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Frankfurterin leitet Hessens größte Justizbehörde

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Von: Matthias Gerhart

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Susanne Wetzel steht in ihrem Büro mit einer Akte in der Hand. Die Umstellung der Behörde auf digitale Akten wird sie in nächster Zeit beschäftigen. FOTO: michael faust
Susanne Wetzel steht in ihrem Büro mit einer Akte in der Hand. Die Umstellung der Behörde auf digitale Akten wird sie in nächster Zeit beschäftigen. © Michael Faust

Susanne Wetzel ist neue Präsidentin des Amtsgerichts

Frankfurt -Vor 32 Jahren trat Susanne Wetzel in den Dienst der Frankfurter Justiz ein. Die neue Präsidentin des Amtsgerichts, seit Anfang Februar im Amt, kennt sich also in den verwinkelten Gerichtsgebäuden aus wie kaum eine ihrer vielen Kolleginnen und Kollegen. Wetzel ist ein Frankfurter Gewächs, stammt aus einer im Gärtnerdorf Oberrad heimischen Juristenfamilie. Ins nahe Offenbach ging sie zur Schule, um später an der Frankfurter Universität ihr rechtswissenschaftliches Studium aufzunehmen und abzuschließen.

Ihr organisatorisches Talent, dazu die Fähigkeit, Menschen zu motivieren und zu leiten, erhielt in zehn Jahren Mitarbeit im Wiesbadener Justizministerium den entscheidenden Schliff: Dort war sie für die EDV-Ausstattung aller hessischen Gerichte zuständig. Zwischen 2004 und 2014 war das - zuvor hatte sie bereits am Landgericht an zahlreichen Prozessen als beisitzende Richterin mitgewirkt.

Nach der Zeit in der Landeshauptstadt ging es 2014 als Vizepräsidentin des Landgerichts zurück nach Frankfurt. Von dort wechselte sie auf den Chefsessel des Hanauer Landgerichts. "Und nun freue ich mich, wieder in Frankfurt zu sein", sagt Wetzel, die besonders die Spaziergänge durch die nahe Innenstadt schätzt. Das Amtsgericht ist mit knapp 1000 Bediensteten - davon rund 150 Richter - die größte Justizbehörde Hessens. Entsprechend prall gefüllt ist der Terminkalender der Präsidentin, die - anders als bisher in Hanau, wo sie nebenher auch noch die Schwurgerichtskammer leitete - wohl kaum noch hinter dem Richtertisch Platz nehmen kann. "Als Gerichtsvorstand ist man gesetzlich verpflichtet, noch zu einem gewissen Teil das Richteramt selbst auszuüben", erklärt die 60 Jahre alte Juristin. Während sie in Hanau über Jahre hinweg mit Mord und Totschlag beschäftigt war, nimmt sich ihre neue richterliche Tätigkeit weitaus beschaulicher aus: "Es geht um richterliche Entscheidungen nach dem hessischen Schiedsamtsgesetz, um Befangenheitsanträge gegen Schiedsleute, um Ordnungsgelder." Eine trockene Materie also.

Elektronische Akte wird eingeführt

In den kommenden Jahren aber wird sich die Präsidentin ohnehin vor allem um die Organisation kümmern müssen. Die Einführung der sogenannten elektronischen Akte soll bis 2026 durchgezogen werden. Und bis dato werden auch umfangreiche Baumaßnahmen im Justizviertel bereits abgeschlossen sein. Der Abriss des Gebäudes der Staatsanwaltschaft an der Konrad-Adenauer-Straße betrifft auch das Amtsgericht, dessen Haftrichterabteilung bislang im Erdgeschoss untergebracht ist. Alle Zivilabteilungen sollen den Umzug in das angemietete Bürogebäude in Niederrad mitmachen. Wenn das neue Gebäude der Staatsanwaltschaft dann steht, werden Schritt für Schritt die anderen drei grundlegend saniert. Bis zu zwölf Jahre soll das alles dauern.

Doch der erprobten Organisatorin Wetzel macht dies nicht bange: "Ich freue mich auf meinen neuen Job", sagt sie. Froh ist sie vor allem, dass die Justiz ein so familienfreundlicher Arbeitgeber sei. Rund 60 Prozent der Richterstellen sind mit Frauen besetzt, viele in Teilzeit. Für alle Bediensteten wolle sie da sein, "auch wenn es klar ist, dass man sich in einem so großen Gericht nicht um jeden umgefallenen Papierkorb kümmern kann", wie dies vielleicht noch in Hanau der Fall war. Und schließlich hat die erfahrene Strafrichterin auch noch einen Traum. Vielleicht doch noch einmal an einem richtigen Strafprozess mitzuwirken. Die Robe dazu hat sie jedenfalls griffbereit im Schrank hängen.

Matthias Gerhart

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