieser für den Musiker, dass er seinen Sohn nach ihm benannte. Bei ihm versichere sich der Deutschrock-Veteran auch, dass es im Rock-Business seit Jahren nichts Spannendes mehr zu entdecken gibt. In der Jazz-Szene sei das etwas anders, dort gebe es spannende Entwicklungen. Der Vollblutmusiker sagt, die Rockmusik sei in einer Krise, wenn nicht sogar am Ende. „Es kann sogar sein, dass diese Geschichte auserzählt ist.“

Das sind schon starke Worte von Kunze. Und er setzt sogar noch eins drauf: „Die Rockmusik ist tot und wir pflegen so gut wie möglich die Leichen.“ Trotzdem will Kunze weiter Alben veröffentlichen, der es mit einem Satz des legendären Lou Reed hält. „Ich mache weiterhin Rockmusik, denn mir fällt nichts Besseres ein. Genauso geht es mir“, scherzt Kunze. Doch Kunze ist nicht nur fokussiert auf Rockmusik, ganz im Gegenteil. Er hat auch ein Herz für Punkrock. „Das war meine Generation und das habe ich alles sehr geliebt.“ Vor allem auf die „Stranglers“ fuhr er ab, er mochte aber auch die „Stooges“, „Wire“ oder „Stiff Little Fingers“.

Der Deutschrocker ist auf Promotiontour. Mehrere Interviews stehen an. Zwischen zwei Terminen in Frankfurt bleibt Zeit zum Essen in einem türkischen Restaurant im Bahnhofsviertel. Ende Januar kommt er auf seiner Tour, die ihn in 18 deutsche Städte führt, in die Batschkapp. Frankfurt habe in den vergangenen Jahren nicht oft auf seinem Tourplan gestanden, räumt Kunze ein. Das sei schade, doch das ändere sich ja nun, weil ihn mit der Mainmetropole einiges verbinde.

Zum einen könne er sich sehr gut vorstellen, einmal mit dem Produzenten Moses Pelham zusammenzuarbeiten und zum anderen hatte er in der Alten Oper eine Begegnung mit langfristigen Folgen. Nach einem Konzert 1982 sei ein vor Wut schäumender Marek Lieberberg auf ihn zugestürmt und habe gesagt: „Sie hätten der deutsche Springsteen werden können. Jetzt werde ich es zu verhindern wissen.“ Kunze war überrascht, auch ob des Vorwurfs, er hätte das jüdische Volk beleidigt. „In einer Zeile, die immer wieder kommt, habe ich etwas gegen den israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin gesagt“, klärt Kunze auf. Danach unterhielten sich die beiden Männer, gingen essen und wurden sehr gute Freunde. Und sie hatten auch mal ein gemeinsames Projekt. Bei den Musicals „Les Miserables“, bei dem Kunze der Übersetzer war, und „Rent“. „Marek Lieberberg hat mich quasi zum Übersetzen gebracht und mir meinen Zweitberuf ermöglicht.“

Am 28. Januar gibt Kunze nun also wieder mal ein Konzert in der Mainmetropole. Er kommt ohne Vorgruppe und es gibt keine Pause. Aber er hat acht Musiker an seiner Seite. „Sieben bis acht Songs aus dem neuen Album sind im Programm“, kündigt er an. Außerdem spiele er Songs, die jeder kenne und liebe. Und er werde bunt durchgewürfelt seine Lieblingstitel präsentieren. Eins ist klar. Es wird immer schwerer, diese Auswahl zu treffen, weil es immer mehr Alben gibt, auf die er zurückschauen kann. „Aber das ist ein Luxusproblem.“ Da gibt es auch einige Songs, die er noch nie Live spielte, die auf dieser Rundreise durch die Republik ihre Feuertaufe erleben. Aber welche das sind, das will er nicht verraten.

Weihnachten feiert Kunze in „introvertierter Form“, also im engsten Kreis der Familie. „Meine Kinder sind längst erwachsen. Ich habe schon Enkel. Und für sie mache ich das so ein wenig mit. Ansonsten ist mir dieses ,Betreiben’ von Weihnachten immer unangenehm gewesen“, erzählt der 62-Jährige. „Ich mag das alles lieber etwas stiller.“ Einfach wegfahren ist aber auch keine Lösung. Denn: „Ich bin das ganze Jahr unterwegs, da freue ich mich, wenn ich mal dableibe“, sagt der Musiker und formuliert einen Wunsch: „Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen und möchte so weitermachen dürfen, solange die Gesundheit mitmacht und solange das jemand hören will.“

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