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Die AfD-Kandidaten Patrick Schenk (links) und Andreas Lobenstein (rechts) mit dem Parteikollegen Thomas Budenz.

Landtagswahl

Frankfurter AfD ist zufrieden mit Unzufriedenen

Rainer Rahn, der AfD-Spitzenkandidat und Frankfurter Stadtverordnete, fehlte gestern Abend im Römer. Er feierte den Wahlerfolg seiner Partei gleich dort, wo er künftig häufiger sein wird: im Wiesbadener Landtag.

Mit rund 13 Prozent der Stimmen zieht die AfD in das hessische Parlament ein. Damit ist sie in allen 16 Bundesländern als Oppositionsfraktion vertreten.

Rahns Parteifreunde in Frankfurt freuten sich über dieses Ergebnis. „Wir haben unser Resultat von 2013 mehr als verdreifacht, wir sind hochzufrieden“, sagte Markus Fuchs. Der Stadtverordnete und frühere AfD-Kreissprecher kandidierte im Wahlkreis 34 (Frankfurter Westen) und holte dort mehr als 13 Prozent der Erststimmen (Stand: 22.47 Uhr). Insgesamt lag die AfD in Frankfurt bei neun Prozent der Zweitstimmen, also unter dem landesweiten Ergebnis.

„Die Leute sind unzufrieden mit der Politik, deshalb wählen sie uns“, sagte Fuchs. „Das muss nicht nur mit dem Thema Migration zusammenhängen, auch die Diesel-Fahrverbote sind ein großer Aufreger.“ Dem pflichtete Andreas Lobenstein bei: „Sie sehen, wie das Diesel-Thema von der großen Koalition verhunzt wurde“, so der amtierende Kreissprecher der Frankfurter Alternativen.

Doch wenn die AfD wirklich das Auffangbecken für alle ist, die mit der großen Koalition unzufrieden sind: Warum war deren Ergebnis dann nicht noch höher? „Das hat mit unserem Image zu tun“, sagte Markus Fuchs. „Ich habe von vielen gehört: ,Also dich würde ich gerne wählen, aber du bist in der falschen Partei.“ Es werde immer gleich die Höcke-Keule geschwungen, beklagte Fuchs.

Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke gilt wegen seiner provokanten Reden, mit denen er offenbar auch Rechtsradikale ansprechen will, im bürgerlichen Teil der AfD als Belastung. „Er ist in unserer Partei selbst umstritten“, sagte Fuchs.

Auch Andreas Lobenstein berichtete, dass er als Person im Wahlkampf häufig auf Zustimmung gestoßen sei, aber auf Vorbehalte gegen die AfD. „Sie sind sympathisch, aber warum sind Sie in der Höcke-Partei?“, hätten ihn Schüler nach einer Podiumsdiskussion gefragt.

Für den Abstieg der SPD haben die AfD-Politiker nur Häme übrig. „Vielleicht sind 155 Jahre einfach genug“, spottete Fuchs am Wahlabend. Er war früher selbst Sozialdemokrat. „Aber die SPD, in die ich damals eingetreten war, gibt es heute nicht mehr.“ Heute werde die einst patriotische Arbeiterpartei von weltfremden Funktionären geprägt. dg

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