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Das Haus in der Lyoner Straße 10 in Niederrad wird Deutschlands erstes Wohnheim für Hotelangestellte.

Wohnungsmarkt

Hohe Mieten schrecken viele Bewerber in Frankfurt ab: Lösungen geplant

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Die hohen Mieten in der Stadt sind längst nicht mehr nur für Wohnungssuchende ein Problem. Weil sich viele Menschen das Leben im Ballungsraum kaum mehr leisten können, wird es für Arbeitgeber immer schwieriger, neue Mitarbeiter zu finden. Sie suchen kreative Lösungen.

Eduard Singer kennt das Problem: „Es wird immer schwieriger, neue Mitarbeiter zu gewinnen – weil die Wohnsituation so schwierig ist“, berichtet der Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Frankfurt. Gerade in der Hotellerie seien die Wechselbewegungen groß, ziehen die Mitarbeiter nach einigen Jahren weiter, erklärt der Generaldirektor des Hessischen Hofs. In der Zwischenzeit sind die Mieten längst weiter gestiegen – und potenzielle neue Mitarbeiter finden kaum mehr eine bezahlbare Bleibe.

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Bereits jetzt hat der Hessische Hof ein eigenes Personalhaus in Kronberg, auch in Frankfurt hat das Luxushotel einige Wohnungen angemietet, doch das reicht immer noch nicht. Deshalb geht die Dehoga nun neue Wege: Künftig können sich Hoteliers einmieten in einem umgebauten Bürogebäude in der Lyoner Straße 10 in Niederrad. Die Evan-Gruppe richtet hier bis Ende 2021 kleine Wohnungen ein, 375 an der Zahl – exklusiv für Mitarbeiter aus der Hotellerie und Gastronomie. Das Boarding House wird an rund 30 bis 35 Hotels vermietet, die dann Zimmer an ihre Azubis oder neuen Angestellten vergeben können. „Wir haben keinen Zweifel, dass die Nachfrage groß ist“, sagte Ulrich Beckmann, Managing Director bei Evan.

600 Euro für 19 Quadratmeter Wohnfläche

Knapp 600 Euro kostet ein möbiliertes Zimmer warm, mit kleiner Küche und Bad, 19 Quadratmeter groß. Nach Kenntnis Beckmanns ist es das erste derartige Angebot speziell für Hotels in Deutschland. Evan sieht darin ein Geschäftsmodell, will es in weiteren Städten anbieten.

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Doch längst nicht nur die Hoteliers suchen händeringend Wohnraum für ihren Nachwuchs. Auch die Berta Jourdan Schule hat gerade erst Alarm geschlagen und in einem Offenen Brief Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) in die Pflicht genommen: Rund die Hälfte der 900 Schüler, die dort eine dreijährige Erzieher-Ausbildung absolvieren, haben das Schreiben unterzeichnet. Darin wird auf die drängende Wohnungsnot bei den Schülern hingewiesen. Auch für Studenten wird es in Frankfurt immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden. „Eine wesentliche Hürde“ ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis in Frankfurt einzugehen, sei die Tatsache, dass viele eine Wohnung in der Stadt schlicht nicht finanzieren könnten. Der stellvertretende Schulleiter Michael Baumeister bestätigt: „Viele Interessierte entscheiden sich für Gelnhausen oder Bad Nauheim, wo die Mieten günstiger sind.“

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Mark Gellert, Referent bei Planungsdezernent Mike Josef (SPD), wundert sich nicht über das Engagement der Unternehmen für Wohnraum: „Vor 100 Jahren gab es Werkswohnungen.“ Jetzt besinne man sich, weil die Fachkräfte fehlten, und miete Wohnungen und Micro-Appartements an. „Für die Investoren ist das lukrativ. Aber ich glaube, wir haben inzwischen genug solcher Häuser.“

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Azubi-Wohnheim in Frankfurt geplant

Azubis trifft die Wohnungsknappheit ähnlich hart wie Studenten. Andrea Brandl, Referentin bei Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU), erklärt: „Im Rahmen des Masterplan Industrie erarbeiten wir zurzeit ein Konzept für ein Ausbildungsheim.“

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