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„Rechnungen, die völlig willkürlich wirken“: Mieter rätseln über Abrechnungen

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Von: Sabine Schramek

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Viele Mieter der Vonovia-Häuser in der Humserstraße protestieren gegen ihre Abrechnungen. FOTO: rüffer
Viele Mieter der Vonovia-Häuser in der Humserstraße protestieren gegen ihre Abrechnungen. © Rainer Rüffer

Vonovia-Mieter in Frankfurt sind sauer. Betriebsnebenkosten-Abrechnungen sorgen für großes Unverständnis. Der Immobilienkonzern ist sich allerdings keiner Schuld bewusst.

Frankfurt - Die Vonovia-Gebäude am Dornbusch in der Eschersheimer Landstraße und Humserstraße wirken adrett und gepflegt. Es sind 50er und 60er Jahre-Häuser, die teilweise bereits saniert sind. Viele haben Balkons und bieten ein gemütliches zu Hause. Unverständlich für Mieter sind dagegen Betriebsnebenkosten-Abrechnungen, in die sie keinen Einblick bekommen. Sie wehren sich.

Daniel Katzenmeier von der Mietergewerkschaft weiß, was es für Mieter heißt, wenn Nebenkostenvorauszahlungen steigen oder Nachzahlungen gefordert werden. "Das sind mal rund 100 Euro, mal 200", sagt er. "Das tut weh. Vor allem wollen die Mieter verstehen, warum." Mehrere 100 Vonovia-Mieter in Frankfurt kenne er, die sauer sind, Widerspruch einlegen, sich Anwälte nehmen oder offene Briefe schreiben. Melanie N., Peter T. und Michael P. (Namen von der Redaktion geändert) gehören dazu.

Frankfurt: Vonovia-Mieter sind sauer – Plötzlich 200 Euro mehr bei Nebenkosten

"Wir wohnen hier und bekommen Rechnungen, die völlig willkürlich wirken", sagen sie und zeigen Auflistungen mit Summen, die nichts weiter beinhalten, als vermeintliche Zahlen, wie oft Gärten im Jahr gepflegt, Winterdienst verrichtet, Sperrmüll abgeholt worden sei und einen Objektbetreuer, der Geld bekommen soll.

Wer Widerspruch einlegt und Einsicht fordert, bekommt Listen. Umgelegt auf mal 21, mal 22 Gebäude in der Eschersheimer Landstraße und Humserstraße. "Versteht kein Mensch", so T. verärgert. "Der Hauswart steht einfach da, es gibt keine Einsicht. Sperrmüll, der eigentlich von der FES kostenfrei abgeholt wird, wird zum Teil doppelt, mal für alle Objekte, mal nur für ein Objekt, mal ohne Benennung der Objekte in kleinen und großen Mengen aufgelistet. Nichts weist darauf hin, dass jemals von der Vonovia Sperrmüll wirklich abgeholt oder wo er entsorgt wurde. Aber zahlen sollen wir. Bis zu angeblichen 18 Kubikmeter an einem Tag. Das glauben wir nicht."

Mieter-Ärger in Frankfurt: Vonovia-Sprecherin äußert sich zu Vorwürfen

Bettina Benner, eine Sprecherin der Vonovia erklärt auf Anfrage, dass über Aushänge seit Mai 2020 über den kostenlosen Service der FES in den Treppenhäusern informieren wird. "Bedauerlicherweise wird dies nicht so in Anspruch genommen, wie wir uns es wünschen würden. Und wir möchten nicht, dass das Quartier vermüllt. Deshalb werden wir hier tätig und lassen den Müll abfahren."

Ende 2020 besaß Vonovia 415.688 Wohnungen, etwa 11.500 Wohnungen davon im Stadtgebiet Frankfurt. Ende Oktober hat Vonovia die Deutsche Wohnen für gut 19 Milliarden Euro übernommen und ist zu einem Immobilienriesen mit mehr als 568.000 Wohnungen überwiegend in Deutschland geworden.

Abrechnungen sorgen bei Mietern in Frankfurt für Unverständnis: Keine Belege für Sperrmüll

Belege für den Sperrmüll gibt es nicht. Benner verweist zwar auf 287 Seiten Belege, die einem der Mieter zugestellt wurden. Davon beinhalten allerdings 60 Seiten Auflistungen ohne Abrechnungsbelege, 15 Seiten Rechnungen für Entwässerung, vier Seiten für Wasser und 187 Seiten Schornsteinfeger-Rechnungen. Die mehrfach ausdrücklich angeforderten Belege für Gartenpflege, Hauswart, Winterdienst und Sperrmüll sind nicht dabei. Die zweite Mahnung für die Zahlung ist aber längst beim Mieter eingegangen. Benner beruft sich auf ein BGH-Urteil vom 27. Oktober. "Was die Berechnung von Leistungen angeht, die wir oder Dritte gegenüber unseren Mietern erbringen, hat der BGH in einem höchstrichterlichen Urteil am 27. Oktober 2021 festgestellt, dass Vonovia bei der Erbringung und Abrechnung von Umlage fähigen Dienstleistungen seit Jahren korrekt vorgeht. Das betrifft sowohl den Einsatz von Dienstleistern als auch die Transparenz bei der Belegeinsicht", antwortet sie und verweist darauf, dass die Belege für den Mieter "den gesetzlichen beziehungsweise höchstrichterlichen Anforderungen entsprechen."

Im selben Urteil steht allerdings auch, dass die "Gewährung von Einsicht in die 'Aufstellung konkreter Leistungen mit dazugehörigen Einzelpreisen, die in den Rechnungen des Dienstleisters beziehungsweise des angestellten Hauswarts bezüglich der Position Hauswart abgerechnet wurden'" erbracht werden müssen.

Für Anwalt Stephan Otto von der Mieterschutzgemeinschaft ist es klar. "Jeder Mieter hat das Recht darauf, alle Kosten und Rechnungen einzusehen. Auch bei Vonovia. Es beschweren sich sehr über die nicht vorhandene Einsicht in Rechnungen für Hauswart, Gartenpflege und Sperrmüll. Der Vermieter hat ohnehin Sorge zu tragen, dass kein Sperrmüll rumliegt. In Frankfurt ist das leicht, da Sperrmüll von der FES abgeholt wird. Dass Belegeinsicht für den Mieter nachvollziehbar sein muss, belegen viele Landgerichtsurteile." (Sabine Schramek)

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