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Permanent in Bewegung: „Die Fantastischen Vier“ auf der Bühne der bis auf den letzten Stehplatz gefüllten Festhalle.

Hiphop-Show

Das war das Konzert der Fantastischen Vier in der Frankfurter Festhalle

Die Band wird im Sommer 2019 30 Jahre alt. 1989 traten die vier blutjungen Schwaben erstmals auf die Bühne.

Frankfurt - Der erste Auftritt fand statt auf einer selbstgezimmerten Bühne aus Europaletten in einem ehemaligen Kindergarten in Stuttgart-Wangen. Dauerkappenträger Michi Beck erinnert an diesen denkwürdigen Moment, als er kurz vor dem Finale in der ausverkauften Festhalle die frohe Kunde mitteilt: „Wir werden diesen Sommer 30 Jahre alt – und können das selbst kaum glauben!“

Zu jenem Zeitpunkt sind die üppigen weißen Konfetti-Kaskaden zum finalen „Zusammen“ – eine weitere Hymne auf die innige Verbundenheit zwischen den „Fantis“ und ihrer treuen Anhängerschaft – schon auf den vorderen Teil der rund 12 000 Besucher in Frankfurts Guter Stube herniedergeprasselt. Ganze 33 Songs – drei weitere folgen noch – liegen bereits hinter der daueragilen Mikrofon-Frontsturmtruppe Smudo, Thomas D und Michi Beck samt der von Keyboarder und Produzent And.Ypsilon angeführten Instrumentalistenriege. Mehr als zwei Stunden stehen die umgemein rüstigen Musiker, die mittlerweile ein Durschnittsalter um die 50 erreicht haben, ohne Atempause im Rampenlicht. Das ist es, was die riesige Fangemeinde, deren Generationenspanne mittlerweile vom Grundschul- bis zum Pensionsalter reicht, nach alter „Fanta 4“-Tradition erwartet: nichts Geringeres als einen Non-Stopp-Exzess der Superlative.

Alle auf den Beinen

Schon zum Auftakt mit dem Titelsong vom aktuellen zehnten Studioalbum „Captain Fantastic“ gibt es auch auf den beiden komplett ausgelasteten Sitzrängen praktisch nur noch Stehplätze. Im bis ganz ans Hallendende voll besetzten Innenraum befinden sich ja eh alle schon auf den Beinen. Nur gut, dass diverse riesige Projektionsflächen das Bühnengeschehen bis in den letzten Winkel übertragen. Besser könnte die Stimmung bei so einem gigantischen Arenenspektakel kaum sein.

Smudo, seit Jugendtagen Texter und Rapper der Band.

Auf Betriebstemperatur brachte die partywillige Besucherschar im Vorfeld rund eine Stunde lang Produzent und DJ Thomilla. Damit der kollektive Schwofpegel sich im oberen Bereich hält, feuern „Die Fantastischen Vier“ von Anfang an aus sämtlichen Rohren.

In das für Festhallen-Verhältnisse einigermaßen erträgliche Klangbild reiht das anfänglich noch in Bomberjacken gehüllte Kern-Triumvirat Hits, Ohrwürmer und Fanfavoriten nahtlos aneinander – in drei Dekaden Bandgeschichte sammelt sich ja allerhand an: Jugendlicher Übermut kennzeichnet Frühwerke wie „Was geht?“, „Jetzt geht’s ab“ und „Sie ist weg“. Für den urfröhlichen 92er Durchbruchshit „Die da?! (Ist es die da? Nein, freitags ist sie nie da)“ zieht Hausmeister Thomas D noch einmal das gleiche Brillenmodell auf, das er seinerzeit auf dem Cover der „Bravo“ trug.

Der „Bravo“-Poster-Boy

Gespielt entrüstet fragt er: „Ich seh’ doch noch genauso aus wie ’92 auf der ,Bravo‘, oder?“ Allerdings behält Thomas, ungewohnt für ihn, da er ja auf der Bühne am liebsten oberkörperfrei agiert, den ganzen Abend lang sein schwarzes T-Shirt an. Mit manisch zelebriertem „Yeah Yeah Yeah“, bei dem die gesamte Festhalle quasi kopfsteht, zollt die Truppe nicht nur dem gleichnamigen Songfavoriten seinen Tribut, sondern ein Stück weit auch den Liverpooler Fab Four, den unverwüstlichen „Beatles“, deren Kennzeichen der markige Rock-Urschrei ja ist. In dem Song „Die Stadt, die es nicht gibt“ tummelt sich das legendäre Original-Sample von Hildegard Knefs surrealistischem 70er-Jahre- Klassiker „Im 80. Stockwerk“. Für das balladeske „Tag am Meer“ greifen Smudo, Michi und Thomas zu Helium, um ihren Stimmen ein falsettartiges Micky-Maus-Timbre zu verpassen. Bei „Buenos Dias Messias“ liefern sich Smudo und Thomas zur Ennio-Morricone-Gitarre einen pantomimischen Western-Showdown mit imaginär gezückten Pistolen.

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Mutig wagt sich Smudo bei „Typisch ich“ ins dichgedrängte Publikum, um unter einer in die Höhe aufsteigenden Discokugel ein Tänzchen auf dem Parkett hinzulegen. Die einzige gerappte Zeile von Tüftler And.Ypsilon erzeugt euphorischen Jubel. Weitere Glanzlichter liefern „Das ist mein Ding“, „Dann mach doch mal“, „Ernten was wir säen“ und „Gebt uns ruhig die Schuld (den Rest könnt ihr behalten)“.

Nicht nur beim Akronymen-Stakkato von „MfG“ wird es gelegentlich politisch. Smudo unterstreicht beim launigen Plaudern, dass wir Deutsche uns nicht trennen und spalten lassen sollten.

Danke für alles

Im letzten Drittel sagen „Die Fantastischen Vier“ schlicht „Danke“, führen in den „Tunnel“ und beschwören in „Ichisichisichisich“ einmal mehr ihr idyllisches Quartett-Dasein.

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Ganz am Ende, nachdem auch der Zugabenteil mit „Moduland.Y“, „Hitisn“, „Troy“ samt goldenem Luftschlangenbeschuss abgehakt ist, greift Michi Beck Smudos antizipierten Ansatz von Friede und Freiheit noch einmal auf, als er zum Abschied mit auf den Weg gibt: „Vergesst bitte nicht – nur Liebe, keinen Hass!“

von Maximilian Steiner

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