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Lis Droste ist Etikette-Trainerin und hält seit 1990 Seminare und Vorträge über moderne Umgangsformen, die richtige Geschäftskleidung sowie Tischsitten und Tafelkultur.

Vorträge über Stil und Etikette

Lis Droste ist die Frau fürs gute Benehmen

Sie ist Expertin in Sachen Umgangsformen: die Wahl-Frankfurterin Lis Droste. Seit knapp drei Jahrzehnten bietet sie Seminare und Vorträge über Stil und Etikette an: über richtige Kleidung im Geschäftsleben genauso wie über stilvolles Speisen im Restaurant. Sogar dann, wenn es um den korrekten Verzehr eines Hamburgers ohne Besteck geht, weiß sie Rat.

Frankfurt - Kann die Hand bei der Begrüßung in der Hosentasche bleiben? Darf das belegte Brot im schicken Restaurant aus der Hand gegessen werden? Welche Themen sind beim Small Talk tabu? Und darf das Smartphone auf dem Esstisch liegen? Bei der Suche nach korrekten Antworten auf diese Fragen dürften die meisten Menschen in Grübeln geraten. Nicht so Lis Droste. Sie ist Etikette-Trainerin und hält seit 1990 Seminare und Vorträge über moderne Umgangsformen, die richtige Geschäftskleidung sowie Tischsitten und Tafelkultur.

Zum Beispiel über die Kunst des Small Talks, der sich gerne um Kultur, Städte, Reisen, Essen und Sport drehen darf, während Gespräche über Krankheit und Tod sowie Politik und Religion auf dem Index stehen. Oder über korrektes Verhalten im Restaurant – Brote mit herzhaftem Belag werden übrigens mit Hilfe von Messer und Gabel verspeist, während solche mit süßem Belag aus der Hand gegessen werden. Und: Hände in Hosen- oder Jackentaschen wirkten nicht lässig, sondern nachlässig, sagt Lis Droste. Eine Unsitte sei es auch, das Handy neben den Teller zu legen: „Auf den Tisch gehört nichts, was nicht zum Essen gehört, auch keine Brillen oder Smartphones.“

Unsicherheiten nehmen

Was nicht heißen soll, dass sie wie eine strenge Tugendwächterin auf die Einhaltung sämtlicher Benimmregeln in ihrem Umfeld pocht. Im Gegenteil. Mit Kritik hält sie sich zurück. Natürlich falle ihr jeder Fauxpas auf, sagt sie, „aber ich bewerte das nicht“. Stattdessen versucht sie, ihrem Gegenüber die Unsicherheit zu nehmen, die sich gern einstellt, wenn sie von ihrer Tätigkeit erzählt. Dabei reagierten viele Menschen befangen, erzählt sie – „die fragen mich dann sofort, ob sie mich auch richtig begrüßt haben und ob sie richtig angezogen sind. Das ist das einzige, was mich an meinem Beruf stört. Ansonsten macht mir das unglaublich viel Spaß“.

War ein „wildes Kind“

Das war nicht immer so. Ein wildes Kind sei sie gewesen, das sich gerne schmutzig gemacht habe, sagt die gebürtige Westfälin, Jahrgang 1951, die seit rund 40 Jahren in Frankfurt lebt: „immer ganz kess und neugierig“. Zum Leidwesen ihrer Mutter. „Aus dir wird nie eine feine Dame“, seufzte diese manchmal. Auf gute Umgangsformen legten die Eltern Wert. Schließlich hatte der Vater einen Wein-, Spirituosen- und Feinkosthandel aufgebaut, und die Familie lud oft Gäste ein. Das wiederum gefiel der Tochter, die sich gerne um die Besucher kümmerte: „Die Gastgeberinnen-Rolle fand ich spannend.“

Feinschliff in Sachen Manieren gibt es auf der Klosterschule und später in der Hotelfachschule in Bad Reichenhall, wo noch Anstandslehre im Lehrplan steht. Eine strenge Ausbildung, die die junge Frau jedoch nach und nach zu schätzen lernt. Spätestens dann, als sie nach ihrer ersten Stelle im Frankfurter Hotel Steigenberger und der anschließenden Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin mit 22 Jahren beschließt, nach Südafrika überzusiedeln und dort Stewardess zu werden: „Ich wollte Sonne haben. Und eine andere Kultur erleben.“ Auf den regelmäßigen Langstreckenflügen merkt sie, wie wichtig Freundlichkeit und gute Umgangsformen sind – „gerade wenn man 13 Stunden auf engem Raum zusammen ist“.

Das Thema lässt sie nicht mehr los. Nach vier Jahren in Südafrika kehrt sie nach Europa zurück und arbeitet im internationalen Tourismus, ist häufig auf Messen und in Luxushotels unterwegs. Ein Beruf, der sich mit Ehe- und Familienleben allerdings kaum vereinbaren lässt. So hält sie nach der Geburt der beiden Kinder Ausschau nach Alternativen. Zufällig stößt sie 1990 auf einen Zeitungsartikel über ein „Institut für Takt und Ton“, das in Berlin Seminare anbietet. Und weiß sofort: Das ist es. Bei einem Unternehmen, das Seminare anbietet, eignet sie sich Kenntnisse über Kundenakquise und Unterrichten an, das Fachwissen bringt sie ohnehin mit. Schließlich wagt sie sich an die ersten Seminare – mit Erfolg. Inzwischen ist sie im In- und Ausland als Expertin für Stil und Etikette gefragt, fungiert als internationale Präsidentin des Netzwerks „Etikette Trainer International“ (ETI), das sie 2002 gegründet hat, und hat auch mehrere Bücher über zeitgemäße Umgangsformen verfasst.

Menschen die Unsicherheit in Sachen Manieren zu nehmen, das mag sie. Ihnen zum Beispiel zeigen, wie man einen Fisch richtig filetiert. Wie man Hummer, Langusten oder auch einen Burger in einem „American Diner“ verspeist, ohne dabei Tisch und Kleidung zu ruinieren. Letzteres klappt übrigens am besten mit vielen Papierservietten und dem Verzicht auf zusätzliche Soße, verrät sie lachend. Gern packt sie bei ihren Veranstaltungen ihr Spezial-Besteck aus: zeigt den Austernbrecher mit seiner scharfen Klinge, das Messerchen für Flusskrebse und den flachen Gourmetlöffel für das Aufnehmen der Soße, der auch als Fischmesser genutzt werden kann.

Bei allen Regeln ist ihr eines besonders wichtig: Etikette seien kein starres Korsett, sondern ein System, das den Umgang miteinander erleichtere – mit gegenseitiger Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Taktgefühl, Höflichkeit, Respekt und Freundlichkeit. Genau das will sie vermitteln. Wenn ein Missgeschick passiert – sei’s drum. „Wichtig ist, dass man Fehler mit Humor nimmt“, rät Lis Droste. Und: „Man kann alle Peinlichkeiten mit einem freundlichen Lächeln entschärfen.“

von Brigitte Degelmann

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