Die Brüder Igor und Bruno Sisko haben ihre 2008 eröffnete "Westbar FH" zwar nicht zu-, aber die Abo-Bezahlsender Sky und DAZN seit dem 1. September ausgesperrt. Sie hoffen, dass sich die Eintracht-Fans mit ihnen solidarisch zeigen und das Lokal trotzdem am Leben erhalten.
+
Die Brüder Igor und Bruno Sisko haben ihre 2008 eröffnete „Westbar FH“ zwar nicht zu-, aber die Abo-Bezahlsender Sky und DAZN seit dem 1. September ausgesperrt. Sie hoffen, dass sich die Eintracht-Fans mit ihnen solidarisch zeigen und das Lokal trotzdem am Leben erhalten.

Fußball-Kneipen

Frankfurter Wirte bangen um ihre Existenz - Irrwitzige Abo-Kosten für Pay-TV

  • Holger Vonhof
    VonHolger Vonhof
    schließen

Weil sie die Gebühren nicht mehr stemmen können, kündigen erste Kneipen-Inhaber in Frankfurt ihre Pay-TV-Verträge.

Frankfurt ‒ In den ersten Fußballkneipen und Sportsbars in Frankfurt gehen die Lichter aus. Nicht Corona ist schuld, es ist die stetig steigende Vermarktung, die manchen Fan in die Röhre gucken lässt. Immer öfter bleiben die Bildschirme dunkel. Auch Fußballkneipen und Sportsbars mussten ihre Sitzplätze reduzieren, strikte Hygienemaßnahmen einhalten und monatelange Lockdowns bewältigen. Zu den Einnahmeverlusten kommen massiv steigende Kosten für die Bezahlsender-Lizenzgebühren, denn Fußball läuft nur äußerst selten noch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

„Im Endeffekt geht‘s nur noch ums Geld, und da ist der Bogen doch schon lange überspannt. Dazu muss man sich nur die Transfersummen, Fernsehrechte, Spielergehälter oder von mir aus die Trikotpreise angucken. Und das sollen dann die Fans und Sportsbars stemmen? Die sozio-kulturelle Bedeutung, die Fußball in unserer Gesellschaft nun mal hat, wird immer weiter unter den Teppich gekehrt“, sagen etwa Bruno und Igor Sisko.

Ihre „Westbar FH“ an der Königsteiner Straße in Höchst, ein Kultlokal, war noch 2019 auf der Facebookseite des Sport-Bezahlsenders Sky zu einer der 20 besten deutschen Sportsbars gekürt worden. Das war einmal: „Seit dem 1. 9. gibt‘s bei uns deshalb weder Sky noch DAZN. Wir werden bei den Spielen, die wir in der Westbar noch im Free-TV zeigen oder streamen dürfen, sehen, wie groß die Solidarität der Eintracht-Fans und unserer Gäste mit uns ist.“

Fußball-Kneipen in Frankfurt bangen um Existenz: Pay-TV Anbieter bleiben hart

Kollegen geht es nicht anders: Die Kosten für ein Sky-Abo seien „zum Teil irrwitzig hoch“, je nach Größe und Lage der Kneipe, sagt Silke Bernhardt, die Besitzerin des „New Backstage“ in der Rothschildallee. „Und ein Sky-Abo reicht allein nicht mehr aus“, erklärte die Kneipenbesitzerin: Bundesliga, Euroleague und mehr werden unter den TV-Anbietern verteilt, man müsse sich entsprechend also auch Abonnements von DAZN oder Amazon Prime dazu holen, um den Gästen alle Spiele zeigen zu können. „In Summe kommen da schnell fünfstellige Jahresbeiträge zusammen“, klagt Silke Bernhardt. Dies sei unter den derzeitigen Pandemie-Bedingungen für die Wirte kaum zu stemmen. Deswegen hat auch sie jetzt gekündigt.

Die Anbieter bleiben hart: Nicht nur Silke Bernhardt hat bei Sky angefragt, auch Galep Güney, der Besitzer von „Sam‘s Sportsbar“ in der Schäfergasse und am Hauptbahnhof Frankfurt - ohne Erfolg. „Die sind knallhart und kommen einem überhaupt nicht entgegen.“ Und auch die Überbrückungshilfen des Staates seien nicht ausreichend. „Es kommen so viele Kosten zusammen, alle halten die Hand auf“, sagt Güney. Sky teilt mit: „Wie unsere Kunden steht auch Sky aufgrund von Corona vor Herausforderungen und muss aufgrund hoher Rechtekosten weiterhin Einnahmen erzielen, um dem Kunden weiterhin sein hochwertiges Programm anbieten zu können.“ Zudem sei der Sender den Gastronomen im Lockdown entgegengekommen und habe die Gebühr um 30 Prozent reduziert.

Monika Berkenkopf, die Besitzerin der „Kutscherklause“ im Ostend, klagt: „Wir sind oft wenige Prozentpunkte über den Richtwerten der Überbrückungshilfen, und die staatlichen Unterstützungen, die wir erhalten, reichen hinten und vorne nicht.“ Dennoch kommt eine Kündigung für sie - anders als für die Siskos oder Silke Bernhardt - nicht infrage: „Die Leute würden arg stinkig werden, da hätte ich ein Problem, allein aus Tradition.“ Der gleichen Meinung ist auch Janis Leon, der Besitzer der Pilsstube „Zur Traube“ und einiger weiterer Gaststätten: „Wenn man die Abos kündigt, kann man auch gleich die Läden schließen. Jetzt muss man sehen, wie es weiter geht. Ich hoffe das Beste.“

Wirte in Frankfurt besorgt: „Dann gibt es keine Fußballkneipen mehr“

Silke Bernhardt glaubt indes, dass die Zeiten der Fan-Lokale vorbei sind: „Das Verhalten der Leute hat sich verändert, viele haben Sky jetzt Zuhause und werden vielleicht nicht mehr in Fußballkneipen und Sportsbars gehen. Dann wird es Fußballkneipen in Zukunft nicht mehr geben.“ Eine Eintracht Frankfurt-Kneipe ohne Fußballübertragung verlöre „nicht nur ihr Herz, sondern tatsächlich auch ihre Existenz“, glaubt die Wirtin, „dennoch lohnen sich ohne zukünftige Perspektive die Abos nicht. Das ist mir zu unsicher.“ Sollte sich die Lage wieder verbessern, könne man an die Zeiten vor Corona anknüpfen.

Andere wollen durchhalten. Güneys Sportsbar ist trotz eingeschränkter Kapazitäten nicht voll ausgelastet: „Im Moment haben viele Angst und wenige kommen, obwohl sie die Möglichkeit dazu hätten.“ Man könne die Einbußen der schwierigen vergangenen Monate noch aufarbeiten, „doch ob es für die Fußballkneipen und Sportsbars in Zukunft wieder aufwärts geht, liegt an den Menschen.“ (Holger Vonhof)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare