+
Mit einem gepackten Koffer verlässt der Künstler Radames Eger das Gelände am Wasserturm. Foto: Christoph Boeckheler

Aktion für Obdachlose

Nach Besetzung: Künstler Radames Eger muss den Wasserturm im Gallus räumen

Mit der Besetzung des Wasserturms im Gallus wollte Radames Eger auf das Leid von Obdachlosen im Winter aufmerksam machen. Jetzt ist Schluss damit. Heute muss der Künstler den Wasserturm räumen.

Frankfurt - Radames Eger hat dieser Tage viel zu tun, schließlich gibt es eine Menge zusammenzupacken, sagt der Künstler. Eger muss ausziehen, raus aus dem alten Wasserturm, den er besetzt hatte, um auf das Leid von Obdachlosen im Winter aufmerksam zu machen. Gleichzeitig beherbergte er einige von ihnen in den alten Gemäuern. Bis heute aber muss er den Turm räumen. „Ich werde freiwillig gehen und keinen Widerstand leisten“, erklärt der 35-Jährige, der selbst eine Zeit lang in Berlin auf der Straße lebte. Ein paar Dinge wird er allerdings zunächst zurücklassen müssen. „Ich habe so viele Sachen hier, die kann ich nicht alleine wegschaffen.“ Die Regenschirme, die Eger vor dem Turm aufgestellt hat und an Obdachlose erinnern sollen, die auf der Straße gestorben sind, stehen noch da. Die will er als Letztes verpacken.

Für 8 Uhr heute Morgen haben sich Mitarbeiter des Grünflächenamts, das den Turm verwaltet, angemeldet. Sie wollen das Schloss austauschen, damit Eger keinen Zutritt mehr bekommt. Der Künstler will in der Zeit eine kleine Demo vor dem Turm, der zwischen Schienen und einer Großbaustelle an der Europaallee liegt, veranstalten. Vielleicht einen Beamer aufstellen und Fotos daran werfen.

Er sei schon traurig, sagt der gebürtige Brasilianer. „Vor allem für die Menschen.“ Er meint die sechs Obdachlosen, die im Moment mit ihm den Turm bewohnen. Dass die Stadt genügend Möglichkeiten für Menschen auf der Straße anbiete, streite er nicht ab. Doch für einige seien die Unterkünfte nicht das Richtige. In seinem Turm gebe es nicht nur Schutz von Kälte. Man habe geredet, musiziert.

Lesen Sie auch: Künstler hilft Obdachlosen: Er will auf das Elend in Großstädten aufmerksam machen

Zwei Monate hat er den Turm als Atelier genutzt, aber nur drei Wochen davon öffentlich. Gerne wäre er den Winter über geblieben. Doch das Grünflächenamt hält das Bauwerk für nicht geeignet, Strom, Wasser, Toiletten, all das fehle.

Trotz allem glaubt der Designer, dass seine Aktion erfolgreich war. Sie habe vielen noch mal die Situation der Obdachlosen vor Augen geführt. „Vielleicht schauen die Leute nun nicht mehr weg.“ Auch im Internet trifft Egers Aktion auf breite Zustimmung. „Gäbe es mehr Leute wie ihn, die Welt wäre ein besserer Ort“, schreibt einer. „Eger ist schon eine coole Socke. Unterstützenswert“, ein anderer.

Das motiviert Radames Eger. Er sagt: „Man wird von mir hören, ich bin Künstler. Ich finde sicherlich einen anderen Ort.“

(jkö,jlo)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare