MiIlimeterarbeit: Das erste von drei Modulen steht auf dem Betonsockel, gerade passen die Fachleute der Firma Amann ein vorgefertigtes Treppenbauteil ein.
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MiIlimeterarbeit: Das erste von drei Modulen steht auf dem Betonsockel, gerade passen die Fachleute der Firma Amann ein vorgefertigtes Treppenbauteil ein.

Goetheturm

Der Frankfurter Turmbau zu Goethe läuft perfekt

  • vonSabine Schramek
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Am Mittwoch übernächste Woche soll der neue Goetheturm wieder in den Himmel ragen. Ein Bau-Reportage

Sachsenhausen . Es riecht nach Holz. Nach viel Holz und ein bisschen nach Benzin. Hoch in der Luft schwebt ein Aussichtspunkt, der zentimetergenau immer näher an einer dicken Kette auf 13 Meter Höhe gelenkt wird. Zwei Männer, die hoch oben in zwei Hubwagen stehen, lenken das helle Holzteil vorsichtig per Hand an die richtige Stelle.

Hinter dem Bauzaun stehen Neugierige, die ihr Handy zücken, um den Wiederaufbau des Goetheturms festzuhalten. "Es fühlt sich manchmal schon ein bisschen wie im Zoo an", sagt Zimmermannsmeister Benedikt Max (33) fröhlich, während er das Baumodul und ab und zu die Zuschauer beobachtet.

Seit 17 Jahren arbeitet er bei dem badischen Holzbauunternehmen Amman. Er war dabei, als diese Firma das Centre Pompidou in Metz baute, aber so etwas wie den Goetheturmbau hat er noch nicht erlebt. "Eigentlich interessiert mich die Geometrie des Turms am meisten. Aber es ist unglaublich, wie sehr die Frankfurter an ihrem Turm hängen", sagt der schlanke Mann, der mit ruhiger Stimme seine sechs Mitarbeiter dirigiert.

Seine Kollegen hämmern, balancieren und bohren Bretter, Bauteile und noch mehr Bretter. Tobi Jaschke (38) schleppt einzelne lange Bauteile, die mit Stahl verarbeitet sind, an Ort und Stelle zum künftigen Dach. "Nächste Woche kommt die Firma, die die Bleche befestigt. Dann sind wir zu fünft da". Auch er staunt über den Zuschauerandrang zu Fuß und auf Rädern. "Die Leute freuen sich total", stellt er jeden Tag fest. "Dabei müssen wir uns bei den Frankfurtern dafür bedanken, dass wir den Turm wieder aufbauen dürfen".

Die Männer auf der Baustelle genießen ihre Arbeit sichtlich. Sie sind unter sich und kümmern sich konzentriert um jeden Zentimeter des Bauwerks aus Edelkastanie. Nur die Stufen und Treppengeländer sind aus Eiche. Noch strahlt der Turm in hellem Holz, das in der Sonne leuchtet. "Das bleibt aber nicht so. Er wird erst Wasserflecken bekommen, sich schwarz und dann gräulich färben", erklärt Max. Fast das gesamte Holz bleibt naturbelassen. "Der Eigenschutz ist der beste Schutz für das Holz", sagt er überzeugt. "Der Turm soll ja wieder viele Generationen glücklich machen."

Am Morgen kam überraschender Besuch auf die Baustelle. Günther Lohse (52) ist Inspektor für Arbeitsschutz und Bauen beim Regierungspräsidium (RP) Darmstadt. Männer wie er kontrollieren ohne Vorankündigung Baustellen auf sozialen und technischen Arbeitsschutz der gültigen Baustellenverordnung. Mit Helm und Sicherheitsweste läuft er zwischen Transportfahrzeugen, Kränen, Holzteilen und Mitarbeitern umher. In der Hand hält er einen Block. Und sagt: "Es geht um Prävention und darum, dass keine fahrlässigen Unfälle passieren können. Dass vom Azubi bis zum Meister alle ausreichend geschützt sind und für alle auch in Sachen Hygiene mit Toiletten, Aufenthaltsraum und abwaschbaren Tischen alles getan wird", erklärt er freundlich. "Alles topp hier. Vollprofis eben", ist sein kurzer, lobender Kommentar.

Häufig müsse er mit der Staatsanwaltschaft und der Baugenossenschaft auf Baustellen anrücken. "Dann hagelt es Bußgelder und wir müssen den Firmen heftig in die Schlappen treten. Es werden auch Baustellen geschlossen. Hier aber haben alle das richtige Knowhow. Das ist toll für diesen wichtigen Ort." Auch Lohse hängt am Goetheturm. Schon als Kind war er oft dort. "Und ich komme wieder. Beruflich zur nächsten Kontrolle irgendwann und privat, wenn der Goetheturm offen für alle ist."

Noch ist es nicht so weit. Das erste Turmmodul steht auf dem Betonsockel. Das zweite steht daneben, gestützt von Metallstangen. Nächste Woche kommt das dritte, 13 Meter hohe Bauteil. Bis dahin wird das Dach fertig sein. "Wenn der große Kran kommt, wird es spannend", sagt Max. "Dann geht es schnell mit 43 Metern Höhe." Den Blick über die Stadt will er genießen. "Wir arbeiten hier jeden Tag zehn Stunden. Am Ende fahren wir mit dem großen Hubwagen hinauf. Vorher bin ich zum Montieren oben. Das ist Chefsache. Wenn alles haargenau passt, fahren wir alle hinauf. Auch, um die Frankfurter noch besser verstehen zu können."

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