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Für Mathias Müller war es seine letzte Neujahrsansprache als IHK-Präsident. Seine Amtszeit endet. Seine Botschaft: Frankfurt und die Rhein-Main-Region verdanken ihren wirtschaftlichen Erfolg der Internationalität. Dafür gab es Applaus.

Brexit, Europawahl, Handelsstreit

Das war der Neujahrempfang der Industrie und Handelskammer Frankfurt

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Brexit, Europawahl und der Handelsstreit zwischen China und den USA: Beim Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer Frankfurt standen gestern Abend die großen geopolitischen Herausforderungen im Mittelpunkt. Ministerpräsident Volker Bouffier versuchte Ruhe und Verlässlichkeit auszustrahlen und forderte mehr Bereitschaft zum demokratischen Kompromiss.

Digitalministerin Kristina Sinemus machte neben Ministerpräsident Volker Bouffier eine gute Figur.

Frankfurt - Auf Englisch begrüßte Mathias Müller seine prominenten Gäste aus Politik und Wirtschaft: „Welcome to Frankfurt, the economic powerhouse of Germany“, rief der scheidende Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) in den voll besetzten Saal. Müller wechselte dann zwar bald in seine Muttersprache. Doch die zentrale Botschaft seiner Rede blieb auch auf Deutsch dieselbe: Frankfurt und die Rhein-Main-Region verdanken ihren wirtschaftlichen Erfolg der Internationalität. Angesichts der politischen Großwetterlage müsse alles dafür getan werden, dass dies auch so bleibe, sagte Müller.

Er warnte vor den Verwerfungen, die der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) auslöst. „Für unsere Unternehmen werden die Schleifspuren von Tag zu Tag sichtbarer“, sagte er. Nun seien alle gefordert, dafür Sorge zu tragen, dass bei der Europawahl im Mai „antieuropäische Interessen nicht mehrheitsfähig werden“.

Auch der frisch wiedergewählte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ging als Gastredner auf die sich am Horizont der EU zusammenbrauenden Stürme ein. „Wenn wir nicht wollen, dass die Vereinigten Staaten und China die Regeln bestimmen, müssen wir dafür sorgen, dass Europa beieinander bleibt und wahrnehmbar wird“, mahnte er. An die IHK-Mitglieder im Saal appellierte er, als „verantwortliche Wirtschaftsführer“ für Europa zu trommeln.

Bouffier forderte auch ein „Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft“, die Ludwig Erhard in diesem Haus begründet und durchgesetzt habe. Sie sei nicht nur ein Wirtschafts-, sondern auch ein Gesellschaftsmodell, das Freiheit und Verantwortung zusammenbringe.

Gut gelaunt war OB Peter Feldmann (rechts) mit Mathias Müller.

„Es kann kein starkes Land geben, ohne eine starke Wirtschaft“, sagte Bouffier. „Deshalb muss der Finanzplatz Frankfurt gestärkt werden und der Flughafen wettbewerbsfähig bleiben, auch in einem stark verdichteten Gebiet.“ Aus dem neuen schwarz-grünen Koalitionsvertrag brachte der Landesvater die Idee einer „kleinen Expo“ für Frankfurt mit – als „Vorschlag wie wir diese Metropolregion voranbringen wollen“.

Zum politischen Klima in Deutschland sagte der Ministerpräsident, er wünsche sich mehr Bereitschaft zum Kompromiss. Es mangele am Willen, anderen zuzuhören. „Die Suche nach dem tragfähigen Kompromiss ist im Sinne des demokratischen Diskurses. Das ist der Geist, der unsere Koalition beflügelt.“ Es gelang Bouffier dabei jene Ruhe und Verlässlichkeit auszustrahlen, mit der er gerade in stürmischen Zeiten um Vertrauen wirbt.

Landtagspräsident Boris Rhein, der Landrat des Hochtaunuskreises Ulrich Krebs und Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (v.l.).

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) lobte das Frankfurter Lebensgefühl, das sich bei der Eintracht-Pokalfeier und der Eröffnung der neuen Altstadt gezeigt habe. „Die Eintrachtfans haben recht gehabt, die Altstadtfans haben recht gehabt. Die Wirtschaft hat’s umgesetzt“, sagte Feldmann. „Frankfurt boomt.“ Doch es stelle sich auch die Frage: „Welche Opfer sind wir bereit für diese Entwicklung zu zahlen?“

Die Stadt rücke zusammen, sagte Feldmann in Bezug auf den wachsenden Wohnraumbedarf. „Das geht nicht ohne Diskussionen.“ Nachbargemeinden und Landwirte würden jedoch die „Bereitschaft zum Mitmachen“ zeigen, wenn es konkret werde.

Die regionale Zusammenarbeit, ein Schlüsselthema des IHK-Präsidenten Müller, bezeichnete auch Feldmann als entscheidend. Der Oberbürgermeister dankte Müller ausdrücklich für dessen Einsatz bei der gemeinsamen internationalen Vermarktung der Metropolregion.

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