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Auch im riesigen Atelier der Maler finden sich Spuren des alten Schauspielhauses. Davon ist mehr übrig, als man hinter der Glasfassade vermuten würde.

Historische Einblicke

Ein Blick hinter die Fassade des Frankfurter Schauspielhauses enthüllt ungeahnte Schätze

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Für Passanten ist vom historischen Altbau des Schaupielhauses nichts mehr zu erkennen. Bei einer Führung für die Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus gingen 15 Teilnehmer auf Spurensuche.

Während der technische Leiter und Gebäudemanager Max Schubert eine unscheinbare Tür aufschließt, steigt bei den Führungsteilnehmern die Spannung. Tatsächlich sieht es hinter der Tür bei funktionaler Beleuchtung zunächst wenig spektakulär aus. „Das ist der Entrauchungsschacht“, erklärt Schubert, während die ersten Besucher hinter dem Eingang entdecken, was hier niemand vermutet: Bögen und Ornamente aus hellen Natursteinen, die zur Westfassade des 1902 errichteten Baus von Heinrich Seeling gehören.

Historische Fassade des Schauspielhauses hinter neuer Fassade versteckt

Eine für manchen verblüffende Entdeckung im Innern des heutigen Doppelbaus von Schauspiel und Oper, während außen von der historischen Bausubstanz nichts zu sehen ist. Die erkennbaren Reste von Fassaden, schmückenden Figuren und Balustraden verbergen sich in Schächten, hinteren Treppenhäusern und verdeckten Innenhöfen. Den Bauherren und Architekten der 1960er Jahren waren sie offenbar wenig Beachtung wert: „Damals wollte man transparent und zukunftsgewandt bauen“, erklärt die stellvertretende Leiterin des Deutschen Architekturmuseums, die die Führung im Auftrag der Stabsstelle Zukunft Städtische Bühnen begleitet.

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Doch die Spuren der Vergangenheit sind noch im alten Kernbau des Schauspielhauses mit Foyerhalle am westlichen Zugang zum Willy-Brandt-Platz zu finden, das seit 1951 als „Großes Haus“ für die Oper dient. Das beginnt bereits in der unteren Eingangshalle am westlichen Zugang zum Willy-Brandt-Platz. „Hier sind noch die Grundstrukturen von 1902 vorhanden“, verdeutlicht Schubert. Sie mögen sich in der Raumaufteilung oder als Steinreste hinter den modern und funktional verputzen Wänden befinden, zu sehen ist das zumindest für den Laien nicht. Dafür entspinnt sich unter der für eine Rekonstruktion des Seelingbaus werbenden Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus eine Debatte, warum und mit welcher Zukunft das alte Schauspielhaus zu einer modernen Theaterdoppelanlage mit Europas größter Drehbühne um- und ausgebaut werden musste, während die Alte Oper verfiel. „Wir wollen hier keine politischen Diskussionen führen“, erklären Schubert und Bruni Marx, zuständig für Bühnenservice, unisono. Zumal die Alte Oper heute nicht mehr als zeitgemäßes Opernhaus genutzt werden könnte.

Nur noch Fluchtwege in der Fassade der heutigen Oper Frankfurt

Bleiben die Fassadenteile in den Schächten der heutigen Oper den Besuchern normalerweise verborgen, so sind die alten Treppengeländer und Holzstufen zumindest bei Bedarf begehbar. „Eigentlich handelt es sich hier aber um Fluchttreppen“, erläutert Schubert.

Auch den westlichen und östlichen Innenhof dürfte im Spielbetrieb kaum ein Zuschauer zu Gesicht bekommen. Hier sind noch ganze von Betonbauten vollständig ummantelte und verdeckte Gebäudetrakte mit Fassaden und Fensterbögen erkennbar. Fest steht, dass der Spielbetrieb in der Doppelanlage während der andauernden Prüfung einer Sanierung unter Wahrung des Bestandschutzes nur mit zahlreichen Reparaturen und Wartungsarbeiten aufrechterhalten werden kann. „An erster Stelle steht bei uns die Funktion als Spielstätte, dann erst die äußere Ansicht“, sagt Marx.

Box: Opfer der Bomben

Als Nachfolgebau des 1782 erbauten, zu klein gewordenen Stadt- und Nationaltheaters wurde das Schauspielhaus 1902 von Heinrich Seeling am heutigen Willy-Brandt-Platz als städtebauliches Pendant zum Opernhaus (heute Alte Oper) errichtet. Es handelt sich um einen Gründerzeitbau der klassischen Neorenaissance im Übergang zum Jugendstil und zur Moderne. Nach den Bombenangriffen von 1944 wurde das Schauspielhaus ab 1948 zunächst notdürftig wiederaufgebaut. Ab 1962 wurden große Teile des noch erhaltenen Baus für den Neubau abgetragen. got

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