Züge wurden umgeleitet, für Reisende bedeutete das Umwege.

Entwarnung

Kampfmittelräumdienst macht Blindgänger schnell unschädlich - 16 500 Personen evakuiert

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  • Sabine Schramek
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Frankfurt/Hessen: Eine 500-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde gestern im Ostend erfolgreich entschärft. Rund 16 500 Menschen musste ihre Wohnungen verlassen, der Zoo blieb geschlossen. 

Frankfurt.  Am Ende ging es ziemlich schnell. René Bennert und seinem Team vom Kampfmittelräumdienst gelang es, die beiden Zünder der 500-Kilo-Bombe herauszudrehen. Sie nutzen dafür die Raketenklemme, ein pyrotechnisch angetriebenes Schraubwerkzeug, dass aus sicherer Deckung ferngezündet wird. Zwei mal knallte es leicht, dann war der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Er wurde zum Abtransport verladen. Und Bennert setzte sich an das Steuer seines Autos, winkte aus dem Fenster und rief "Tschüss, bis zum nächsten Mal!"

Großeinsatz Evakuierung: Dutzende Polizeiautos, hunderte Einsatzkräfte

Vor knapp zwei Wochen war die Bombe auf einer Baustelle an der Kreuzung Eytelweinstraße/Mayfarthstraße gefunden worden. Zur Entschärfung am Sonntag rückten Bennert und sein Team am frühen Morgen an. Dutzende Polizeiautos fuhren mit Lautsprecherdurchsagen durch das Areal rund um den Fundort nahe der Europäischen Zentralbank, um die Bewohner aufzufordern, ihre Wohnungen zu verlassen. Ab acht Uhr in der Früh galten weite Teile des Ostends und ein Teil Sachsenhausen als Sperrzone. Niemand dufte sich dort aufhalten.

Rund 16 500 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Die Feuerwehr transportierte mobilitätseingeschränkte Personen aus dem Gebiet heraus, brachte sie ins Zoo-Gesellschaftshaus, wo eine Notunterkunft für all diejenigen eingerichtet war, die nicht bei Familie oder Freunden unterkommen konnten. Die Polizei stellte Straßensperren auf, überprüfte rund 1000 Hausnummern, klingelte an den Türen. Auch ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera war im Einsatz. Kneipen, Hotels, die Tankstelle - alles hatte geschlossen.

Verschlafen verließen die Bewohner ihre Wohnungen, bepackt mit Rollkoffern, großen Taschen und Rucksäcken. Unter ihnen sind auch Ioannis Tsangalis und Terttu Kääriäinen. Sie wohnen in der Schichaustraße, sind auf dem Weg zu ihrem Restaurant "Jannis", das ebenfalls in der Sperrzone liegt. "Wir packen noch schnell Proviant ein, dann gehen wir mit unserem Hund und den Söhnen frühstücken, fahren an einen See und nachmittags sind wir bei Freunden zum Grillen eingeladen", sagt Tsangalis. "Und hoffentlich ist die Sperrzone um 18 Uhr wieder aufgehoben, dann können wir unser Restaurant pünktlich wieder öffnen." In ihre großen Taschen haben sie bereits alle wichtigen Dokumente und Wertsache wie wertvollen Familienschmuck verstaut. "Wir haben keine Angst", sagt Kääriäinen. "Aber es kann natürlich immer etwas passieren."

Manche von Evakuierung überrascht: Nicht jeder war informiert

Nicht alle waren so gut informiert, wie das griechisch-finnische Paar. "Was ist denn los?", fragte ein Mann ganz erstaunt. Evakuierung? Bombe? Nein, davon habe er noch nicht gehört. Die Polizisten sahen's gelassen, baten die Menschen höflich, die Gefahrenzone zu verlassen.

"Unser Einsatz ist sehr gut gelaufen", sagte Polizeisprecherin Chantal Emch. "Die meisten Menschen waren sehr kooperativ." Nur wenige seien noch in der Sperrzone angetroffen worden. "Und eigentlich waren sie dann schon auf dem Weg nach draußen." Nur zwei Personen hätten nicht so recht gehen wollen, sie mussten von der Polizei aus der Zone hinausbegleitet werden. Dadurch hatte sich der Beginn der Entschärfung um fast zwei Stunden verzögert. Derweil warteten rund 300 Menschen im Zoogesellschaftshaus darauf, dass sie wieder zurück nach Hause konnten. Während sich einige in eine Ecke zurückgezogen hatten, um noch mal kurz zu dösen, holten sich andere etwas zu essen und trinken, telefonierten oder unterhielten sich mit Leidensgenossen. Kinder spielten fangen oder Karten, einige malten. Mittendrin saßen Conny von Schumann und Sigrid Schaar. Sie trugen lilafarbene Westen mit der Aufschrift Notfallseelsorge. "Wir sind für diejenigen da, denen es schlecht geht. Für Ihre Seele" sagte von Schumann. "Wir bieten uns zum Zuhören an." Für ältere Menschen, die als Kinder den Krieg erlebt haben, damals ihre Häuser räumen mussten. Oder für Kriegsflüchtlinge, die bei dem Wort Bombe Angst bekommen.

Enttäuschte Zoobesucher: Zoo zum erstem Mal seit 2. Weltkrieg geschlossen

Vor dem Zoo-Gesellschaftshaus mussten Mitarbeiter der Wasserwacht immer wieder Familien vertrösten, die mit ihren Kindern in den Zoo wollten. Der war geschlossen - zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg. "Aber ich wollte doch die Löwen sehen", sagte ein kleiner Junge mit Tränen in den Augen. Doch die Tiere mussten an diesem Tag in ihren Häusern bleiben. "Damit sie bei einem lauten Knall durch eine Explosion nicht in Panik geraten", erklärte eine Zoo-Sprecherin.

Auch auf den Verkehr wirkte sich die Entschärfung aus. Fernzüge und S-Bahnen wurden umgeleitet oder fuhren Stationen in der Sperrzone nicht an. Schiffe auf dem Main verkehrten nicht. Eine Landebahn am Flughafen wurde gesperrt.

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