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Schriftstellerin Julia Kröhn im Look der Goldenen Zwanziger. Foto: Gaby Gerster

Stadtgeflüster

Frankfurterin liefert großen Stoff

Schädel und Gehirn bei Frauen sind grundsätzlich kleiner als bei Männern, weswegen Männer mehr Festigkeit besitzen, mutig, kühn und entschlossen sind, die Frau hingegen von wechselnden Launen geplagt

Frankfurt - Schädel und Gehirn bei Frauen sind grundsätzlich kleiner als bei Männern, weswegen Männer mehr Festigkeit besitzen, mutig, kühn und entschlossen sind, die Frau hingegen von wechselnden Launen geplagt ist, geschwätzig, furchtsam und nachgiebig.“ Mit solchen kruden Thesen reagierten nicht wenige deutsche Mediziner auf die frühen weiblichen Emanzipationsbestrebungen.

Modeunternehmerinnen, die nach dem Ersten Weltkrieg den Drang nach Freiheit spüren und wirtschaftliche Unabhängigkeit suchen, stehen im Mittelpunkt des neuen Romans „Das Modehaus – Töchter der Freiheit“ der Frankfurter Bestseller-Autorin Julia Kröhn . Die erfolgreiche Vielschreiberin aus Nied, die schon über 30 größtenteils historische Romane, manche unter Pseudonym, vorgelegt hat, entfaltet auf über 500 Seiten ein Heimspiel – drei Generationen selbstbewusster Frauen, die für den Erhalt ihres „Modehauses König“ in der Mainstadt kämpfen, von den Goldenen Zwanziger Jahren über die Wirtschaftswunderjahre bis zur Hippie-Zeit.

Reichlich Zeitkolorit, Modegeschichte und Beschreibungen des alten Frankfurts hat die studierte Historikerin dabei einfließen lassen: „Zwar ist das ,Modehaus König’ in der Neuen Kräme fiktiv, doch ich habe mich an realen Vorbildern, auch am Kaufhaus Hansa, orientiert. Intensiv befasste ich mich mit der Modemacherin Toni Schiesser, die 1931 ihr Atelier in Frankfurt eröffnete.“ Recherchen im Historischen Museum und im Stadtarchiv bildeten die Basis für die Zeitreise. Gut zwei Jahre dauerte es von der Idee bis zur Fertigstellung, geschrieben war der Roman binnen weniger Monate. Bis zu drei dicke Bände schließt Julia Kröhn jedes Jahr ab, das heißt, tägliche Schreibdisziplin für die Mutter einer siebenjährigen Tochter.

Verortet sie ihre Familiensagas und sturmumtosten Epen sonst gern im Mittelalter und in fernen Ländern, schien nun die Zeit reif für eine lokale Liebeserklärung. „Ich lebe seit 2001 in Frankfurt und betrachte die Stadt mittlerweile als meine eigentliche Heimat, obgleich ich Österreicherin bin.“ Die hier schmerzlich vermissten familiären Wurzeln kreierte sie sich kurzerhand selbst: „Durch den Roman habe ich mir letztlich meine eigene Frankfurter Familie erschaffen. Gehe ich durch die Stadt, sehe ich überall Orte, an denen sich die drei Protagonistinnen aufhalten.“

Etwa die Altstadt, aus der Fanny König in die Modestadt Paris entkommen will; das I.G. Farbenhaus, Sitz der US-Militärverwaltung, wo sich Tochter Lisbeth für den Schwarzhandel mit Zigaretten verantworten muss; schließlich das Main-Taunus-Zentrum, das Enkelin Rieke als Konkurrenz erlebt.

Wie sich diese starken Frauen kleiden, ist immer eine Frage des Zeitgeschmacks. „Der Roman weist darauf hin, dass Mode ambivalent ist. Einerseits ist sie eine Form von Korsett, das ein bestimmtes Frauenbild durchsetzt und etabliert, andererseits ein Spiegel, wie weit es mit der Emanzipation, der Freiheit und dem Selbstbewusstsein der Frau gesellschaftlich aussieht“, so die Autorin.

Ein weiterer Frankfurt-Roman sei bereits in Arbeit, verrät Julia Kröhn. Dieser habe mit ihrer zweiten großen Leidenschaft neben dem Schreiben, dem ausgiebigen Reisen, zu tun. Und ein bisschen von ihr stecke auch in den Romanheldinnen: „Freiheit ist mein oberstes Prinzip.“

(fai)

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