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Mit Umweltpädagogin Tanja Hug erkunden Zofia, Sebastian, Oumnya, Beza, Louis und Levi (v.l.) den Kinderhausgarten auf der Jagd nach allem, was da kreucht und fleucht. Mit Becher-Lupen können sie sich die Insekten genauer anschauen.

"Guck mal, was da krabbelt!"

Frankfurter Stadtkinder lernen die Natur kennen: Teilnehmer legen Berührungsängste ab

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Von wegen "Pfui, Spinne": Vorurteile abbauen und Staunen lernen über die Vielfalt der Natur: Diese Erfahrungen machen zurzeit die Kinder der Hortgruppe 63 der Projektgruppe "Kind in Nied".

Frankfurt - Sebastian mit seinen Adleraugen sieht es als Erster: Ein daumennagelgroßes Spinnentier, weiß mit rotem Streifen auf dem Hinterteil, krabbelt über eine Blüte des üppigen Lavendelstrauchs im Kinderhausgarten der Projektgruppe "Kind in Nied". Der neunjährige Bub ruft Tanja Hug herbei, und die Umweltpädagogin von der Naturerlebnisschule "Spurensucher" im Taunus stülpt mit geübter Hand eine Becher-Lupe über die Spinne.

Momente später wandert der Becher von Hand zu Hand und wird von neugierigen Kinderaugen genau beobachtet. Tanja Hug muss sich kurz erst selbst per Google-Suche schlau machen, um sich ihrer Sache ganz sicher zu sein: "Das ist eine Krabbenspinne", verrät sie den kleinen Naturforschern. "Sie können ihre Färbung perfekt an den Untergrund anpassen und sind so für anfliegende Insekten, Käfer und Schmetterlinge praktisch unsichtbar."

Frankfurter Stadtkinder weisen große Wissenslücken auf

Es sind Momente wie dieser, die zeigen, dass das Konzept von Heike Fahrland aufgegangen ist: An mehreren Tagen besuchte die Leiterin der Hortgruppe 63 der Projektgruppe "Kind in Nied" mit ihren Schützlingen verschiedene Schauplätze der Natur, um die Kinder, unterstützt von Experten, mit den Facetten von Tieren und Natur vertraut zu machen. "Zum einen, weil die Weltlage gerade mehr denn je zeigt, wie wichtig das Thema ist", erklärt sie. Zum anderen beobachte sie seit langem, dass gerade Stadtkinder in Sachen Natur große Berührungsängste und Wissenslücken haben - und kaum Gelegenheit, sie zu füllen.

"Kind in Nied": Auf Tuchfühlung mit Tieren

Das brachte die Pädagogin zum Handeln: Im Rahmen der Ferienspiele und unterstützt durch Spenden der "DM"-Drogeriemärkte in Höchst und Sossenheim, initiierte sie jeweils eintägige Begegnungen von Natur und Kindern, jeweils unterbrochen von einer Mittagspause mit leckerem Picknick und Grillen.

So verbrachten die Kinder, angeleitet vom Umweltbiologen Frank Reinhardt und finanziert von der Flughafenbetreibergesellschaft Fraport, einen Tag im Wald, besuchten die Sindlinger "Glückswiese", um auf Tuchfühlung mit Schweinen, Pferden oder Schafen zu gehen, bauten mit Volker Bannert, dem Experten vom Naturschutzbund (Nabu), im Kinderhausgarten Nistkästen und ein Insektenhotel oder fingen mit Keschern kleine Lebewesen aus der Nidda. Auch bei letzterer Unternehmung hatten sie Tanja Hug von den "Spurensuchern" an ihrer Seite. "Wir fanden Wasserflöhe, Egel, Eintagsfliegenlarven und Flohkrebse", zählt Najla (9) stolz auf - anhand der kleinen Tierchen ließen sich mit Tanja Hug Rückschlüsse auf die Wasserqualität machen - Wasserflöhe etwa sorgen auf natürliche Weise für klares Wasser. Und auch wenn die zehnjährige Vera das Gesicht verzieht, während sie vom Fund einer Assel erzählt ("Die ist so fett und hat so viele Füße"), hat sie der Hundertfüßer doch begeistern können: "Lang und lustig", so bringt sie dessen Merkmale auf den Punkt.

"Ich war ja vorgewarnt, dass die Kinder teils große Angst vor den Tieren haben", berichtet Tanja Hug über ihre Erfahrungen. "Umso begeisterter war ich, wie stark sie sich hier einbringen und wie wissbegierig sie sind."

"Kleine Rabauken"

Ihre "kleinen Rabauken", wie sie die jungen Naturforscher liebevoll nennt, werde sie jedenfalls vermissen, verrät sie Heike Fahrland zwischendurch.

Umgekehrt schwärmen die Kinder von der Expertin: "Sie erklärt uns alles langsam und ist immer super freundlich", fasst Vera ihre Meinung zusammen.

Heute geht das Naturprojekt mit einem Besuch des stillgelegten Wasserwerks in Goldstein zu Ende. Auch dort steht den Kindern mit Helmut Richter von Hessenwasser ein Experte zur Seite, der sie unter anderem für den Umgang mit dem kostbaren Gut sensibilisieren soll.

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