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Lisa und Maximilian: Der Nachwuchs der Imkerei Wagner zeigt die vielfältigen Produkte im Fachwerkhaus auf dem Paulsplatz.

Imker-Familie Wagner

Wie auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt jährlich ein Wohnhaus zum Honighaus wird

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Das dreistöckige Fachwerkhaus neben der Paulskirche wirkt, als sei es immer dort. Innen riecht es nach Honig. Tatsächlich stand es 249 Jahre lang als Wohnhaus im Odenwald. Die Imkerfamilie Wagner baut es seit 2009 Stück für Stück auf dem Weihnachtsmarkt auf.

Wer durch die kleinen Holzfenster des Fachwerkhauses blickt, wird verzaubert. Vom traditionellen Kinderkarussell an der Paulskirche schallt „Stille Nacht“ über den Platz, auf Fensterbänken stehen gelbe Kerzen als Weihnachtsbäume, Engel und Elche. Warmes Licht gibt den Blick frei auf Gläser, Flaschen, Kosmetik und Deko-Artikel. Das Besondere daran: Alles ist aus Honig. Seit 1987 hat Familie Wagner aus Jugenheim eine Imkerei. Sie fahren ihre 600 Bienenstöcke im Sommer quer durch Deutschland, um die besten Honigsorten zu ernten. Im Winter holen sie die Tiere wieder an die Bergstraße. Sie fahren immer nachts mit dem Lkw, um die Insekten nicht zu stören.

Für den Weihnachtsmarkt träumten sie von etwas Besonderem. „Unsere Eltern wollten etwas Historisches, etwas Altes“, sagt Maximilian Wagner (22). Auch er ist Imker. Seine Schwester Lisa (21) ist seit zwei Jahren dabei und macht gerade im elterlichen Betrieb ein Freiwilliges Jahr. „Unsere Eltern haben dieses Fachwerkhaus im Odenwald entdeckt, gekauft und das Unmögliche möglich gemacht. So kreativ ist nur der Papa“, sagt Maximilian lachend. Das hübsche Wohnhaus stand 249 Jahre lang im Odenwald.

Gedeckt mit 200 Dachziegeln

„Das Haus steht an einem Tag. Das macht eine Firma Stück für Stück für uns“, erzählt Maximilian. Das Dach deckt die Familie selbst. 200 Ziegel in sechs Stunden. „Der Aufbau ist teuer, aber es rechnet sich. Am längsten dauert der Innenausbau“, so Lisa. Die ganze Familie packt dabei an, Kisten aufzustellen, eine Bar im zweiten Stock aufzubauen, Waren, Dekorationen und Möbel zu drapieren. Im Erdgeschoss steht ein uralter Schrank mit integrierter Bank, am Fuß haben Holzwürmer genagt. Die Fächer und Sitzflächen sind voller Kosmetika, Crèmes und Duschgel aus Propolis, Gelee Royal und Honig. „Das mögen besonders Asiaten gern. Und wenn ich eine eingerissene Lippe habe, schmiere ich auch Propolis drauf. Das brennt wie die Hölle, hilft aber“, sagt Lisa. Viele Touristen stürzen sich vor allem auf deutschen Honig.

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Maximilian ist bei den Bienen mit dabei, seit er sechs Jahre alt ist. Sein Vater Peter hatte mit 16 die Liebe zu Bienen entdeckt, Sozialpädagogik studiert und sich dann nur noch den Bienen gewidmet. Auch Mutter Ina ist Imkerin. Der Familienbetrieb produziert vieles selbst und verkauft es in ihrem Hofladen. Sie ernten zwölf Sorten Honig selbst, bieten ihn pur, mit Blüten, Gewürzen oder Früchten an. Lange Kerzen gießen sie selbst, auch Wickelkerzen aus Waben produzieren sie selbst. Der einzige Markt, auf dem sie verkaufen, ist der Frankfurter Weihnachtsmarkt. Und auf der Zeil steht ein weiteres Honighaus der Imkerei, aber nur mit einer Etage. „Aber auch dort ist der Papa kreativ“, sagt Maximilian und lacht. „Da der Platz für Stände begrenzt ist, bauen wir es genau dort auf, wo die David- und Goliath-Statue steht.“ Das riesige Kunstwerk von Richard Heß ist 4,60 Meter hoch und ragt bis unters Dach. David und Goliath stehen mitten im Honig und beobachten die staunenden Kunden aus aller Welt.

Beliebt ist die Probierbar

„Honigprodukte werden gern auf dem Markt gekauft“, so Lisa. „Die Leute mögen die Sachen aus dem Supermarkt nicht so gerne.“ Die Auswahl ist bei Wagners auch enorm: 77 Sorten Alkohol und Met, darunter Bier, Wein und Schnaps. 15 Sorten deutscher Honig, 18 Sorten gemischter Honig und 16 Auslands-Honigsorten. Alles kann probiert werden. Mit Rosenblättern, Ingwer oder Johannisbeere. Im Obergeschoss des Honighauses an der Paulskirche ist eine Probierbar für Honig und Getränke. „Am besten verkauft sich der Eierlikör mit Akazienhonig und Rum“, sagt die Familie. Lisa nascht am liebsten Weißtannenhonig oder Akazienhonig mit Vanillestangen. Maximilian mag es kräftiger im Geschmack: „Der seltene Tannenhonig aus dem Schwarzwald ist mein Favorit. Die Sonne in diesem Sommer war dort für die Ernte richtig gut.“

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