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In 250 Meter Höhe hängt ein junger Mann am Omniturm.

Roofing

Wie Menschen für spektakuläre Bilder ihr Leben riskieren 

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Beim „Roofing“ klettern Menschen ungesichert auf hohe Gebäude, um von dort aus spektakuläre Bilder zu machen. Für dieses intensive aber extrem gefährliche Erlebnis setzen sie jedes mal ihr Leben aufs Spiel.

Nur noch mit seinen zwei Händen hält sich ein junger Mann in etwa 250 Meter Höhe an dem Kran am Omniturm in Frankfurt fest. Unter ihm die Tiefe. Er ist komplett ungesichert, sein Gesicht zur Hälfte von einem Tuch verdeckt. Für ihn wohl ein Kick.

„Roofing“ (Dachspitzen-Klettern) nennt sich diese Art „Extremsport“, bei dem Menschen ungesichert auf hohe Gebäude, Brücken oder Kräne klettern und sich dort an den höchsten Punkten fotografieren oder Videos von den gefährlichen Stunts machen. „Roof“ ist das Englische Wort für Dach.

Roofing hat eine große Fangemeinde

Ungesichert, nur mit einer Kamera ausgestattet, geht es nach oben.

Im Internet werden diese Videos und Bilder präsentiert und tausendfach angeschaut. So auch bei diesem Beispiel in Frankfurt vor etwa fünf Monaten. Etwa 2000 Aufrufe hat das Video bei Youtube schon. „Die Aussicht war mega“ steht in der Beschreibung, dazu aber auch ein Hinweis, wie lebensbedrohlich solche Aktionen sind und, dass sie auf keinen Fall nachgemacht werden sollen. Die Gefahren scheinen den „Roofern“ also klar zu sein, die Faszination und der Nervenkitzel jedoch größer.

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Ein „Roofer“ klettert auf die 300 Meter hohe Spitze des Commerzbank-Gebäudes.

„Waghalsig“, „lebensgefährlich“ und auch „strafbar“, nennt Andrew McCormack, Pressesprecher vom Polizeipräsidium Frankfurt solche Aktionen. „Ich glaube das Phänomen ,Roofing’ kommt ursprünglich aus Russland“, sagt er. Dabei ginge es vor allem um Selbstdarstellung, Nervenkitzel und spektakuläre Bilder. Oft handele es sich bei den „Roofern“ um junge Männer im Schul- oder Oberstufenalter, die bei den Kletteraktionen jedes mal ihr Leben aufs Spiel setzen. „Auf solch hohen Gebäuden, herrscht eine höhere Luftfeuchtigkeit, da können schnell mal auf dem Boden Pfützen entstehen und dann muss man nur einen falschen Schritt machen“, sagt McCormack. Auch sehe es oftmals nicht so aus, als ob die „Roofer“ Klettererfahrung hätten. Ungesichert und mit der Kamera in der Hand balancieren sie in vielen Videos über die Kanten der Dächer oder auf den oft dünnen Metallstreben der Kräne entlang. Ein extrem gefährliches Hobby, was ebenfalls strafbar ist.

Ein „Roofer“ klettert auf die 300 Meter hohe Spitze des Commerzbank-Gebäudes.

Roofing ist meist Hausfriedensbruch

Sich unerlaubt Zugang zu einem privaten oder öffentlichem Gebäude zu machen, ist nach Paragraf 123 Hausfriedensbruch und kann eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe nach sich ziehen. Meist werde sich laut McCormack illegal Zugang zu Gebäuden verschafft, dabei Türen oder Fenster beschädigt oder Wände beim Hochklettern verschmutzt. Falls dabei noch eine Drohne ohne Genehmigung benutzt werde, kämen noch weitere Strafen hinzu.

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Auf die Spur kommen die Beamten den „Roofern“ oft ohne großen Aufwand durch die selbst aufgezeichneten und ins Internet gestellten Aufnahmen und können ausfindig gemacht werden – auch wenn sie nur vermummt zu sehen sind.

Gegen die jungen Männer in den Videos aus Frankfurt werde nun polizeilich ermittelt. Auch im vergangenen Jahr habe es laut McCormack in Frankfurt schon Fälle von „Roofing“ gegeben. Häufig komme so etwas jedoch nicht vor. Falls es eine „Roofing“-Szene im Raum Frankfurt gebe, sei diese laut McCormack wohl nicht sehr groß. Todesfälle seien ihm in Frankfurt bisher auch nicht bekannt, in Deutschland und auch im Ausland habe es jedoch schon tödliche Unfällen durch „Roofing“ gegeben.

Über den Dächern Frankfurts: Für eine einzigartige Aufnahme setzen „Roofer“ beim ungesicherten Klettern auf Hochhäuser ihr Leben aufs Spiel.

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