1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurter Zoo bekommt erstmals eine Direktorin

Erstellt:

Von: Thomas Stillbauer

Kommentare

Zoodirektorin Christina Geiger im Kreise einiger Mitarbeiter.
Zoodirektorin Christina Geiger im Kreise einiger Mitarbeiter. © Monika Müller

Tierpark-Tierärztin Christina Geiger wechselt auf die Spitzenposition im Frankfurter Zoo – als erste Frau in mehr als 160 Jahren Geschichte.

Frankfurt – Von der Arbeit im Zoo hat Christina Geiger schon ganz zu Beginn ihres Tiermedizinstudiums in München geträumt. Als sie dann als Zootierärztin in Frankfurt anfing, 2007 war das, erschien es ihr „wie ein Sechser im Lotto“. Ein Traumberuf, sagte die 42-Jährige noch vor kurzem in einer der Zoo-Dokus im Fernsehen: „Ich möchte eigentlich keinen anderen Job machen.“

Nun macht sie doch einen anderen: Christina Geiger tritt zum 15. Februar den Job als Direktorin im Zoo Frankfurt an – als erste Frau in mehr als 160 Jahren Geschichte dieses Tierparks.

Am Freitagvormittag stimmte der Magistrat der Nominierung zu, und schon kurz darauf saß Geiger im Zoogesellschaftshaus der Presse gegenüber. „Ich bin glücklich“, sagte sie, „ich komme aus diesem Zoo, und es ist einfach an der Zeit.“ Die neue Direktorin ließ keinen Zweifel daran, dass sie an den Plänen festhalten will, die ihr Vorgänger Miguel Casares für die nächsten Jahre geschmiedet hat – und an denen sie maßgeblich mitwirkte. Die „Zookunft2030+“ ist in groben Zügen skizziert. „Ich bin bereit, mit der Konzeptstudie in die Vollen zu gehen.“

Gute Bekannte der neuen Zoodirektorin: Saiga-Antilope in Kasachstan.
Gute Bekannte der neuen Zoodirektorin: Saiga-Antilope in Kasachstan. © Abduaziz MADYAROV/AFP

Frankfurt: Neue Zoo-Direktorin hat ein breites Wissen zu Tieren

Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sparte bei der Vorstellung am Freitag nicht mit Lob. Christina Geiger stehe für Kontinuität in der Zooentwicklung, sie kenne alle Tiere beim Namen, sie habe auch in der Kommunikation eine große Begabung und sei enorm erfahren auch mit Tierprojekten außerhalb des Zoos. „Man kann ihr stundenlang zuhören, wenn sie erzählt.“

Von der Saiga-Antilope etwa. „Das sind Tiere mit außergewöhnlichem Aussehen, die eine sehr witzige Art haben, sich fortzubewegen.“ Mit der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt war Geiger 2009 in Kasachstan, um den Saigas Satellitenhalsbänder anzulegen, die ihre Bewegungsmuster aufzeichnen sollten. „Das ist was ganz anderes, als mit einem Haustier zu arbeiten“, sagt sie mit einem Lächeln. Schon in der Nähe eines Menschen zu sein, bedeute Stress für diese Tiere. Im Lauf der Zeit entwickelte sie dann gemeinsam mit den Rangern eine Methode, die Antilopen behutsam einzufangen und zu besendern. „Das war sehr erfolgreich.“

Neue Direktorin im Zoo Frankfurt will Kontakt zu Tieren nicht verlieren

Genau wie ihre Bewerbung um den Spitzenposten im Zoo. Bisher kümmerte sich Geiger gemeinsam mit einer Kollegin um die ärztliche Betreuung der Tiere. Muss Nicole Schauerte das jetzt allein machen? „Ich habe versprochen, sie weiter zu unterstützen“, sagt die Direktorin. „Mein Kontakt zu den Tieren wird wahrscheinlich weniger werden, ganz verlieren möchte ich ihn nicht.“

Die persönliche Begegnung ist von unschätzbarem Wert – auch mit dem Trampeltier im Zoo.
Die persönliche Begegnung ist von unschätzbarem Wert – auch mit dem Trampeltier im Zoo. © Monika Müller

Nach ihrem Veterinärmedizinstudium, das sie in München mit der Promotion abschloss, arbeitete Christina Geiger im Tierpark Hellabrunn der bayerischen Landeshauptstadt und im Karlsruher Zoo. In Frankfurt brachte sie ihr Wissen etwa in den Neubau der Quarantänestation ein, engagierte sich in der Ausbildung von Studierenden und publizierte wissenschaftliche Schriften. Nebenher wilderte sie Zoo-Nashörner aus, siedelte Przewalskipferde an und asiatische Esel um, erforschte die Bedürfnisse der Orang-Utans in der Auffangstation auf Sumatra und arbeite zwei Monate mit Tieren im südafrikanischen Krüger-Nationalpark.

Frankfurt: Neue Zoo-Direktorin für Tiere eine hervorragende Wahl

Ganz klar: Die Frau lebt und atmet Natur- und Artenschutz, Standbeine moderner Zoos. In Frankfurt habe die Anpassung des Tierbestands auf die „Zookunft“ schon begonnen, sagt Christina Geiger. Das Zoopublikum darf gespannt sein, wie sich das bald konkret ausgestaltet.

Bis dahin empfiehlt es sich, noch ein paar Zoo-Dokus zu schauen. Da kommt es vor, dass die Tierärztin einem betäubten Bonobo, der in einen anderen Zoo verreist, in seiner Kiste einen Halm Stroh auf den Bauch legt, um sich besser vergewissern zu können, dass er weiteratmet. Eine so anrührende Szene, dass eins schon mal klar ist: Für die Tiere ist „die Neue“ eine hervorragende Wahl. Auch weil sie eigentlich gar nicht neu ist. (Thomas Stillbauer)

Vor kurzem gab es süßen Nachwuchs im Zoo Frankfurt: Die Ameisenbären haben im Dezember Junge zur Welt gebracht.

Auch interessant

Kommentare