Es wurde geschwoft auf dem Parkett: Der Verein zur Förderung der Tanzkultur lud beim Höchster Altstadtfest, einem der größten Stadtteilfeste in Frankfurt, zum Tanz unter den Linden ein - und viele machten mit. Fotos: Reuß

63. Schlossfest

Ganz Höchst tanzt unter den Linden: Tausende Besucher feiern mit

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Altstadtfest der Vereine setzt einen Höhepunkt des 63. Schlossfests - neues "Rudelsingen" kommt beim traditionellen zweitägigen Altstadtfest gut an

Frankfurt - Anna Tollkühn ist der Liebe wegen von Hamburg nach Frankfurt gezogen und hat sich nicht nur in den Mann an ihrer Seite so richtig verguckt, sondern auch in die Stadt selbst. Und damit sie die Mainmetropole in ihren vielfältigen Facetten kennenlernen kann, hat ihr Lebensgefährte Wolf Eckert, der aus Bornheim kommt, sie auf das Altstadtfest der Vereine des 63. Höchster Schlossfestes "entführt", das vom Vereinsring organisiert wird.

"Wir sind mit dem Fahrrad von der Stadt nach Höchst gefahren, entlang der Nidda", erzählt Eckert. "Zurück werden wir entlang des Mains fahren", so der Plan. "Ich kenne Höchst und finde gerade die Altstadt besonders schön", betont er. Die beiden möchten über die Festmeile flanieren und die verschiedenen Eindrücke aufnehmen. Die Stände sind auf dem Schlossplatz, im Schlosshof, im Burggraben und auf dem Justinusplatz aufgebaut, wo auch der Verein zur Förderung der Tanzkultur wieder ein Parkett installiert hat, auf dem jeder mittanzen kann.

Swing und Jive: Tanzgruppen treten mit verschiedenen Vorführungen auf

Das ist ein Angebot, das sich zahlreiche Besucher nicht entgehen lassen möchten: Freiluft-Tanzen unter den hochgewachsenen Linden vor Frankfurts ältester Kirche, das ist für viele Romantik pur. Diejenigen, die selbst nicht schwofen möchten, haben sich um die Tanzfläche an die Tische gesetzt und schauen dem Spektakel zu. Zu den derzeit angesagten Tänzen zählen Lindy-Hop, Swing und Jive, die von vielen Paaren auf dem Parkett gezeigt werden. Zwischendurch sind immer wieder Tanzvorführungen verschiedener Gruppen eingeplant, die von Flamenco über Hip-Hop bis zu argentinischem Tango reichen. "Das ist so eine schöne Atmosphäre auf dem Justinusplatz, mit der Tanzfläche und den Weinständen", schwärmt das Paar.

Erhöhte Waldbrandgefahr: Traditionelles Feuerwerk ungewiss

Während die einen tanzen, haben sich andere Besucher auf dem Schlossplatz vor der Bühne zur offiziellen Eröffnung versammelt. In Vertretung von Festpräsident Peter Feldmann, der in Urlaub ist, spricht Planungsdezernent Mike Josef, seit einem Jahr "Neu-Höchster". Und dieses Mal übernimmt den Fassanstich Anthony O'Gara, Vorsitzender des Ausschusses des Internationalen Festivals "Rose of Tralee" in der irischen Grafschaft Kerry, für das seit 2009 die deutsche Teilnehmerin zum Altstadtfest der Vereine des Höchster Schlossfest gewählt wird (siehe Text unten). Claus Cromm, der Vorsitzende des Höchster Vereinsrings, der das Schlossfest mit seinen zahlreichen Veranstaltungen wie auch der Kerb am kommenden Wochenende organisiert, hat jedoch einen Wermutstropfen: Das traditionelle Feuerwerk zum Abschluss des Schlossfestes am Montag, 15. Juli ist noch nicht endgültig genehmigt; es könnte dieses Mal vielleicht sogar ausfallen. Vonseiten der Stadt gibt es derzeit wegen erhöhter Waldbrandgefahr ein Verbot für offenes Feuer, nennt er den Grund für eine mögliche Absage. Er ist jedoch zuversichtlich: "Wir hoffen, dass wir die Genehmigung bekommen."

Hoher Besuch aus Irland: Anthony O'Gara beim Fassbieranstich.

Feiern verbindet: Ritterlager findet zum elften Mal statt

Dass gemeinsam Feiern das Miteinander stärkt, beweisen der türkische Eskisehir-Verein und der griechische Verein, deren Stände nebeneinander stehen. "Wir sind hier Nachbarn und in der Heimat auch", sagt Ibrahim Ekin und freut sich über die neuen Kontakte. Unten im Burggraben, dort wo die Ritter ihr Lager eingerichtet haben, läuft Organisator Matthias Galvagnini, ebenfalls Mitglied des Vereinsrings Höchst, entlang und ist zufrieden. "16 Teilnehmer sind dieses Mal mit dabei. Das Ritterlager selbst wird hier zum elften Mal organisiert", erzählt er.

Harry Grummt (links) hat das Spiel "Die goldene Gans" zum Ritterlager mitgebracht. Charlotte (5) und ihr Bruder Jonathan (8) probierten es aus.

Einer, der mit seinem Angebot nicht durch das Tor zum Burggraben gepasst hat, ist Harry Grummt. Kurzerhand hat er sich mit seinem am Mittelalter orientierten Spiel unweit davon postiert und lädt nun Kinder ein, mit Geschicklichkeit und ein wenig Glück das Ei der goldenen Gans zu finden. Das Spiel ist imposant und bunt gestaltet, ein großer aufgespannter Schirm schützt vor Hitze und Regen gleichzeitig. Er ist auch der Grund, warum das Spiel nicht durch die Pforte passte. Zwei, die das Ei der goldenen Gans finden möchten, sind die Geschwister Charlotte (5) und Jonathan (8), die mit ihren Eltern über das Altstadtfest laufen. "Jeder von euch bekommt einen Schlüssel", erklärt Grummt den Kindern die Regeln - einer passt. Das Duell der Geschwister gewinnt Charlotte. "Das macht Spaß", befinden die beiden Kinder.

Kunstmarkt zum Altstadtfest: Hunderte singen beim "Happy Trällering" 

Am Mainufer hat auch der Kunstmarkt zum Altstadtfest seinen Platz. 34 Pavillons wurden dort für die Künstler aufgebaut. Organisiert wird der Markt von Annette Wagner-Netthorn aus Unterliederbach, die auch eigene Arbeiten ausstellt. Bereits zum zehnten Mal hat sie die Kunstmarkt-Leitung übernommen. Einer, der sich erstmals beteiligt, ist der Fotograf Frank Pichler, der sein Studio in Sachsenhausen hat. Viele Besucher bleiben an seinem Stand stehen, seine Fotografien sind ein echter Blickfang. Schon lange habe er mit dem Gedanken gespielt, seine freien Arbeiten mal einem größeren Publikum zu zeigen. Der Ort des Kunstmarktes direkt am Main gefalle ihm sehr gut.

Frank Pichler beteiligte sich erstmals mit seine Fotografien am Kunstmarkt zum Altstadtfest.

Ein Höhepunkt ist das "Happy Trällering" am Samstagabend, als "Rudelsingen" angekündigt: Hunderte singen mit Loti Pohl und Don Weaver im Chor. An beiden Tagen spielen Bands und Blasmusik in der Altstadt; in der Justinuskirche bleibt Raum für klassisches Akkordeon und Orgelmusik.

Die neue "Germany Rose" kommt aus Berlin

Als Axel Knauber, Vorsitzender des Deutschen Rose Centers, den roten Umschlag aus seiner Smoking-Jacke nimmt, ist die Anspannung spürbar. Die fünf Kandidatinnen, die sich in diesem Jahr um den Titel "Germany Rose" bewerben, stehen auf der Bühne am Schlossplatz. Gleich soll die Siegerin des Wettbewerbs gekürt werden. Die Teilnehmerinnen haben sich zuvor in Interviews einer dreiköpfigen Jury gestellt. Kurz vor der Bekanntgabe ist den jungen Frauen die Aufregung anzumerken.

Die Kandidatinnen heißen Victoria Lynch, Stephanie Claire Reilly, Beatrice Beiderwieden, Sarah Jane Joklitschke und Deana Kennedy. Sie alle haben irische Wurzeln und hoffen auf den Titel. Mit großen Augen und einem strahlenden Lächeln hängen sie an Knaubers Lippen. Und der macht die Verkündung kurz, öffnet den Umschlag und sagt: "Germany Rose 2019 ist Beatrice Beiderwieden." Die Berlinerin ist nun die offizielle deutsche Teilnehmerin des Jahres 2019 am internationalen Wettbewerb "Rose of Tralee" in der irischen Grafschaft Kerry.

"Rose of Tralee" ist der alljährlich neu vergebene Titel für eine junge Frau, die im darauf folgenden Jahr auf einer Welttournee für die Stadt Tralee, das County Kerry und die Republik Irland wirbt. Sie repräsentiert auch das Zusammengehörigkeitsgefühl irischer Auswanderer. Bewerben können sich junge Frauen aus Irland und aus irischen Gemeinden weltweit.

Diadem und Schärpe für Beatrice Beiderwieden, die nun als "Germany Rose" zum großen Wettbewerb nach Tralee reisen darf. Foto: Maik Reuß

Seit 2009, als Tralee offizieller Partner des Höchster Schlossfests war, ist Höchst Austragungsort des bundesdeutschen Vorentscheids.

Beatrice Beiderwieden kann ihr Glück kaum fassen und lässt sich von ihrer Vorgängerin Giulia Kearney die Schärpe umhängen. Und auch ein Krönchen gibt es, ein Diadem, das ihr unter anderem von Jessica Kreuz aufgesetzt wird. Sie war die erste "Germany Rose", die 2009 in Höchst gewählt wurde. Immer wieder kehren auch ehemalige Kandidatinnen gerne zurück nach Höchst, um gemeinsam zu feiern. alf

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