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Mit einer Gute-Nacht-Geschichte lässt es sich gleich viel besser einschlafen: In dieser Nacht-Kita in Flensburg liest r Wiebke Rüdig ihren beiden Töchtern Skady-Lee (10) und Lucy-Mae (6) vor, bevor sie sich verabschiedet.

Debatte

So reagieren die Frankfurter auf die Idee einer Nacht-Kita

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Die Idee der Römer-Koalition, eine 24-Stunden-Kita für Frankfurt zu prüfen, wird im Internet kontrovers diskutiert. Lena Homberger könnte sich gut vorstellen, ihre Tochter auch über Nacht in einer Einrichtung betreuen zu lassen. Sie und ihr Mann arbeiten beide im Schichtdienst.

„Dann braucht man keine Kinder mehr in die Welt zu setzen!“ – „Kinder gehören nachts zu ihren Eltern.“ – „Da werden Kinder in die Welt gesetzt, um sie dann in der Kita zu parken.“ – „Genießt die Zeit lieber mit den Kindern.“ – „Familien bei der Erziehung zu unterstützen, fängt bei Arbeitszeit und mehr Gehalt an.“

Unser Artikel über die Idee der Römer-Koalition, für Frankfurt eine 24-Stunden-Kita prüfen zu lassen, wird in den sozialen Medien wie Facebook kontrovers diskutiert. Neben zahlreichen negativen Kommentaren gibt es durchaus auch positives Feedback. „Alleinerziehende Krankenschwestern könnten endlich wieder flexibel arbeiten“, schreibt etwa eine Facebook-Nutzerin. Und unsere Leserin Lena Homberger kommentiert: „Es wäre eine deutliche Entlastung.“

Klassische Kita-Öffnungszeiten problematisch für Eltern im Schichtdienst

Lena Homberger weiß, wovon sie spricht. Sie und ihr Mann arbeiten beide im Schichtdienst. Sie ist Rettungssanitäterin, er ist Oberarzt. Sprich: Wenn das Gros der Frankfurter Kindertagesstätten um 7.30 Uhr öffnet, müssen sie längst an der Arbeit sein. Und wenn die Kitas um 17 Uhr schließen, dann sind sie entweder noch im Dienst oder die Nachtschicht fängt bald an. Doch wer kümmert sich um die eineinhalbjährige Tochter? Helfen könnten da Nacht-Kitas, die rund um die Uhr geöffnet haben, wo die Sprösslinge auch nachts bleiben können. Solch ein Projekt will die Römer-Koalition aus CDU, SPD und Grünen für Frankfurt prüfen lassen.

„Als Betroffene muss ich sagen, dass ich die Idee sehr gut finde“, sagt Lena Homberger. „Das heißt nicht, dass ich meine Tochter 24 Stunden abschieben will. Es würde unser Leben aber erheblich entspannen.“ Denn wenn kurz vor Dienstende noch ein Einsatz reinkommt, könne sie ja nicht einfach sagen: „Sorry, ich bin dann mal weg, mein Kind holen.“ Und da fangen die Probleme dann eben an. Wer holt die Tochter? Wer kümmert sich um sie? Können Oma und Opa kurzfristig einspringen? Oder kann die Tochter länger bei der Tagesmutter bleiben? „Man braucht ein großes Organisationstalent, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen“, sagt die junge Mutter.

Kita-Betreuungszeiten an der Realität vorbei geplant

Wenn Lena Homberger früh morgens um 6.50 Uhr auf der Arbeit sein muss, bringt ihr Mann die Tochter um 7 Uhr zur Tagesmutter. Nach dem Dienst holt sie dann die Kleine ab. Hat sie Nachtschicht, ist ihr Mann zu Hause. Die Dienstpläne für die kommenden Monate haben die beiden schon miteinander abgestimmt, damit immer jemand für die Tochter da ist. „Anders geht es nicht“, sagt Homberger. „Das eigene Leben bleibt dabei aber manchmal auf der Strecke.“ Vor allem die Ehe. Gemeinsame Zeit ist selten. Außer einem kurzen „Hallo“ und „Tschüss“ sehe sie ihren Mann manchmal zwei Tage lang nicht. „Eine Nacht-Kita könnte uns wirklich helfen. Oder zumindest flexiblere Öffnungszeiten. Da wird heutzutage noch völlig an der Realität vorbeigeplant.“

Infobox: Woher sollen all die Erzieher kommen?

Der städtische Eigenbetrieb Kita Frankfurt und die freien Träger haben ein Konzept entwickelt, wie sie gemeinsam Fachkräfte gewinnen wollen. Das Ergebnis:

- Es soll eine gemeinsame Imagekampagne unter Federführung des Stadtschulamtes geben mit der Botschaft: Frankfurt ist attraktiv als Lebensort. Frankfurt ist aber auch der Ort der Aus- und Weiterbildung.

- Finanzieller Anreiz durch kostenfreies Jobticket.

- Unterstützung bei der Suche von Wohnraum.

- Einrichtung einer Koordinierungsstelle. Diese soll die Werbemaßnahmen initiieren und steuern, aber auch ganz konkret beraten.

- Einbeziehen der Fachschulen, um mehr Angebote für Ausbildung, Weiterbildung und Quereinstieg generieren zu können.

- Einbeziehen von Volkshochschule, Jobcenter und Arbeitsagentur, um die Anzahl von Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten für Quereinsteiger und Fachkräfte zu erhöhen.

„Wir sind an dem Thema dran“, sagt eine Sprecherin von Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD). „Die Gewinnung von Fachkräften hat höchste Priorität.“ jlo

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