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Bislang schon ein Nadelöhr dürfte es von heute an in der Schweizer Straße richtig eng werden.

Längere Wege

"Für Sachsenhausen nicht gesund" - Seit heute steht der Stadtteil still

Seit heute, 9 Uhr, ist das nördliche Mainufer gesperrt. Dribbdebach fürchtet man die Folgen für den eigenen Stadtteil. Ihm droht der Stillstand.

Sachsenhausen - Wenn das Mainfest im Norden gefeiert wird, oder das Museumsuferfest im Süden, sind die jeweiligen Uferstraßen gesperrt. Auch für den Flohmarkt auf der Sachsenhäuser Seite. Temporär. Für Stunden oder wenige Tage. Aber von heute an geht auf der Frankfurter Seite für ein Jahr nichts mehr. Betroffen sind laut Verkehrsdezernat täglich 20 000 Fahrzeuge, die am Main zwischen Römerberg und Eisernem Steg fuhren. Nun muss der Verkehr weiträumig ausweichen. Viele Autofahrer werden sich eine Route durch Sachsenhausen suchen. "Wenn ich meinen Freund von Fechenheim nach Sachsenhausen zur Arbeit bringe und wieder abhole, muss ich pro Strecke mindestens 15 Minuten mehr Zeit einplanen. Vom höheren Benzinverbrauch ganz zu schweigen", sagt etwa Julia (23) kopfschüttelnd.

Sie und ihr Freund Mario (29) können sich nicht vorstellen, dass die Sperrung "für Sachsenhausen gesund" ist. "Der Verkehr ist ohnehin enorm. So wird doch nur verlagert, aber nichts gelöst", finden sie und überlegen, ob sie "bei der Stadt mal fragen, ob sie für die höheren Benzinkosten, die Zeit, die wir im Stau stehen werden und für die höhere CO2-Belastung wegen großer Umwege die Kosten übernimmt. Sachsenhausen wird unter noch mehr Staus leiden müssen", sind die beiden überzeugt.

Das wird heftig

Etwas überrascht zeigt sich Josef (52) vom Kiosk am Schweizer Platz. "Ich wusste gar nicht, dass das ein Jahr lang dauern soll. Das wird heftig. Die Schweizer Straße ist ja so schon voll", sagt er. "Die Leute werden Wege finden, es wird sicherlich Unregelmäßigkeiten geben", meint er. Solange Kunden parken könnten, würde es im Kiosk auch kein Minusgeschäft geben. Er wartet locker ab mit dem Motto "das Leben ist schön - mit und ohne Straßensperre".

Laura Cramer ist Geschäftsführerin in der Metzgerei Robert Müller. "Ich glaube, dass sich für uns geschäftlich nicht viel ändern wird. Die U-Bahn fährt bald wieder, die Straßenbahn auch und der Bahnhof ist nicht betroffen. Schwierig wird es, wenn die Leute nicht parken können. Aber nicht, wenn es Stau gibt. Den haben wir auf der Schweizer Straße sowieso immer." Für sie selbst ist die Sperrung ärgerlich. "Ich muss jetzt eine riesige Schleife von und nach Hause fahren. Das heißt für mich noch früher aufstehen und später nach Hause kommen."

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Auch der Ortsbeirat ist nicht amüsiert. Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) erinnert: "Wir haben das Verkehrsdezernat bereits im Dezember dazu aufgefordert, Verkehrsmessungen zu machen. Es kann nicht sein, dass über den Frankfurter Süden jetzt noch mehr läuft. Wir wollen, dass jetzt Messungen stattfinden und während der Sperrung. Und wir wollen, dass die Bürger gefragt werden. Wir warten das Jahr ab und lassen dann die Zahlen für sich sprechen", so Becker. Einen weiteren Gedanken bringt Tatjana Braun-Siebert auf. "Es ist schon merkwürdig, wenn beim Samstagsflohmarkt am Sachsenhäuser Mainufer gleich beide Ufer nicht befahrbar sind. Da sollte man überlegen, ob man ihn nicht auf die andere Seite verlagert. So könnte man zwei Dinge miteinander vereinen, die zusammenpassen. Irgendwo müssen Autos ja fahren."

Längere Wege

Die Volksbank-Filialleiterin und Mitglied der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße betrachtet die Sperrung kritisch."Die Kunden brauchen länger für die Anfahrt, haben längere Wege und die Parkplatznot wird noch heftiger", fürchtet sie. "Viele haben keine Parkplätze. Das macht es nicht einfacher." Susanne Reichert, die regelmäßig als Grüne Soße Königin auch mit dem Auto unterwegs ist, schließt sich an. "Mich stört, dass es keine Ausweichrouten mit entsprechenden Verkehrskonzepten dazu gibt. Der Verkehr und damit das Problem verlagern sich nach Sachsenhausen. Ich glaube nicht, dass die Sperrung viele Menschen dazu bewegen wird, vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen. Die geplante Regelung wird zum Unmut und Frust führen und nicht zu Einsicht und Akzeptanz." Ob clevere Geschäftsleute planen, Getränke, Blumen oder Brötchen an Autofahrer im Stau zu verkaufen, bleibt abzuwarten.

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