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Gold wirkt auf viele Anleger anziehend. Wer sein Geld in das Edelmetall investiert, muss aber ein paar Risiken im Blick behalten.

Krematorium

Frankfurter Zahngold bessert Offenbacher Kasse auf

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Viele Tote aus Frankfurt werden in Offenbach eingeäschert. Dabei bleibt wertvolles Edelmetall aus Zahnersatz und künstlichen Gelenken übrig. Eine zusätzliche Einnahmequelle des städtischen Krematoriums. Doch darüber redet man dort lieber nicht.

Ende 2013 machte die Stadt Frankfurt ihr Krematorium auf dem Hauptfriedhof dicht. Die alte Anlage sei unwirtschaftlich, ein Neubau lohne sich nicht, hieß es damals. Auf der anderen Mainseite freute man sich über die Stilllegung. Denn das städtische Krematorium Offenbach bekam zusätzliche Kundschaft: Ein Großteil der Toten aus Frankfurt wird seitdem in der Nachbarstadt eingeäschert. Das bringt Geld in die klamme Gemeindekasse.

Wie viel genau, will dort allerdings niemand sagen. „Zahlen zu Einäscherungen werden von uns nicht veröffentlicht“, antworteten die Offenbacher Stadtwerke auf eine erste Anfrage unserer Zeitung. Man wolle der Konkurrenz keine Geschäftsgeheimnisse verraten, hieß es zur Begründung.

Dass sich das kommunale Unternehmen in dieser Angelegenheit so bedeckt hält, könnte allerdings noch einen anderen Grund haben. Denn wir haben nicht nach den Einnahmen aus regulären Krematoriumsgebühren gefragt, sondern nach einem besonders pikanten Detail: Was geschieht mit den Resten aus Zahngold und anderen Edelmetallen im Körper der Toten?

Gold, Silber, Platin

– bei Einäscherungen fallen häufig Rückstände dieser wertvollen Metalle an. Denn nicht jedes Implantat, ob künstliches Gelenk oder Zahnersatz, lässt sich vorher vollständig entfernen. Der Umgang damit ist ein Tabuthema in der Branche.

Krematoriumsmitarbeiter in anderen Städten wurden bereits verurteilt, weil sie sich am Gold aus der Asche bereichert hatten. Der Bundesgerichtshof entschied 2015, dass die Entnahme solcher Rückstände eine „Störung der Totenruhe“ und damit strafbar sei.

Der Deutsche Städtetag empfahl daraufhin den kommunalen Krematorien klare Regelungen für den Umgang mit den Metallresten zu treffen. Offenbach folgte diesem Rat. In der seit November 2015 geltenden Betriebsordnung für das stadteigene Krematorium heißt es: „Erlöse aus etwaigen Edelmetallen bzw. metallischen Rückständen, die nach der Einäscherung anfallen, dienen gemeinnützigen Zwecken (...) oder der Stabilisierung des Gebührenhaushalts der Städtischen Friedhöfe.“

Diese Regelung lässt aufhorchen: Bereichert sich Offenbach stillschweigend am Zahngold der Frankfurter Toten?

Wir wollten herausfinden, um welche Summen es dabei geht und wo das Geld landet. Bei den zuständigen Stadtwerken hakten wir deshalb mehrmals nach – per E-Mail und am Telefon. Die Frage lautet: „Wie hoch waren diese Erlöse in den einzelnen Jahren seit 2010 und wozu wurden sie jeweils verwendet?“

Doch die Antwort aus Offenbach blieb stets dieselbe: „Tut uns leid. Aber dazu geben wir keine Auskunft.“

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