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Profi-Kicker unter Schülern: Timothy Chandler liest den Kindern nicht nur vor, sondern beantwortet auch ihre Fragen.

Stadtgeflüster

Eintracht-Star Timothy Chandler jongliert an der Frankfurter Textorschule mit Buchstaben

Timothy Chandler kann nicht nur gut mit dem Ball jonglieren, sondern auch mit Buchstaben. An der Frankfurter Textorschule las er Kindern vor und beantworte auch die eine oder an der Frage.

Frankfurt - Dass er nach Schätzungen der sieben- und achtjährigen Textorschüler schon 50 Jahre alt sein soll – nein, das geht für Timothy  Chandler gar nicht. Denn so alt fühlt sich der Profi-Fußballer von Eintracht Frankfurt nun wirklich nicht, auch wenn ihn seit Sommer eine Knie-Verletzung – der 28-Jährige wurde operiert – plagt. Zwar ist er wieder im Mannschaftstraining, war aber noch nicht beim Rückrunden-Auftakt am vergangenen Samstag dabei, als die Mannschaft des SC Freiburg mit 3:1 vom Platz gefegt wurde.

Stattdessen hatte er aber gestern Zeit für einen ganz besonderen Termin: Zum Buchstapler-Auftakt – der gemeinsamen Leseförderaktion der Stadtbücherei Frankfurt und der Stiftung der Frankfurter Sparkasse – wurde er zum Vorleser. „Das macht wirklich Spaß“, sagt Chandler, der aber auch offen zugibt, sich als Zuhörer wohler zu fühlen. „Augen schließen, zurücklehnen und hören. So habe ich das als Kind auch immer gemacht“, verrät er den Zweitklässlern, die dem Fußballer wie aufs Wort gehorchen. Die haben sich kleidungstechnisch dem Profi übrigens angepasst. Viele der Knirpse tragen ein Trikot, eine Mütze oder einen schwarz-weißen Eintracht Schal. Verkehrte Welt, denn Chandler ist in zivil da. „Das tut auch mal gut“, sagt der Deutsch-Amerikaner – sein Vater ist ein US-amerikanischer Soldat, seine Mutter kommt aus Deutschland – und lacht.

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Buchstaben-Aktion an Textorschule zum 24. Mal

Zum 24. Mal gibt es mittlerweile die Buchstapler-Aktion, bei der Kinder zwischen acht und zehn Jahren ihre Lieblingsbücher bewerten und lesen. Letzteres übernimmt wie gesagt an diesem Morgen Chandler – das sich die beiden Werke, die der Kicker sich ausgesucht hat um das runde Leder drehen, ist dabei selbstverständlich. Viel mehr interessiert die Schüler jedoch der prominente Gast selbst, den sie mit Fragen löchern. Besonders interessiert sind die Nachwuchs-Reporter daran, wo der waschechte Frankfurter Bub – 1990 wurde Chandler in Frankfurt geboren – denn wohl wohnen mag. Doch in diesem Punkt bleibt er hart, nur die Hausnummer gibt er seinen kleinen Fans mit auf den Weg. 22 lautet die.

Deutlich offener ist Timothy Chandler da, wenn es um seine Profi-Karriere geht. Im Sommer 2014 kehrte er zurück an den Main, nach einer vierjährigen Stippvisite beim 1. FC Nürnberg. Fast 200 Bundesliga-Spiele habe er mittlerweile absolviert, rechnet Chandler fix zusammen, zwei Rote und mehrere Gelbe Karten – genaue Zahlen will oder kann er nicht verraten – habe er schon bekommen.

Kinder stellen Timothy Chandler Fragen

„Bist Du denn auch schon mal gefoult worden“, fragt ein Junge. Klar, sagt Chandler. Und das tue oft sehr weh. „Hat der, der Dich gefoult hat, dann auch wenigstens eine Rote Karte bekommen“, will der Schüler dann noch wissen. „Weiß ich nicht. Da liege ich meistens auf dem Boden und schreie“, hat der Profi auf jede Frage eine Antwort. Auf jede? Nicht ganz. Denn als ein Mädchen fragt, ob er schon einmal eine Schwalbe gemacht hätte, da schweigt Chandler lieber.

Dafür bekommt er glänzende Augen, als er vom Gewinn des DFB-Pokals 2018 erzählt – mit 3:1 gewann die Eintracht gegen die Bayern. „Das ist bisher der einzige Pokal, den ich gewonnen habe. Leider“, würde sich Chandler allerdings nicht beschweren, wenn noch der ein oder andere Titelgewinn hinzukommt. Und auch wenn er es sich wünschen würde, den Original-DFB-Pokal hat der Kicker nicht daheim stehen. Und „auch kein Imitat, obwohl auch das wirklich toll wäre und mich an den besten Tag in meiner Karriere erinnert“, sagt er.

(jdi)

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