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Joanna Trocczynska verkauft bei ?Resales? in der Elisabethenstraße gebrauchte Kleidung.

Bekleidungsgeschäfte

Große Namen, kleiner Preis: Second Hand boomt in Frankfurt und Umgebung

In Frankfurt und Umgebung gibt es etwa 60 Geschäfte, die mit Gebrauchtem handeln – Mobiltelefone und Elektronik nicht mitgezählt.

Frankfurt - Es muss nicht immer neu sein – der Handel mit Gebrauchtem boomt. Was sich mit Zahlen nur schwer belegen lässt (siehe Box), zeigt sich an den vielen kleinen und großen Läden überall in der Stadt, die mit Waren aus zweiter Hand Geld verdienen. Da sind die Klassiker wie Secondhandkaufhäuser der Wohlfahrtsverbände oder Neufundland, ein Secondhandwarenhaus, das im vergangenen Jahr seinen 25. Geburtstag feiern konnte und das von Möbeln über Kleinelektrogeräte und Haushaltswaren sowie Kleidern alles bieten kann. Dazu kommen die seit Jahren etablierten gewerblichen Secondhandläden in der Stadt.

Bei Aschenputtel an der Kleinmarkthalle bekommt man Designerkleidung, „große Namen zu guten Preisen“, wie Besitzerin Eta Ronder beschreibt. Ihrer Meinung nach ist der Secondhand-Markt sehr, sehr viel größer geworden. Sie profitiert an ihrem Standort von den vielen Touristen aus dem Ausland, die in Frankfurt unterwegs sind. Aber auch andere Secondhandläden wie Carpe Diem, Coco, 13 Shop oder Epiphany tummeln sich in der Innenstadt.

Nachhaltigkeit wichtig

Viele Kunden, denen nachhaltiger und ökologischer Konsum wichtig ist, greifen heutzutage bewusst zu gebrauchter Kleidung. Diesen Trend nutzt das Schweizer Unternehmen Texaid AG, das in der Sachsenhäuser Elisabethenstraße eine seiner Filialen der Marke „Resales“ betreibt. „Ein in Deutschland aufgrund von Modetrends, Passform oder leichtem Verschleiß aussortiertes Kleidungsstück hat im Durchschnitt erst 40 Prozent seines Lebens hinter sich. Das heißt, es ist ein wertvoller Rohstoff, den man im Sinne einer nachhaltigen Wirtschaft weiter nutzen sollte“, begründet das Unternehmen seinen Ansatz.

Texaid arbeitet mit gemeinnützigen Organisationen zusammen und gehört zu den größten Organisationen für das Sammeln, Sortieren und Verwerten gebrauchter Textilien in Europa. 2015 erwirtschaftete Texaid Deutschland, eine 100prozentige Tochter der Schweizer Texaid AG, einen Umsatz von 40 Millionen Euro. Texaid Deutschland betreibt 47 eigene Secondhand-Shops unter der Marke Resales. Neben dem Laden in der Elisabethenstraße gibt es Resales-Geschäfte auch in Mainz, Darmstadt, Offenbach, Frankenthal, Worms und Idar-Oberstein – mit zusammen etwa 3000 Quadratmeter Verkaufsfläche hier in der Region.

Erdacht in Frankfurt

In Frankfurt erfunden und in Frankfurt etabliert ist das Geschäftsmodell, sich ein Regal zu mieten, um eigene abgelegte Schätzchen wieder an den Mann oder die Frau zu bringen. Peter Hofmann von Raus-aus-dem-Keller vermietet Regale in Bockenheim seit neun Jahren. Kunden können hier ihre Schätze zum Verkauf ausstellen, müssen nicht anwesend sein und Kaufwillige können anfassen und ausprobieren, ob das Stück zu ihnen passt. Hofmann beobachtet, dass dieses Konzept immer mehr Menschen anzieht. Studenten finden hier eine Erstausstattung, Schnäppchenjäger das ein oder andere Objekt. Beliebt und im Trend seien gerade Sammeltassen, sagt Hofmann. Die würden dann allerdings benutzt und nicht wie früher in der Vitrine ausgestellt. Er hat Stammkunden sowohl als Mieter und Verkäufer als auch als Käufer. Laut Hofmann schlendern täglich ein- bis zweihundert Menschen durch das Lokal in der Schloßstraße.

Vintage, nicht gebraucht

Schrill, abgefahren und spannend ist das Sortiment im Vintage Revival in Sachsenhausen. Hier gibt es Schulterpolster aus den Achtzigern ebenso wie schrille Farbkombinationen aus den siebziger Jahren. Vintage-Kleidung, aber nicht Secondhand hängt an den Kleiderständern, wie Store-Managerin Sara Spörecke betont. „Wir erforschen die Trends in großen Metropolen und bringen das, was modern wird, in unsere Läden nach Deutschland.“ Anders als sonst in dieser Branche üblich, kann man hier keine abgelegten Kleidungsstücke abgeben; denn die Kollektion, die hier hängt, ist handverlesen und gezielt ausgesucht: Kollektionen an Vintage-Kleidung aus London oder Amsterdam. Baseballjacken, die in Deutschland nur schwer zu bekommen sind und aus den USA importiert werden, auch Jeansjacken mit Teddyfutter oder Burberry-Mäntel seien sehr beliebt bei den deutschen Kunden. Es lässt sich zudem das eine oder andere Designerstück aus alter Zeit finden.

Und dann ist da noch samstags der Flohmarkt am Schaumainkai und jener in der Linleystraße am Osthafen; hier stellen vorwiegend private Verkäufer ihre Verkaufstische auf. Im Sommer sind das am Museumsufer bis zu 350 Verkäufer, in der Lindleystraße bis zu 180. Bei schönem Wetter ist der Markt ein richtiger Publikumsmagnet. Auch der Flohmarkt auf dem Parkplatz der Jahrhunderthalle ist bei den Frankfurtern beliebt.

Vieles kommt zudem über Onlineplattformen wie gebraucht.de, ebay.de oder kleiderkreisel.de in den Handel.

von Dorothee Liebing

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