Nur noch im Stadionbad können Max und Leonie vom Höchster Schwimmverein ihre Sprünge üben.
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Nur noch im Stadionbad können Max und Leonie vom Höchster Schwimmverein ihre Sprünge üben.

Nur das Stadionbad hat einen 10-Meter-Turm

Frankfurter Wasserspringer stehen vor dem Aus

  • VonKatja Sturm
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Cheftrainerin hat wegen fehlender Trainingsmöglichkeit hingeworfen.

Frankfurt -Seit dieser Woche beeindrucken sie wieder die Gäste im Stadionbad: die Wasserspringer des Höchster Schwimmvereins (HSV) mit ihren Salti und Schrauben. Doch auch wenn es auf den ersten Blick nicht so erscheint - es hat sich einiges geändert bei den Luftakrobaten.

Cheftrainerin Susanne Beyer, deren Engagement über mehr als 20 Jahre neben einem Vollzeitjob in der IT-Branche der Auftrieb der Sportlerinnen und Sportler zu verdanken war, hat aufgegeben. Der Kampf um ein adäquates Trainingsquartier im Winter, den sie jahrelang führte, nachdem die Schließung des Rebstockbades zwecks Neubau festgestanden hatte, brachte nicht das gewünschte Ergebnis. Wenn es im Herbst dunkel und kalt wird, steht Anfängern wie ambitionierten Wettkämpfern bis mindestens 2025 nur die Anlage im Höchster Hallenbad zur Verfügung. Deren Unterbau für Absprunghöhen von einem und drei Metern ist nicht geeignet für die Leistungsbretter, die die Akrobaten für ihre Sprünge auflegen müssen.

Der HSV will laut Abteilungsleiter Alexander Kern auf eigene Kosten von einem Sachverständigen prüfen lassen, was nötig wäre, um die Anlage anzupassen. "Dann muss man klären, wer das zahlt", sagt er.

Alternativen gebe es nicht. Der Vorschlag Beyers, das Stadionbad im Winter mit einer Traglufthalle zu überbauen, ist nach Aussagen von Boris Zielinski, dem Geschäftsführer der Bäderbetriebe, aus verschiedenen Gründen nicht umsetzbar. Kern fragte in Wiesbaden und in Darmstadt an. "Aber die haben alle nicht auf uns gewartet."

Konnten die Höchster lange davon ausgehen, dass zumindest der Sommer problemlos über die Bühne gehen würde, stellte sich das in den vergangenen Wochen anders dar. Nachdem das Rebstockbad Ende April dichtgemacht wurde, standen die Wasserspringer erst einmal ganz ohne Trainingsmöglichkeiten da. Alle anderen Bäder waren pandemiebedingt geschlossen; das Riedbad in Bergen-Enkheim, in dem die Wettkampfschwimmer ihre Bahnen zogen, hätten sie zwar nutzen dürfen. Fürs Sprungtraining allerdings, bei dem die Athleten die meiste Zeit über draußen stehen, war es noch zu kalt.

Für derartige Wetterlagen hatten sie sich Räume im Stadionbad zum Trockentraining einrichten dürfen. Doch in dieses kamen sie nicht hinein. Dann wurde den Kindern und Jugendlichen, aus denen die Gruppen überwiegend bestehen, wegen der Kurzarbeit in den Bäderbetrieben eine Trainingszeit montags bis freitags zwischen 7 und 15 Uhr angeboten. Da sollten sie eigentlich im Schulunterricht sein.

Sportler mussten Titelkämpfe absagen

Beyer zog daraufhin einen endgültigen Schlussstrich, weil sie keine Zukunft mehr fürs Wasserspringen in Frankfurt sieht. Unter ihren bisherigen Schützlingen befinden sich einige, die auf nationaler Ebene Medaillen gewonnen haben. Vier hätten am vergangenen Wochenende bei den deutschen Meisterschaften in Berlin starten sollen. Doch nach Wochen ohne Training hätte sich das nicht gelohnt.

Die Talente müssen sich nun überlegen, ob sie ihren Wohnort wechseln oder ihre sportlichen Ziele aufgeben. In Frankfurt wird es in naher Zukunft kein leistungsgerechtes Training mehr geben, nachdem von hier aus immer wieder Sportler den Sprung in Bundeskader schafften und einer fast den ins Olympiateam.

Optimal waren die Bedingungen am Main nie. Das zwischenzeitlich geplante Goethebad, ein Wassersportleistungszentrum auf dem Gelände der Sport-Uni, sollte das ändern. Schwimmer und Springer hatten sich dafür ausgesprochen, dessen Bau dem des neuen Rebstockbades vorzuziehen, um keine Zwangspause entstehen zu lassen. Der scheidende Sportdezernent Markus Frank (CDU) erteilte diesem Wunsch mit dem Hinweis auf den maroden Zustand des Spaßbades und die knappen Kassen eine Absage. Jetzt müssen die Sportler fürchten, dass das Goethebad nie hochgezogen wird.

"Es war für uns ein Schock, dass Susi Beyer hingeschmissen hat", sagt Kern. Die übrigen Trainer versuchen, die Lücke, die die Fachfrau hinterließ, irgendwie zu füllen und zumindest ein Basistraining anzubieten. Seitdem das Stadionbad wieder offiziell geöffnet hat, dürfen auch die Wasserspringer wieder von Montag bis Freitag nachmittags üben. Doch angesichts der jüngsten Entwicklung könnte man die wirklich spektakulären Sprünge dort bald nicht mehr sehen. Katja Sturm

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