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Affen im Frankfurter Zoo.

Verantwortliche lehnen Vorstoß ab

Regionalverbandschef will den Frankfurter Zoo von der Innenstadt in den Nordwesten verlegen

Die Idee, den Zoo an den Stadtrand zu verlagern, ist nicht neu. Neuerlich ins Gespräch gebracht hat sie Thomas Horn, Direktor des Regionalverbands. Die Verantwortlichen in Frankfurt indes lehnen den Vorstoß kategorisch ab.

Frankfurt - Die einen nennen es einen verfrühten Aprilscherz, die anderen sprechen von einer Schnapsidee: Im Römer finden sie deutliche Worte für den Vorstoß von Regionalverbandsdirektor Thomas Horn, den Frankfurter Zoo in den Nordwesten der Stadt zu verlegen. „Das ist nicht in unserem Sinne“, betont Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), dass eine Verlegung des Zoos für Frankfurt nicht in Frage komme.

Nicht nochmal Stillstand

Auch Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), in deren Zuständigkeit der Zoo fällt, wiegelt ab: „Eine Verlegung des Zoos an den Stadtrand liegt nicht in meinem Interesse. Im Gegenteil, wir treiben die Entwicklung des Zoos weiter voran.“ Natürlich gebe es einen großen Sanierungsstau im Zoo. Dieser sei aber überhaupt erst entstanden, weil jahrelang über eine mögliche Verlagerung an den Stadtrand nachgedacht wurde. „Das hat damals zu einem kompletten Stillstand im Zoo geführt“, erinnert Hartwig und mahnt: „Das darf sich nicht wiederholen!“

FNP-Infografik

Erst seit sich die Stadt „ganz bewusst“ für ihren Innenstadt-Zoo entschieden habe, wurde dort wieder investiert, betont auch Gellert. In den vergangenen zehn Jahren sind 30 Millionen Euro in den neuen Zoo-Eingang, die Bärenanlage, den Borgori-Wald, die Quarantänestation und in die Pinguinanlage geflossen. Gerade erarbeitet Zoodirektor Miguel Casares zusammen mit Hartwigs Dezernat einen Masterplan, wie auch die übrigen, sanierungsbedürftigen Tiergehege modernisiert werden können.

Sorge gibt es aktuell um den Menschenaffen Bili, der noch bis November im Frankfurter Zoo lebte. Im Zoo Wuppertal, seiner neuen Heimat, wird es von seinen Artgenossen schwer misshandelt. 

Keine Perspektive für Zoo am jetzigen Standort

Horn indes sieht für den Zoo am jetzigen Standort „keine Perspektive“: Es gebe keine Möglichkeit, den mit nur elf Hektar extrem kleinen Zoo zu erweitern, es fehlten Parkplätze, und zwei Drittel der Gebäude müssten dringend saniert werden. Auch die Artenvielfalt sei überschaubar. „Während die Eintracht in der Europa League spielt, kämpft der Frankfurter Zoo um den Erhalt in der zweiten Liga“, sagt Horn. Im europäischen Ranking der 120 besten Zoos tauche Frankfurt gar nicht auf.

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Dass der Verbandschef ausgerechnet die Fläche zwischen der A 5 und Steinbach als neuen Standort ins Gespräch bringt, also just das Areal, auf dem der neue Frankfurter Stadtteil Josefstadt entstehen soll – im Römer nimmt man das fast schon amüsiert zur Kenntnis. Immerhin hatte der Regionalverband bisher zahlreiche Bedenken gegenüber einer Bebauung der Ackerflächen. „Das Positive ist ja, dass der Regionalverband sich offenbar an den Gedanken gewöhnt hat, dass dort nicht für immer Landwirtschaft betrieben werden muss“, erklärt Gellert. Auch die Stromleitungen spielten offenbar auf einmal keine Rolle mehr. „Schön, dass die Autobahn jetzt doch kein Rubikon darstellt“, findet Stadtrat Josef.

Schielender Löwe Joco.

Verlegung des Frankfurter Zoos wäre mit hohen kosten verbunden

So oder so: Eine Verlegung des Zoos sei auch viel zu teuer, betont Gellert und verweist auf das Ergebnis einer alten Machbarkeitsstudie. Die hatte damals – ausgerechnet – der Regionalverband in Auftrag gegeben. Horn indes zeigt sich überzeugt, dass angesichts der aktuell am Markt zu erzielenden Grundstückspreise ein Verkauf des elf Hektar großen Zoo-Areals in bester Innenstadtlage genügend Geld in die Stadtkasse spülen würde, um nicht nur einen neuen Tierpark zu finanzieren, sondern auch noch weitere kulturelle Einrichtungen. Immerhin habe das Land Hessen mit dem Verkauf der etwa 1,5 Hektar großen Fläche des alten Polizeipräsidiums 212 Millionen Euro erzielt, erinnert Horn.

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Gerade dieser Vergleich aber stößt Gellert sauer auf: „Wenn wir das Zoogelände teuer verkaufen würden, würden dort auch teure Wohnungen gebaut.“ Das sei nicht im Sinne der Stadt. „In der Josefstadt können wir deutlich günstigeren Wohnraum schaffen.“

Irritationen gab es im Römer auch, weil Horn mit seiner Idee nicht etwa auf die Verantwortlichen im Frankfurter Rathaus zugekommen ist, sondern diese davon durch einen Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erfahren haben.

Kommentar:

Ein großer, weitläufiger Zoo vor den Toren der Stadt – im ersten Moment klingt die Idee charmant. So charmant, dass sich Politiker in Stadt und Region jahrzehntelang die Köpfe darüber zerbrochen haben – und nach reiflicher Überlegung davon abgekommen sind. Dass Thomas Horn die uralte Idee nun aufwärmt, überrascht indes.

Seit die Stadt Frankfurt sich entschieden hat, an ihrem Zoo mitten in der Stadt festzuhalten, hat sie 30 Millionen Euro in dessen Modernisierung investiert. Natürlich gibt es noch viel zu tun. Aber dort, wo Geld in die Hand genommen wurde, ist der Zoo schon jetzt ein Schmuckstück. Und die Frankfurter lieben ihn!

Fragt sich, was Horn tatsächlich mit seinem Vorstoß bezwecken will. Der Verdacht liegt nahe, dass es ihm weniger darum geht, Frankfurt einen schöneren Zoo zu bescheren als vielmehr darum, die Nachbarkommunen Steinbach und Oberursel zu besänftigen, die sich vehement gegen den neuen Frankfurter Stadtteil Josefstadt wehren. Überraschend ist auch, dass Horn nicht erst das Gespräch zu den Frankfurter Kollegen sucht, bevor er einen derart weitreichenden Vorstoß öffentlich macht. Von einem Regionalverbandspräsidenten darf man ein wenig mehr diplomatisches Geschick erwarten. Es sei denn, er verfolgt mit seinem Handeln nur seine eigenen Ziele.

Info: geteiltes Echo im Taunus:

Im Taunus stößt Horns Idee, vor den Toren Steinbachs einen neuen Zoo anzulegen, auf ein geteiltes Echo. Lars Knobloch (FDP), Erster Stadtrat der Stadt Steinbach, beurteilt die Sache positiv. „Ich sehe in erster Linie das Signal des Verbandsdirektors, dass er auf dem Areal keine Wohnbebauung will. Das ist gut und richtig und für uns das Wichtigste.“ Man müsse auch an den Opel-Zoo denken – der werde es mit einem Tier-Landschaftspark in unmittelbarer Nähe schwerer haben.

Dr. Thomas Kauffels, Direktor des Opel-Zoos, sieht in einer Ansiedlung des Frankfurter Zoos eine direkte Konkurrenz – für beide Einrichtungen. Dann lägen „die beiden beliebtesten Freizeitdestinationen Hessens“ nur 11 Kilometer auseinander. Jetzt sind es 25. „Das wird Auswirkungen haben, das liegt auf der Hand“, sagt er.

Bedenken äußert Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD). „Ein Zoo braucht enorm viel Fläche“, sagt er. Somit gelte das Argument der Gegner eines neuen Stadtteils auch für einen Tierpark. Auch gibt Brum zu bedenken, dass dieser viel Verkehr anziehen werde.

Positive Töne kommen indes aus dem Landratsamt. „Der Vorstoß bringt Bewegung in eine festgefahrene Diskussion“, sagt Landrat Ulrich Krebs (CDU). „Diese Idee hat viel Charme.“ Grundsätzlich würde er „eine Wohnraumentwicklung in der Innenstadt von Frankfurt immer bevorzugen“, sagt Krebs – dort gebe es auch die entsprechende Infrastruktur.

( ahi)

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