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Solche Müllberge wie in der Eichenstraße 75 in Griesheim nerven nicht nur die Anwohner, sondern auch Claudia Gabriel, Chefin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, und FES-Mitarbeiter Gerhard Schuster, der mit seinen Kollegen den ganzen illegal hingeworfenen Dreck wegschaffen „darf“.

Stabsstelle Sauberes Frankfurt

Immer mehr Müll verschandelt die Stadt – Was kann man tun?

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Ob Kaugummi-Flecken auf dem Gehweg, Glasscherben auf der Straße oder Hundekot auf dem Spielplatz: Wer durch die Stadt läuft, stößt überall auf die Hinterlassenschaften rücksichtsloser Zeitgenossen. In unserer Serie "Eine Stadt vermüllt" widmen wir uns diese Woche einem Thema, das zum Himmel stinkt. Wer stoppt die Schmutzfinken? Was kostet die immer aufwendigere Reinigung? Und wo sind die schlimmsten Schmuddelecken?

Frankfurt - Claudia Gabriel mag es gepflegt und ordentlich. Das sieht man ihr an. Und das macht auch die gewählte Art deutlich, in der sie sich ausdrückt – selbst wenn sie über die schmutzigsten Dinge spricht. Die Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt kann aber auch anders. „Es gibt einen Satz, den ich oft höre. Der macht mich richtig wütend“, sagt Gabriel. „Dann halte ich mich nicht mehr zurück.“ Sie hört diesen Satz immer wieder, wenn sie jemanden anspricht, den sie auf frischer Tat ertappt. Einen Mann im Anzug, der nach dem Kneipenabend an eine Hausecke pinkelt. Oder eine Hundehalterin, die sich beim Gassigehen für den beherzten Griff mit dem Plastikbeutel zu schade ist. Der Satz lautet: „Dafür zahl ich doch Steuern.“ Und darauf antwortet Claudia Gabriel so deftig, dass sie nicht möchte, dass ihre Wortwahl in der Zeitung steht.

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Doch im Grunde haben diese Leute recht. Die Stadt gibt immer mehr Steuergeld aus, um Dreck wegzuräumen und Abfall aufzusammeln. Allein in den Frankfurter Parks und Grünanlagen kostete das im vergangen Jahr 1,5 Millionen Euro. Für die Reinigung von Straßen und öffentlichen Plätzen werden die Anwohner direkt zur Kasse gebeten. Bei den besonders vermüllten Innenstadt-Straßen ist diese Gebühr sechs mal so hoch wie in anderen Stadtteilen.

Mehr Mülleimer in Frankfurt helfen nicht

Pizzakartons, Zigarettenstummel oder Kaffeebecher – die sogenannten Kleinabfälle sind das größte Problem. „Der Nutzungsdruck auf den öffentlichen Raum hat in Frankfurt stark zugenommen“, erklärt die Stabsstellenleiterin Gabriel. Wo mehr Menschen unterwegs sind, sich zum Feiern im Freien treffen, fällt auch mehr Müll an. Nur: Warum landet er nicht dort, wo er hingehört? „Wir haben 1000 neue Mülleimer aufgestellt, insgesamt sind es jetzt mehr als 8000“, sagt Claudia Gabriel. „Aber das ist ein Einstellungsproblem. Früher haben die Eltern ihrem Kind gesagt, dass es das heruntergefallene Bonbonpapier sofort wieder aufheben soll. Heute laufen sie nebenher und lassen selbst Zigarettenverpackung einfach auf den Boden fallen.“

Ob Kleinabfälle, Sperrmüll oder sonstiger Abfall – die Zahl der Bußgeldverfahren sind im Vergleich zu 2010 als dürftig zu bezeichnen.

Die Stabsstelle Sauberes Frankfurt setzt daher vor allem auf Aufklärung und Überzeugung. „Unser großes Ziel ist eine Bewusstseinsveränderung zum Thema Sauberkeit und Nachhaltigkeit“, sagt die stellvertretende Leiterin Dagmar Schöne. Videoclips mit Prominenten, Postkarten, Infostände und 23 junge „Sauberkeitsbotschafter“ sollen Bürger überzeugen, dass es besser ist, seinen Müll richtig zu entsorgen. Oder besser noch: weniger Müll zu produzieren. Mit wiederbefüllbaren Kaffeebechern zum Beispiel. Auch dafür setzt sich die im Umweltdezernat angesiedelte Stabsstelle ein. Ein wirksames Mittel zur Überzeugung wird in Frankfurt aber nicht mehr so häufig genutzt: Trotz einer steigenden Zahl von Müllsündern ist die Zahl der verhängten Geldbußen rückläufig. Welcher Jugendliche weiß, dass es 30 Euro kostet, einen Kaugummi auf den Boden zu spucken? Und welcher Tierfreund musste jemals die für hinterlassenen Hundekot vorgesehen 90 Euro zahlen?

Kaum Bußgeld wegen Hundekot verordnet

Aktuelle Zahlen des städtischen Ordnungsamts zeigen das Problem. Nur drei Bußgeldverfahren wegen Hundekot sind aus dem Jahr 2018 verzeichnet. Für Kleinabfälle wie Zigarettenkippen, Kaugummi oder Flaschen (30 Euro Verwarnungsgeld) sind es 57 Fälle aus dem vergangenen Jahr. Die Zahlen sind unscharf. Wenn die offizielle stadtpolizeiliche Statistik für 2018 im Frühjahr veröffentlicht wird, werden wohl noch ein paar Fälle mehr enthalten sein, sagt Ordnungsamtssprecher Michael Jenisch. „Denn bei unserer aktuellen Abfrage sind manche Verfahren aus 2018, die bereits abgeschlossen sind, nicht mehr enthalten. In der Statistik werden sie aber mitgezählt.“  Doch auf einen Wert wie 2010, als das Ordnungsamt allein wegen Kleinabfällen gegen 235 Müllsünder vorgegangen ist, wird die neue Statistik sicher nicht kommen.

Dabei hat die Vermüllung von Parks, Straßen und Plätzen zugenommen. Ein Spaziergang am Mainufer genügt, um das festzustellen.

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