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Im Stich gelassen: 2G-Plus stürzt Gastronomie in Frankfurt in die Krise

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Von: Michelle Spillner

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Jede Menge Hinweise zum Verhalten wegen Corona anstelle der Tageskarte gibt es auf der Tafel des Seppches in Schwanheim zu lesen, die Mitarbeiterin Andrea Göksin zeigt. Auch in Frankfurt gilt in Gastro-Betrieben 2G-Plus.
Jede Menge Hinweise zum Verhalten wegen Corona anstelle der Tageskarte gibt es auf der Tafel des Seppches in Schwanheim zu lesen, die Mitarbeiterin Andrea Göksin zeigt. Auch in Frankfurt gilt in Gastro-Betrieben 2G-Plus. © Michelle Spillner

Durch die neuen Corona-Maßnahmen gilt in Gastro-Einrichtungen die 2G-Plus-Regel. Wirte in Frankfurt kritisieren das scharf – und fordern sogar Lockdowns.

Frankfurt – Seit dieser Woche gilt für die Gastronomie die 2G-Plus-Regel, und die Restaurants haben sich geleert. Die Einbußen seien massiv. 87 Prozent beklagt Thomas Metzmacher, der "Zum Lahmen Esel" in Niederursel und "Die Eselei" im Nordwestzentrum betreibt. Die Gästezahl habe sich mindestens halbiert, sagt Winfried Gerber vom Frankfurter Hof Seppche in Schwanheim.

70 Prozent Umsatzeinbußen verzeichnet Pino Fichera (Restaurant Pino). Es schnüre ihm den Hals zu, sagt er. Er fühle sich mehr denn je von der Politik im Stich gelassen: "Im Moment wäre mir ein Lockdown lieber. Da haben wir wenigstens noch ein bisschen Geld bekommen, wenn auch nicht zu hundert Prozent und sehr spät."

2G-Plus in Frankfurt: Corona-Regel stürzt Gastronomie in die Krise

Im Gegensatz zu den November- und Dezemberhilfen, die während des Corona-Lockdowns im Winter 2020 gewährt wurden, deckt die jetzige Überbrückungshilfe bei Weitem nicht die Ausfälle ab, auch der Unternehmerlohn bleibt auf der Strecke. "Aber auch die Unternehmer müssen etwas essen", sagt Kerstin Junghans, Geschäftsführerin vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga in Frankfurt.

Die Resignation in der Gastro-Branche sei deutlich zu spüren, so Junghans. Viele haben den Gastraum vorübergehend geschlossen, wie das Gasthaus "Zum Schwan" in Höchst - bis zum 28. Februar wird der normale Betrieb ausgesetzt. "Gerne nehmen wir Reservierungen ab zehn Personen an. Unser Liefer- und Abholservice bleibt auch weiterhin bestehen", teilt das Lokal mit.

"Aus unserer Sicht ist es unverhältnismäßig, dass Geimpfte und Genesene sich auch noch testen lassen müssen", sagt Kerstin Junghans. "Die Branche wird instrumentalisiert, um das Impfen durchzusetzen und das Boostern voranzutreiben", ärgert sich Kerstin Junghans. "Wir sind nicht gegen das Impfen, das ist wichtig", aber man würde sich seitens der Politik andere Wege wünschen, die nicht auf dem Rücken der Branche ausgetragen würden, betont die Verbandssprecherin.

Gastronomie in Frankfurt: Kritik an 2G-Plus als Corona-Maßnahme

Thomas Metzmacher bezweifelt indes, dass die 2G-Plus-Regel dazu beitragen werde, die Impfquoten zu erhöhen: "Damit bekommen sie doch keinen Impfgegner dazu, sich impfen zu lassen. Wer sich nicht impfen lassen will, der wird seine Meinung nicht ändern, nur damit er ins Restaurant gehen kann. Wenn man nur noch mit 2G-Plus Bahn fahren und arbeiten gehen könnte - das würde den Druck erhöhen."

Neben der 2G-Plus-Regelung seien die Gäste sehr verunsichert, so Metzmacher. Da werde gesagt, dass Omikron äußerst ansteckend sei und man 2G-Plus umsetzen müsse, weil die Gäste ja ohne Maske in Innenräumen säßen. "Diese Aussage hat alles kaputt gemacht", glaubt Metzmacher. "Meine Kritik ist: Wenn die Omikron-Variante so ansteckend ist, und wenn es so gefährlich ist, in Innenräumen ohne Maske zu sitzen, warum haben wir dann keinen Lockdown?"

Metzmacher muss nun die Mitarbeiter dazu bewegen, ihren Urlaub zu nehmen. Wenn die Situation anhält und der Urlaub aufgebraucht ist, dann bleibe nur noch Kurzarbeit.

Corona in Frankfurt: 2G-Plus sorgt für Verunsicherung bei Gastro-Gästen

Winfried Gerber hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Er plant jetzt, direkt bei sich im Seppche in einem Nebenraum eine Teststation einzurichten und hat dazu Anbieter angefragt. "Manche Leute kommen ohne Test zu uns. Wir bitten sie, zur Teststation am Supermarkt zu gehen, um sich testen zu lassen. Das ist nicht weit, aber es ist den Gästen zu weit und zu aufwendig. Dann gehen manche und kommen nicht wieder."

Gestern Nachmittag ist es im Seppche lange nicht so voll, wie vor Corona, die allermeisten Tische sind leer. Alexander Baschin (72) gehört zu denen, die noch zum Mittagessen kommen, "weil ich geboostert bin". Seine Frau warte noch auf einen Booster-Termin, deshalb bleibe sie lieber zu Hause. Und in einem Punkt sind sich viele Gastronomen einig - so auch Metzmacher und Gerber: Wie könne es sein, dass für Mitarbeiter in der Gastronomie nur die 3G-Regel gelte? Sie benötigen nur einen Test, müssen nicht geimpft oder genesen sein.

Das sei unsinnig. Es könne doch nicht sein, dass der Gast die hohen Auflagen erfüllen müsse, und dann von jemandem bedient werde, der gerade mal einen Test gemacht habe - das verunsichere Gäste. Bei ihnen - Metzmacher und Gerber - arbeite niemand, der nicht geimpft oder gar geboostert sei. Aber das wüssten die Gäste natürlich nicht. Manche fragten danach, so Gerber, und würden sich von einer ungeimpften Servicekraft auch nicht bedienen lassen. (Michelle Spillner)

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