Das Auto hat sie abgeschafft, nun hat Anwohnerin Nina Niehoff in Bornheim ein Problem: Mit dem Ausbau der Parkscheinzonen schafft die Stadt aktuell nach und nach in vielen Stadtteilen das Angebot des nicht stationsbasierten Carsharings faktisch ab.
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Das Auto hat sie abgeschafft, nun hat Anwohnerin Nina Niehoff in Bornheim ein Problem: Mit dem Ausbau der Parkscheinzonen schafft die Stadt aktuell nach und nach in vielen Stadtteilen das Angebot des nicht stationsbasierten Carsharings faktisch ab.

Parkzonen vertreiben Carsharing-Plätze

Frankfurterin ist sauer auf die Stadt und startet Petition für Gemeinschaftsautos

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Nina Niehoff hat ihr Auto abgeschafft und stieg aufs Carsharing um. Doch in ihrem Stadtteil vertreibt das Anwohnerparken die Anbieter.

Frankfurt -Die aktuellen Probleme mit dem Carsharing in Frankfurt soll die Politik endlich lösen: Das fordert eine betroffene Bürgerin. Nina Niehoff aus Bornheim hat Anfang Januar eine Internet-Petition gestartet. Sie will die Politik dazu bringen, für ausreichend Parkmöglichkeiten für die umweltfreundliche Fortbewegungsart zu sorgen. Eile tut Not, das zeigen die Pläne der Stadt.

Nina Niehoff (41) ist sauer. Lange hat die Bornheimerin überlegt, ihr Auto abzuschaffen. Überzeugt hat sie vor allem, dass es in Frankfurt ein so breites Angebot an Alternativen gibt. Die Diplom-Betriebswirtin nutzt sie alle: Straßenbahn, U-Bahn, Fahrrad, ebenso Carsharing. "Einen fahrbaren Untersatz braucht man auch hin und wieder", wenn auch selten. Die hochflexiblen, unkomplizierten, nicht stationsbasierten Autos bevorzugt sie beim Carsharing.

E-Autos gefordert, Ladesäulen fehlen

Doch seit einigen Monaten bricht dieser Bestandteil aus dem breiten Angebot weg. Besonders nervte das Nina Niehoff kurz vor Weihnachten. "Ich wollte zusammen mit einer Freundin die Einkäufe fürs Fest machen, aber es war in Bornheim kein Carsharing-Auto zu bekommen." Seit Monaten seien die nicht stationsbasierten Wagen von Share Now und "book-n-drive" kaum noch in dem Stadtteil zu finden. 700 solcher Fahrzeuge betreiben die Anbieter in Frankfurt und Umland.

Jetzt hat die Stadt in Bornheim flächendeckend Parkscheinzonen eingerichtet. Dort dürfen Carsharing-Wagen nicht mehr abgestellt werden. Anwohnerin Niehoff fordert: "Carsharing-Autos müssen überall kostenlos parken dürfen." So hat sie eine Petition überschrieben und auf der städtischen Ideenplattform ffm.de gestartet.

"Es kann nicht sein, dass selbst den Leuten, die gerne ohne eigenes Auto auskommen würden, das Leben so schwer gemacht wird", sagt die Bürgerin. Sie fordert die Politiker auf: "Schaffen Sie realistische Alternativen, fördern Sie die Sharing Economy!"

Mit ihrer Petition greift Niehoff ein Problem auf, das die Stadtpolitik bis vor kurzem selbst nicht einmal auf dem Schirm hatte. Zwar gibt die Stadt Carsharing-Betreibern die Möglichkeit, stadtweite Parkausweise für ihre Wagen zu kaufen. Dafür aber haben die Stadtverordneten auf Anregung der Grünen vorgeschrieben, dass die Flotte zu drei Vierteln aus Elektroautos bestehen muss, ab 2024 sogar gänzlich. Doch fehlen dazu die Ladesäulen - und die Stadt kriegt den von ihr selbst gewollten Ausbau bisher nicht hin.

Während die Politik nun anfängt, über Lösungen zu diskutieren, schafft man im Verkehrsdezernat Fakten. Nach den vier Parkscheinzonen in Bornheim ist kurz vor Weihnachten eine weitere Zone 18 im Westend in Betrieb gegangen. Von dort übers Nordend bis ins Ostend würden sämtliche Wohngebiete innerhalb des Alleenrings dieses Jahr ebenfalls zu Parkscheinzonen, kündigt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) an. Die nächsten beiden Zonen seien schon angeordnet und würden noch im ersten Quartal im Westend eingerichtet. "Es liegt nur noch an der Beschilderung."

Das Ganze sei im Luftreinhalteplan so vorgesehen, den die Deutsche Umwelthilfe 2019 gerichtlich durchgesetzt hatte, erinnert der Dezernent. Durch die Parkscheinpflicht sollen Pendler dazu gebracht werden, nicht mit dem Auto in die Stadt zu fahren.

Parkscheinzonen für weitere Stadtteile

Nach den Stadtteilen innerhalb des Alleenrings solle es außerhalb mit der Parkscheinpflicht weitergehen. In "interessierten Gebieten", sagt Oesterling: Mehrere Ortsbeiräte hätten schon Wünsche geäußert, etwa fürs nördliche Nordend, Niederrad, Nied. "Praktisch überall in verdichteten Bereichen gibt es Probleme", weiß der Dezernent. Schließlich seien binnen zehn Jahren mit den 100 000 zusätzlichen Einwohnern auch 50 000 weitere Autos gekommen, die nun geparkt würden.

Dass nun just jene Bürger das Problem ausbaden müssten, die aufs eigene Auto verzichteten, versteht Nina Niehoff nicht. "Die Stadt will offensichtlich das Carsharing unterbinden", schimpft sie. "Dabei ist es doch viel besser, wenn die Leute lieber das nutzen als ein eigenes Auto."

200 Unterstützer für ihre Petition braucht Nina Niehoff, damit sich die Stadtregierung mit ihrer Forderung beschäftigt. Die Bürgerin hofft dabei auf ein Einsehen seitens der Stadt. "Man bekommt die Leute ja nur vom Auto weg, wenn man attraktive Alternativen bietet."

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