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Rosa steht den drei gut gelaunten Damen vom Grill (von links): Jana, Alice und Dana. Ihr Chef Patrick Hausmann schätzt seine treuen Mitarbeiterinnen außerordentlich. Und hat nichts gegen Rosa.

Frankfurter Weihnachtsmarkt

Seit zusammen 66 Jahren im Bratwurststand von Patrick Hausmann

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Dana, Alice und Jana haben vieles gemeinsam. Auch, dass sie irgendwann mal für einen Tag auf dem Weihnachtsmarkt bei Hausmann aushelfen wollten. Es kam anders. Die drei stehen seit insgesamt 66 Jahren am Grill. Ihr Chef Patrick Hausmann ist mit ihnen groß geworden.

„Irgendwie bin ich ein Weihnachtsroboter“, sagt Dana (56) und lacht laut. „Um 7.30 Uhr aufstehen, Zähne putzen, waschen, frühstücken und ab zur Arbeit. Spieße machen. Tausende Nieren- und Fleischspieße. Und Soße. Die muss vor allem beim Nierenspieß richtig dick sein, dann sind die Leute zufrieden.“ Dana arbeitet seit 24 Jahren am dampfenden Grill von Hausmann und liebt ihre Arbeit. Vor allem, weil die Kunden und Gäste so unterschiedlich seien. „Manche kommen sogar mit einer Tupper-Dose an, um sich Soße mitzunehmen“, erzählt sie. Peinlich war ihr, dass sie einmal einen Mann mit Soße bekleckert hat. „Tomate und Paprika gehen nicht gut raus.“ Böse sei er nicht gewesen und sie habe sich entschuldigt.

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Wenn Chef Patrick Hausmann (30) Dana zuhört, lächelt er. Seit 30 Jahren ist die Familie Hausmann am Römer auf dem Weihnachtsmarkt. Er erinnert sich an seine Oma. „Mit 88 Jahren stand sie noch hier, hat sich nie beschwert und Fischbrötchen belegt. Und sie hat Dana und Alice geärgert. Manchmal hat sie sie zum Spaß mit einer Stricknadel gepiekst.“

Alice (52) ist ein Vierteljahrhundert mit dabei. Auch sie wollte nur einen Tag lang aushelfen. Seither steht sie am Grill, wechselt Fett aus, brutzelt Schnitzel und Würstchen, sorgt für Ketchup und Senf. „Ganz oft stehe ich in der Ecke und fülle ununterbrochen nach.“ Zeit für Kunden nimmt sie sich, darauf möchte sie nicht verzichten. Am witzigsten findet sie Chinesen. „Ich habe ein Blatt Papier mit Imbiss-Englisch bei mir, das hilft“, sagt sie und feixt. „That’s all, ist wichtig zum Verkaufen.“ Vor 20 Jahren sei Englisch noch nicht nötig gewesen. Manchmal zeigen Chinesen ihr auch Pommes und Ketchup auf dem Handy. „Chinesen essen am liebsten Brat- und Rindswurst. Japaner mögen keine Brötchen dazu, und die Wurst muss für sie dafür immer kleingeschnitten werden.“

Viel Humor am Grillstand

Gemeckert wird natürlich auch ab und zu. Alice sagt: „Das sind meist ältere Leute oder Berufskollegen, die abends zu uns kommen. Der Kommunikationstreffpunkt hat sich etabliert. Die älteren essen auf und sagen dann, dass es nicht geschmeckt hat. Die anderen plaudern eine Stunde und wundern sich, dass dann die Wurst kalt ist.“

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Hausmann kann sich auf seine Damen am Grill verlassen. Sie agieren mit ebenso viel Humor am Stand wie er. „Ich bin mit den beiden groß geworden, wir kennen uns in- und auswendig.“ Probleme gebe es keine, auch wenn er ihr Chef sei. Er ist ins Metier hineingewachsen und hat es von der Pike auf gelernt. „Manchmal gibt es Diskussionen. Die extra entwickelte Pflaumen-Nuss-Bratwurst wollten sie erst nicht. Das hat aber nicht lange gedauert“, so Hausmann und lächelt.

Gute Teamarbeit auf dem Weihnachtsmarkt

Die dritte Dame im Bunde ist Jana (42), die seit 17 Jahren mit dabei ist. Sie erzählt, dass sie wie eine Familie seien. „Wir können über alles reden, arbeiten im Team und lachen viel.“ Wie Dana und Alice kommt auch Jana aus Karlsbad in Tschechien. Sie kichert. „Dana hat mich gefragt, ob ich einmal aushelfen kann und seitdem bin ich dabei.“ Sie arbeitet am Beigrill und liebt ihre Stammgäste. Manche kommen jeden Tag. Sie freut sich über die „Dame, die jeden Tag mit ihrem Dippchen kommt und den Herren, der jeden Tag eine Bratwurst isst.“ Auch Tschechen kommen viele, Besucher aus Slowenien und Ungarn. „Manchmal bringen sie ein Geschenk für meine kleine Tochter mit, das ist toll“, sagt sie, streicht sich die blonden Haare zurecht und die pinkfarbene Schürze glatt. Jeden Tag tragen die Damen vom Grill eine andere knallige Schürzenfarbe. „Hauptsache bunt und jeder gleich“, sagt sie.

An Weihnachten erholen sie sich vom Gebrutzel. Die gemeinsame Weihnachtsfeier des Teams findet im Juni statt. Das sei ungewöhnlich, aber schön, findet Patrick Hausmann. „Mit Weihnachtsbaum, Riesenrad, Spanferkel und Päckchen.“ Auf dem Weihnachtsmarkt dabei sein wollen die drei Frauen noch lange. Jede sagt: „Ich bleibe so lange, wie die anderen beiden Mädels auch mitmachen.“

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