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Sport kennt kein Alter: 89-Jähriger aus Frankfurt geht einmal die Woche ins Fitnessstudio

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Von: Brigitte Degelmann

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Klaus Staudt (Jahrgang 1932) kommt einmal in der Woche ins Studio. Der Personaltrainer Akin Fontana achtet dann auf die richtige Ausführung der Übungen.
Klaus Staudt (Jahrgang 1932) kommt einmal in der Woche ins Studio. Der Personaltrainer Akin Fontana achtet dann auf die richtige Ausführung der Übungen. © Michael Faust

Klaus Staudt aus Frankfurt geht regelmäßig ins Fitnessstudio. Das Besondere daran: Er feiert im Herbst seinen 90. Geburtstag.

Frankfurt – Wenn Klaus Staudt in Gesprächen nebenbei erwähnt, dass er 1932 geboren wurde, treffen ihn oft erstaunte Blicke. Niemand, der den in Frankfurt-Niederrad lebenden Künstler sieht, würde vermuten, dass er im Herbst seinen 90. Geburtstag feiern kann. Seine Eltern hätten ihm eben gute Gene vererbt, erklärt er lapidar.

Ein Grund dafür, dass viele ihn für weitaus jünger halten, könnte aber auch darin liegen, dass er seit bald 20 Jahren regelmäßig in einem Fitnessstudio Sport treibt. Und zwar unter Anleitung eines Trainers. Das sei wichtig, sagt Staudt: „Denn wenn man allein trainiert, schleichen sich leicht Fehler ein.“

89-Jähriger aus Frankfurt geht einmal die Woche ins Fitnesstudio: Eine Stunde lang wird trainiert

Einmal pro Woche machen sich er und seine Frau, die Künstlerin Karin Radoy, auf den Weg ins Fitnessstudio Elements im Henninger Turm in Sachsenhausen. Gut eine Stunde widmen sie sich dort der Körperertüchtigung – etwa am Rudergerät und an anderen Trainingsstätten für Arme, Beine, Schultern, Bauch und Rücken.

Anschließend gönnt er sich eine Viertelstunde Rast im Ruheraum. Früher, sagt Klaus Staudt, habe er sich auf Radfahren und Wanderungen beschränkt. Doch dann verbrachte er 2003 einige Zeit in den USA, als „Artist in Residence“ der Josef und Anni Albers Foundation in Connecticut, wo er viel zeichnete, aber kaum Gelegenheit zu Wandertouren hatte. Ein Mangel, der sich bei seiner Rückkehr nach Frankfurt bemerkbar machte. „Ich muss was tun“, beschloss er.

Sebastian Groß, Sportwissenschaftler für Prävention und Rehabilitation, hat etliche Kunden wie Klaus Staudt. „Bei uns trainieren mittlerweile viele Senioren“, sagt der Elements-Fitnesstrainer. Auch solche, die jahrzehntelang keinen Sport gemacht haben. „Um mit dem Training zu beginnen, ist es eigentlich nie zu spät“, sagt Groß.

89-Jähriger aus Frankfurt geht regelmäßig ins Fitnessstudio: Liste der positiven Wirkungen ist lang

Einfach an die Geräte und loslegen – davon rät Groß allerdings dringend ab. Stattdessen solle man sich zunächst gründlich vom Hausarzt untersuchen lassen, beispielsweise Ruhepuls und Blutdruck. Wichtig sei auch der Zustand der Knochen und Gelenke. Denn, sagt der Fitnesstrainer, „im Alter haben doch viele mit Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen zu tun“. Gibt der Mediziner grünes Licht, kann es losgehen.

Die Liste der positiven Wirkungen, die man durch regelmäßiges Training gerade im fortgeschrittenen Alter erzielt, ist lang. Etwa eine bessere Haltung und ein besseres Gleichgewichtsgefühl, mehr Kondition und Kraft. Schon ab dem 30. Lebensjahr, gibt Groß zu bedenken, gehe es mit den körperlichen Kraftreserven bergab, "wenn man nicht gegensteuert".

Selbst Osteoporose lasse sich durch regelmäßiges Training bremsen oder sogar stoppen. Letztlich bedeute das mehr Selbstständigkeit, Freiheit und Lebensqualität, resümiert der Trainer: "Wenn man da am Ball bleibt, kann man viel erreichen."

89-Jähriger aus Frankfurt geht einmal die Woche ins Fitnessstudio: Kleine Einheiten, dafür häufiger

Das beste Beispiel dafür ist seine älteste Kundin, eine 92-jährige Frau aus der Nachbarschaft. Immer noch hat Sebastian Groß vor Augen, wie mühsam sie vor fünf Jahren in das Fitnessstudio schlurfte. Ein Bandscheibenvorfall, den sie vor Jahrzehnten erlitten hatte und der nicht richtig behandelt worden war, machte ihr damals zu schaffen.

„Jetzt ist sie fünf Jahre älter, aber sie kann viel besser laufen“, erzählt er. Dank der regelmäßigen Übungen unter seiner Anleitung: „Sie kommt dreimal pro Woche, montags, mittwochs, freitags, da kann man die Uhr danach stellen. Und sie trainiert immer 30 Minuten.“ Kleinere Einheiten, dafür häufiger – das sei optimal, sagt der Sportwissenschaftler. „Und vielleicht auch zu Hause einige kleine Übungen einbauen.“

Zu Hause trainiert haben Klaus Staudt und Karin Radoy während des Corona-Lockdowns, als die Fitnessstudios monatelang geschlossen waren. Regelmäßige Bewegung sei ihnen wichtig, sagt der Künstler, der außerdem jeden Morgen Bodenübungen macht: „Man bleibt wach und neugierig.“

89-Jähriger aus Frankfurt treibt regelmäßig Sport: Café-Besuch nach dem Training als Motivation

„Ich bin viel allein im Atelier, da konzentriert man sich über Stunden und vergisst das Motorische.“ Trotzdem ist er froh, dass die Sportcenter wieder offen sind, weil ihm die Kontakte und die Motivation durch den Trainer gefehlt hätten. Vielen anderen erging es offenbar ähnlich.

„Die Ersten, die nach dem Lockdown wieder auf der Matte standen, waren die Senioren“, erinnert sich Sebastian Groß. Und wenn die Motivation doch mal schlapp macht? Klaus Staudt winkt ab. Seine Frau achte schon darauf, dass das nicht passiere, verrät er schmunzelnd.

Außerdem ist da ja auch noch der Gedanke an den Café-Besuch, den sich das Paar regelmäßig nach dem Training gönnt, um sich dort mit einem belegten Brötchen und einem schönen Latte Macchiato zu stärken. Denn: „Wir kasteien uns nicht.“ (Brigitte Degelmann)

Auch Georg Meixner aus Hofheim ist nicht nur ein ganz besonderes Vorbild für viele Sportler, er ist auch die gute Seele des Fitnessstudios. Sein Motto: Mit Fitnesstraining kann man in jedem Alter anfangen.

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