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Limitierte Sneaker sind teuer. Onlinehändler benutzen deshalb Programme, die automatisch solche Schuhe im großen Stil aufkaufen – andere Kunden gehen leer aus. Aus Protest hat ein Frankfurter Händler wie hier Martin Schreiber den Computern statt der Sneaker nur Fotos der Schuhe verkauft, ganz legal. Foto: Rainer Rueffer

Online-Handel

Clevere Idee eines Frankfurter Jungunternehmers trickst Online-Bots aus

Seit gut einem Jahr geht das schon so: Die elegantesten Sneakers aus dem Online-Laden der Frankfurter Martin Schreiber und Fabian Herkelmann sichern sich Wiederverkäufer aus den USA und Asien, um die Kult-Schuhe dann überteuert loszuschlagen. Die Kunden der Frankfurter gingen regelmäßig leer aus. Damit ist jetzt Schluss - dank einer pfiffigen Idee.

Frankfurt.Die Masche war jedes Mal die gleiche: Kaum hatten Martin Schreiber (27) und Florian Herkelmann (31) die neuesten Sneaker jenes amerikanischen Herstellers mit dem "Swoosh"-Logo in ihrem Onlineshop angeboten, waren sie auch schon weg. Besonders rasant und deshalb besonders ärgerlich für die beiden Frankfurter Unternehmer ging das vor allem immer dann, wenn eine limitierte Sonderausgabe angeboten wurde. "Dann bekommen wir vom Hersteller oft nicht mal 50 Paar", erklärt Martin Schreiber die strenge Zuteilungspolitik. Die Kult-Schuhe bietet er in seinem Laden Bonkers in der Klappergasse (Sachsenhausen) an und in seinem Onlineshop. Mit einem fatalen Effekt. Auf das knappe Kontingent der Designer-Sneakers stürzen sich nicht nur Fans der Kult-Schuhe, sondern vor allem Wiederverkäufer ("Reseller"). Der Andrang auf der Internetseite seines Ladens sei dann immer gigantisch. "Wir hatten bis zu 700 000 Aufrufe in einer Minute", so Schreiber. Möglich wird das durch so genannte Bots, spezielle Computerprogramme, die darauf programmiert sind, innerhalb von Sekundenbruchteilen die begehrten Schuhe zu erkennen und umgehend zu kaufen. Zeitweilig, sagt Schreiber, sei unter dem Ansturm der Bots die Webseite seines Onlineshops zusammengebrochen. Vor allem Wiederverkäufer aus den USA und aus Asien würden solche Bots einsetzen, um im großen Stil knapp kontingentierte Designer-Schuhe aufzukaufen und dann für ein Vielfaches des üblichen Verkaufspreises an den Fan zu bringen.

Bei Sammlern beliebt

Martin Schreiber kennt die Szene und die Begehrlichkeiten, die von Knappheit stimuliert werden, vor allem bei Sammlern. "Die zahlen oft Hunderte Euro für eine Paar aus einer limitierten Edition, manchmal sogar Tausende." Schreiber und Herkelmann wollen die kostbaren Sneakers nicht Resellern überlassen. Sie wollen ihre Kundschaft damit bedienen. "Leute, die hierher kommen, die die Schuhe tragen und sich daran freuen", erklärt Schreiber. Also wollten sie den Bots ein Schnippchen schlagen. Schreiber: "Wir wollten unsere Ruhe und die Leute mit ihren Computer-Bots abschrecken."

Die zündende Idee hatte schließlich Fabian Herkelmann. Sie ist so simpel wie wirkungsvoll: Statt der begehrten Schuhe bieten die beiden ausgeschlafenen Frankfurter lediglich Fotos der extrem begehrten Kult-Schuhe im Internet zum Kauf an, zehn Fotos zusammen 70 Euro. Und das von jeder Schuhgröße. Auf der Illustration des Angebots steht groß in roten Lettern "Image", also Bild. "Ein Mensch merkt das sofort und kauft das natürlich nicht", sagt Schreiber. Ein Bot ist nur auf das Foto programmiert. Der kann nicht unterscheiden, ob hier ein Paar Schuhe oder nur Bilder von einem Paar Schuhe angeboten werden." Vorsichtshalber haben die beiden Unternehmer ihren Trick von einem Juristen prüfen lassen, bevor sie damit online gingen. Es kam, wie es kommen musste: Die Bots griffen fleißig zu. Schreiber verschickte Fotos statt Schuhe.

Campen vor dem Laden

Beschwerden und Stornoanträge blieben nicht aus. Weil Schreiber und Herkelmann aber niemanden getäuscht und keinen Käufer in die Irre geführt hatten, blieben die verhinderten Schuhaufkäufer auf den Fotos sitzen. Die beiden Frankfurter hoffen, dass sich ihr Kniff herumspricht in der Szene der Reseller und sie künftig von denen verschont bleiben. Damit mehr ihrer "echten" Kunden zum Zuge kommen. Die, erzählt Schreiber, nähmen regelmäßige große Strapazen auf sich, wenn wieder mal eine neue limitierte Schuh-Edition in den Laden komme. "Da warten dann schon mal Leute stundenlang mit Klappstuhl vor dem Laden, um zu den Ersten zu gehören, wenn wir um 12 Uhr öffnen."

Schreiber und Herkelmann betreiben seit 2010 ihren Onlineshop und seit 2015 den Laden Bonkers in der Klappergasse 11.

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