Ralf Noack, organisatorischer Kopf hinter dem Höchster Oldtimer-Treffen, ist Kraftfahrzeugmeister und ein passionierter Schrauber. Den alten englischen Doppeldecker-Bus hat er erst vor einigen Tagen wieder zum Laufen gebracht. Fotos: Maik Reuß

Höchst

Edles Blech und schöne Frauen: 4. Oldtimertreffen am Mainufer

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Im Filmklassiker "Vertigo" von Alfred Hitchcock fährt Hauptdarstellerin Kim Novak mit einem blauen VW Karmann Ghia durch die Straßen. Automobile Schätzchen dieser Art gab es auch beim 4. Oldtimer-Treffen am Höchster Mainufer zu sehen.

Höchst - Der Song "Pillow Talk" (englisch für Bettgeflüster) ertönt über Lautsprecher. Während die Stimme der erst kürzlich verstorbenen US-amerikanischen Schauspielerin Doris Day (1922-2019) zu hören ist, laufen Models über einen pinkfarbenen Laufsteg und zeigen Entwürfe der Designerinnen Heike Merkle und Monika Renziehausen - Kleider, Dessous und Bademoden.

Flair früherer Jahrzehnte: 

Der Laufsteg, eigentlich nur ein ausgerollter Teppich, wird eingerahmt von rund 150 Oldtimern, die am Mainufer und im Brüningpark präsentiert werden. Passend dazu gibt es die Modenschau. Denn auch die Entwürfe, die von den Models vorgeführt werden, verbinden das Flair der 40er, 50er und 60er Jahre mit der Gegenwart. Es sind moderne Interpretationen, die trotzdem auf eine Zeitreise einladen.

Viele Besucher sind an diesem Sonntag ans Höchster Mainufer gekommen, um sich die Oldtimer anzuschauen. Und auch die Modenschau lockt: Um den Laufsteg herum ist es außerordentlich schwierig, noch einen Platz zu ergattern, von dem aus der Blick auf die Präsentation möglich ist.

Dessous und Vintage-Mode, gezeigt von "richtigen" Frauen und keinen Mager-Models, gab es auf dem Catwalk beim Oldtimer-Treffen zu sehen.

Andere wiederum sind mit ihren Kameras unterwegs und versuchen möglichst gute Aufnahmen von den Autos zu machen, die auf dem 4. Oldtimer-Treffen gezeigt werden. Organisiert wurde es anlässlich des Altstadtfestes der Vereine von KfZ-Meister Ralf Noack und einem kleinen Team von Auto-Enthusiasten. Noack hat ein großes Faible für alte Autos und ist Mitglied im Vereinsring. In der Menge ist er leicht auszumachen, denn er trägt als "Ansager" einen schwarzen Zylinder auf dem Kopf. Und auch ein besonderes Fahrzeug hat er mitgebracht: einen originalen englischen Doppeldecker-Bus. Aus Nied hat er ihn ans Mainufer gefahren mit "eigenständigem Antrieb", wie er stolz sagt. Zum Laufen gebracht hat er den Bus erst vor ein paar Tagen.

Wie aus dem Ei gepellt: Rüdiger Seel ist mit seinem weißen Karmann Ghia aus dem Hochtaunuskreis ans Höchster Mainufer gekommen.

Der Bus hat eine bewegte Geschichte, fuhr er doch einst im Londoner Straßenverkehr. Noack weiß, dass der Bus einige Zeit zunächst im Kaisersack stand und dort als Ort für Beratungen genutzt wurde, bevor er in den Besitz einer christlichen Gemeinde gegangen sei. "Das war aber nur kurz", sagt Noack. Danach kam er nach Nied und stand mehr als zwei Jahrzehnte auf dem Gelände des Kinderhauses, gehörte schon fest mit zum Inventar. Noack hat ihn vom Kinderhaus gekauft. "Der Bus ist leider in einem desolaten Zustand, und wir wissen noch nicht, ob und was wir machen werden", sagt er. Ganz unabhängig von seiner Zukunft ist das automobile Schätzchens ein echter Hingucker - nicht zuletzt wegen seiner Farbe und Größe.

150 Auto-Klassiker und eine Modenschau lockten viele Besucher zum 4. Oldtimer-Treffen

Ein ganz anderes Modell hat Hanno Rathmann im Blick, der mit seinem Sohn Linus (10) durch die Reihen läuft und sich die Oldtimer genau anschaut. "Mir gefällt der Lancia Stratos. Das ist ein Exot, einfach ein besonderes Auto, ein Rallye-Fahrzeug", sagt er. Linus hat noch keinen persönlichen Favoriten unter den Autos ausgemacht, versucht aber mit seiner Kamera so viele Oldtimer wie möglich fotografisch einzufangen. Auf die Frage, was er denn mit den Fotos machen möchte, sagt der Junge: "Einfach behalten."

Hanno Rathmann erzählt, dass er öfter über Oldtimer-Veranstaltungen läuft, selbst aber keinen fährt. "Ich schaue mir das gerne an, finde aber, dass es ein sehr zeitintensives Hobby ist, das für mich nicht infrage kommt." Wie viel Zeit jeder in einen Oldtimer investiert, hängt letztlich natürlich auch von der Frage ab, wie gut der Wagen erhalten ist. Einer, der richtig Glück hatte, was den Zustand seines Oldtimers betrifft, ist Rüdiger Seel. Er fährt seit acht Jahren ein Sondermodell eines Karmann Ghia aus dem Jahr 1966 - mit der Technik eines VW-Käfers. "Besonders ist das Fahrzeug wegen seiner Innenausstattung", sagt Seel. Ganz in Rot sind die Sitze gehalten, selbst das Lenkrad ist mit rotem Kunstleder überzogen. Und auch das originale Radio ist noch vorhanden.

Wie aus dem Ei gepellt

Lack und Chrom des Cabriolets glänzen und funkeln. Wie aus dem Ei gepellt sieht es aus - und ist dennoch ganzjährig angemeldet. "Es wird aber nur bei schönem Wetter gefahren", sagt Seel und fügt hinzu: "Lange habe ich nach einem solchen Modell in ganz Deutschland gesucht und es schließlich in Kelkheim gefunden." Er selbst sei der vierte Besitzer, der im Fahrzeugbrief eingetragen ist. Seel, der in Höchst arbeitet, mag die Atmosphäre am Mainufer und ist zum zweiten Mal beim Oldtimer-Treffen dabei. Der Grund liegt auf der Hand: "Hier kann man mit anderen Fans alter Autos in Kontakt kommen und sich austauschen."

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