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Diese Kinder haben es nicht allzu weit zur Schule, sie können zu Fuß oder mit Rollern in ein paar Minuten dort sein.

Schule

Frankfurter Studie: Lange Schulwege machen Kinder krank

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Diese Studie muss Frankfurter Politiker aufhorchen lassen: Kinder, die einen langen Weg zur Schule haben, klagen häufiger über Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche.

Die Forschungsergebnisse, die Frankfurter Wissenschaftler jetzt vorgelegt haben, kennen etliche Familien in der Stadt aus eigener Anschauung: Lange Schulwege rauben Kindern und Jugendlichen Kraft und Konzentration. Vor allem junge Gymnasiasten müssen in Frankfurt längere Schulwege in Kauf nehmen, weil es in ihrer Nachbarschaft keine adäquate Schule gibt oder diese völlig überlaufen ist. Kinder und Eltern klagen deshalb über mangelnde Freizeit, Müdigkeit, Erschöpfung.

Mit Recht, wie Wissenschaftler nun herausfanden: „Jugendliche, die einen langen Schulweg zurücklegen müssen, klagen signifikant häufiger über mentale Gesundheitsprobleme“,bestätigte Prof. Dr. Andreas Klocke, Leiter des Forschungszentrums Demografischer Wandel der Frankfurt University of Applied Sciences. Er und sein Team haben rund 10 000 Siebtklässler an 150 weiterführenden Schulen in 14 Bundesländern dazu befragt, wie es ihnen mit dem Schulweg ergeht. Die Studie ist eingebettet in ein langjähriges Forschungsprojekt zum Thema Gesundheitsverhalten und Unfallgeschehen im Schulalter.

Summiert man die Fahrtzeiten mit verschiedenen Verkehrsmitteln inklusive der Dauer des Fußwegs, so brauchten die Jugendlichen im Schnitt 27 Minuten, um von ihrem Elternhaus zur Schule zu kommen. Die meisten Schüler, nämlich 30 Prozent, waren in zehn bis 20 Minuten am Schultor. 14,4 Prozent der Mitschüler sind in weniger als zehn Minuten dort. Etwa genauso viele Jugendliche waren vorm ersten Klingeln schon 45 Minuten oder sogar länger unterwegs.

Damit sind sie deutlich im Nachteil: Während 22,9 Prozent der Jugendlichen mit einem Weg von unter zehn Minuten angeben, dass sie an mehr als einem Tag in der Woche von Konzentrationsprobleme haben, kennt von den weit entfernt wohnenden Kindern knapp ein Drittel dieses Problem. Auch schlechte Laune und gereizte Stimmung kommt bei ihnen weitaus häufiger vor. Auch sind Jugendliche, die nahe an der Schule wohnen, im Schnitt zufriedener mit ihrer Gesundheit. Während sie zu 82,7 Prozent ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut einschätzen, liegt der entsprechende Wert für Jugendliche, die 45 Minuten oder länger zur Schule brauchen, bei 77 Prozent.

Diese Erkenntnisse, so der Rat der Wissenschaftler, sollten Bildungspolitiker in ihre Überlegungen mit einbeziehen. In Frankfurt, so versicherte Rüdiger Niemann, Referent von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD), werde das zumindest perspektivisch getan. „Wir erhöhen in den nächsten Jahren die Schuldichte, damit werden die Wege wieder kürzer“, so Niemann. Im Sommer sollen eine Gesamtschule und ein Gymnasium neu eröffnen, deren Standorte eher im Westen der Stadt sollen dort Entlastung bringen. Der anstehende Umzug des Gymnasiums Nied aus Höchst ins Westend werde die Wege anderer Kinder verkürzen.

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