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Tag für Tag donnern im Sekundentakt die Maschinen in nur wenigen hundert Metern Höhe über die Häuserdächer im Frankfurter Süden hinweg.

Wahlkreis 37

Frankfurter Süden: Hier ist Fluglärm das große Thema

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Ja zu FRA? Der Wahlkreis 37, auch ?Frankfurt IV? genannt, wurde zum 30. Juni 2018 verkleinert. Schwanheim gehört nicht mehr komplett zum Frankfurter Süden. Der Stadtbezirk 531 ist jetzt Teil des Frankfurter Westens. Ob sich das bei der Landtagswahl bemerkbar machen wird, bleibt abzuwarten. Politisch ist das Hauptthema nach wie vor der Flughafen und der Lärm.

Fluglärm – dieses Wort mit seinen acht Buchstaben hat eine große Bedeutung im Frankfurter Süden. Tag für Tag donnern die Flugzeuge mit einem ohrenbetäubenden Krach in nur wenigen hundert Metern Höhe über die Häuserdächer hinweg. Die Anwohner sind genervt, sorgen sich um ihre Gesundheit, können im Sommer ihre Gärten nicht mehr nutzen. Schlafen bei geöffnetem Fenster ist schier unmöglich. Montag für Montag fahren Dutzende Menschen aus Oberrad, Sachsenhausen, Niederrad und auch Schwanheim an den Flughafen, um dort gemeinsam mit Gleichgesinnten aus der Region gegen Fraport, den Flughafenausbau und den Lärm zu demonstrieren. Andere aber haben längst resigniert, haben sich ihrem Schicksal ergeben oder sind einfach weggezogen.

Bleibt die Frage, wie sich die Diskussion um den Ausbau des Flughafens und dessen Folgen auf die Landtagswahl am 28. Oktober auswirkt. Für welche Partei und welchen Kandidaten werden sich die rund 70 000 Wahlberechtigten entscheiden? Bei der vergangenen Landtagswahl war es die CDU, die eher als Flughafenausbau-Befürworter gilt, die den Frankfurter Süden für sich gewann. Und auch ihr Kandidat Michael Boddenberg holte zum vierten Mal in Folge das Direktmandat. Er verwies seinen SPD-Konkurrenten, den verstorbenen Ralf Heider, einen bekennenden Flughafenausbau-Gegner, auf den zweiten Platz.

Michael Boddenberg tritt abermals an. Er sagt: „Ich habe den Ausbau immer befürwortet.“ Er biete bei allen Herausforderungen große Chancen für ein exportorientiertes Land wie Hessen und das Rhein-Main-Gebiet. „Damit Hessen stark bleibt, wollen wir den Flughafen in seiner Drehscheibenfunktion als Weltflughafen festigen, um Arbeitsplätze zu sichern und neue Arbeitsplätze zu schaffen“, sagt der amtierende Landtagsabgeordnete, der aber auch betont: Fraport und die Airlines müssten „alles technisch Mögliche, rechtlich Zulässige und ökonomisch Vertretbare“ tun, um den Lärm zu reduzieren. Er lobt die eingeführten Lärmpausen und die Lärmobergrenzen, will sich für „eine stärkere Spreizung der Landegebühren“ einsetzen, damit der Einsatz leiserer Flugzeuge beschleunigt wird.

Ähnlich sieht es der FDP-Kandidat Yanki Pürsün. Der Flughafen sei nicht wegzudenken. Er trage „zu unserem Wohlstand und der Attraktivität Frankfurts“ bei. Seiner Meinung nach könnten die Förderung der Forschung und technologischer Fortschritt mittelfristig weiter helfen.

„In Bezug auf den Fluglärm wird eindeutig zu wenig gemacht“, sagt dagegen die SPD-Kandidatin Stefanie Then. „Alle Maßnahmen, die eingeführt wurden, blieben Placebos.“ Fast täglich werde nach 23 Uhr gelandet. Damit müsse Schluss sein. Sie setzt sich für ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr ein. Das fordern auch die Kandidatinnen der Grünen und der Linken, Mirjam Schmidt und Magdalena Depta. „Der Ausbau war ein Fehler, es muss leiser werden“, sagt Schmidt. Depta fordert zusätzlich eine Deckelung der Flugbewegungen auf 380 000 pro Jahr, die Schließung der Nordwest-Landebahn und den Stopp des Baus von Terminal 3. Sie sieht nämlich noch ein ganz anderes Problem: „Aufgrund des Fluglärms dürfen im Grunde keine Wohnungen, Kitas und sozialen Einrichtungen mehr in Teilen des Südens gebaut werden.“ Aber vor allem Wohnungen, Betreuungsplätze und Schulen würden dringend gebraucht. Darauf weist auch Stefanie Then hin.

Von diesen Ansichten ist Erich Heidkamp (AfD) nicht weit entfernt. Seiner Meinung nach hätte der Flughafen erst gar nicht so nah an ein dicht besiedeltes Gebiet gebaut werden dürfen. „Der Fluglärm ist erschreckend“, sagt er. Um für Entlastung zu sorgen, müssten Flüge innerhalb Europas auf die Schiene verlegt werden, Ryanair und andere Billigflieger sollten auf dem Flughafen Hahn im Hunsrück landen. Dann könnte Fraport auf die umstrittene Nordwest-Landebahn verzichten und es wäre wieder leise.

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