Beachvolleyball

Frankfurter Duo zählt bei der Deutschen Meisterschaft zu den Favoriten

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Paul Becker und Jonas Schröder sind eigentlich etwas klein, um große Erfolge im Beachvolleyball feiern zu können. Das stört das Duo der United Volleys Frankfurt nicht im Geringsten.

Anfangs wurden sie belächelt. Kaum einer traute ihnen etwas zu. „Wir sind fast ausgelacht worden. Ich habe damals einen Artikel gelesen, wir seien so doof, ohne Blocker zu spielen“, erinnert sich Paul Becker. Knapp zwei Jahre ist das her, als er sich mit Jonas Schröder zum Team zusammentat. In der Tat waren die Aussichten durchwachsen. Für gewöhnlich besteht ein Beachvolleyball-Duo aus einem deutlich über zwei Meter großen Spieler, der am Netz für das Blocken zuständig ist, sowie einem etwas kleineren Spieler für die Abwehr. Becker und Schröder sind jedoch beide „nur“ 1,86 und 1,88 Meter groß. Bei Turnieren werden sie nur das „Team Knirps“ genannt. „Man nennt uns fast nirgends mit unseren Namen“, so Becker.

Er kann darüber längst schmunzeln. Denn die „Knirpse“ haben sich längst Respekt verschafft. Auf nationaler Ebene sind sie eine feste Größe. Von acht Turnieren auf der diesjährigen „Beach Tour“, der drittgrößten Serie weltweit, haben sie vier gewonnen. Im Sommer gelangen ihnen drei Turniersiege in Folge. In der deutschen Rangliste stehen sie auf Platz zwei hinter dem Hamburger Duo Philipp-Arne Bergmann / Yannick Harms. „Dass es so gut läuft, hat uns schon positiv überrascht“, gesteht der 28-jährige Becker. Zwar hätten sie gleich zu Beginn Anfang von 2017 „ein gutes Gefühl gehabt. Aber uns fehlen im Schnitt 20 bis 30 Zentimeter Körperlänge.“ Dieses Manko macht das Duo von Hallen-Bundesligist United Volleys Frankfurt durch taktische Raffinessen wett. „Wir spielen unser Spiel anders, ein bisschen wie Frauen-Volleyball, wird uns immer gesagt. Mit weniger Physis, sondern mehr Taktik. Wir müssen schlaue Entscheidungen treffen, mit den Gegebenheiten spielen, mit Wind und Sonne.“ Zugute kommt den technisch versierten Abwehrspielern, eine „ähnliche „Sicht auf die Dinge“ zu haben. Zudem wird der Vorstoß in die absolute Spitze dadurch begünstigt, dass Deutschland derzeit kein Weltklasse-Team besitzt. Ein Duo wie Jonas Reckermann / Julius Brink, Olympiasieger 2012, gibt es derzeit nicht. „Uns fehlt gerade einfach das Weltklasse-Team. Dadurch können wir in Deutschland per se gegen alle gewinnen“, betont Becker. Somit ist für Becker/Schröder auch bei den Deutschen Meisterschaften (DM) von diesem Donnerstag bis Sonntag am Timmendorfer Strand der erstmalige Titelgewinn möglich. Die Ranglisten-Zweiten sind an Nummer zwei gesetzt und könnten also erst im Finale auf Bergmann/Harms treffen. „Das ist ein bisschen unser Angstgegner“, gesteht Becker. „Wir haben eigentlich gegen alle deutschen Teams eine positive Statistik, aber gegen sie 1:5-Siege.“ Bergmann/Harms gehören neben ihren Hamburger Kollegen Julius Thole / Clemens Wickler zu den Favoriten. „Dahinter lauern wir.“ Becker/Schröder wollen es besser machen als im vergangenen Jahr, als sie ebenfalls als Ranglisten-Zweiter bei den DM angetreten waren und „nur“ Siebter wurden.

Allerdings sind die Vorzeichen nicht sonderlich gut. Der zweimalige Studenten-Weltmeister Jonas Schröder, der mit einem anderen Partner schon Gold auf World-Tour gewann, knickte am 11. August bei einem Turnier in Zinnowitz (Vorpommern) unglücklich mit dem Fuß um. Der 27-Jährige zog sich zwar keine strukturellen Schäden zu, konnte seinen geschwollenen Fuß aber lange Zeit nicht belasten. „Geplant ist, dass wir am Donnerstag wieder trainieren. Das wird ein bisschen ein Kaltstart für uns“, meint Becker. Das erste Spiel steht am Freitag an.

Inwieweit Schröder das DM-Turnier durchhält, wird sich zeigen. „Wir haben zuvor den besten Volleyball gezeigt, den wir je gespielt haben, und hatten uns für die DM eigentlich etwas vorgenommen“, meint Becker, der viele Jahre für die TG Rüsselsheim in der Halle spielte und mit dem Club auch in die Bundesliga aufstieg. Längst aber hat er sich komplett auf Beachvolleyball spezialisiert. Er und Jonas Schröder sind Profis, haben inzwischen einige treue Sponsoren gefunden. Trotz der „geringen“ Körpergröße. „Spielfähige kleine Spieler haben im Sand deutlich mehr Perspektive als in der Halle. Das hat sich bei mir bestätigt. In der Halle wäre ich sicher nicht mehr als ein schlechter Erstliga-Volleyballer geworden“, so Becker. „Im Sand reicht es ja jetzt doch zur deutschen Spitze.“ Wer hätte das anfangs gedacht?

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